Waffenhandel

"Gun TV" in den USA: Teleshopping für Revolver-Liebhaber

Schusswaffen gibt es in den USA in Zigtausenden Geschäften zu kaufen – und nun auch im Fernsehen bei „Gun TV“. Kritiker sind entsetzt.

Waffenhandel in den USA: Pistolen und Gewehre gibt es in Zigtausenden Geschäften – und nun auch im Fernsehen.

Waffenhandel in den USA: Pistolen und Gewehre gibt es in Zigtausenden Geschäften – und nun auch im Fernsehen.

Foto: Getty Images / Getty Images News/Getty Images

Washington.  Nichts explodiert beim Eindringen eines Projektils imposanter als Wassermelonen. Die Macher des neuesten und umstrittensten Homeshopping-Fernsehkanals in den USA machen sich das zunutze. In fast jeder Ausgabe von „Gun TV“, das sich Schießprügeln aller Art verschrieben hat, wird früher oder später auf einen grünen Rundling geballert, auf dass die roten Fruchtfetzen fliegen.

Mit knapp drei Monaten Verspätung ist das Programm nun auf Sendung gegangen. Aus einem Studio in Kalifornien sendet das Team von „Gun TV“-Gründerin Valerie Castle täglich von morgens 1 Uhr bis 7 Uhr eine bizarre Verkaufsshow, in der sich alles um Revolver, Gewehre, Pistolen, Munition und Zubehör dreht. Laut der Betreiberfirma, die sich „Soziale Verantwortung GmbH“ nennt, können 20 Millionen Amerikaner mit Kabelanschluss den Sender empfangen. Der Rest muss aufs Internet ausweichen.

Jährlich 30.000 Tote durch Schusswaffen

Einige Moderatoren, etwa der meist unter einem breitkrempigen Cowboyhut leutselig in die Kamera grinsende Denny Chapman oder der frühere Elitesoldat Billy Birdzell, sind militärisch ausgebildete und zertifizierte Waffenkundler. Andere waren Rodeoreiterin oder Polizistin. Was sie eint, ist die geradezu kultische Verehrung für jene Gerätschaften, die in den USA jährlich am vorzeitigen Tod von rund 30.000 Menschen beteiligt sind.

Erst am Samstag soll ein 51 Jahre alter Schütze im US-Staat Georgia fünf Menschen erschossen haben. Einen Tag zuvor wurden in Ohio acht Angehörige einer Familie mit Kopfschüssen hingerichtet – einen Tatverdächtigen gibt es noch nicht.

Für europäische Zuschauer wirkt es angesichts solcher Nachrichten befremdlich, wenn die zierliche Polizistin Bree Warner beim Abfeuern einer vier Pfund schweren „Magnum Research Desert Eagle“ strahlende Augen kriegt und von der „mächtigsten Handfeuerwaffe auf der Erde“ schwärmt.

Händler muss Kunden auf Vorstrafen überprüfen

Marketing-Experten in den USA runzeln bei „Gun TV“ eher die Stirn, weil man auch in Zigtausenden Geschäften unkompliziert an Waffen gelangen kann. Gewiss sei es bequem, sich auf dem Sofa die Vorzüge dieses oder jenes Kalibers demonstrieren zu lassen und danach zu bestellen, heißt es in Fachforen, aber am Ende müsse man ja doch die Lieferung selbst abholen. Das schreiben die US-Gesetze vor. Bei „Gun TV“ georderte Waffen gehen erst an einen Großhändler. Dort wird überprüft, ob der Kunde etwa vorbestraft ist. Gibt es keine Verdachtsmomente, kann der Käufer seine neue Knarre bei einem Händler in der Nähe abholen.

Waffengegner stellt dieser Umweg ebenso wenig zufrieden wie die Tatsache, dass „Gun TV“ pro Sendestunde dreieinhalb Minuten für Sicherheitsmaßnahmen aufwendet. In einer Szene wird gezeigt, dass verantwortungsvolle Schützen die Munition „regelmäßig entfernen“. Sekunden später preist Moderatorin Amy Robbins die Vorzüge der rosafarbenen „Beretta Pico .380“. Die sei so klein, dass man sie problemlos im BH verstauen könne. Keine Rede mehr von Sicherheitserwägungen.

„Befriedigen nur vorhandene Nachfrage“

„’Gun TV’ ist wirklich das Allerletzte, was wir in Amerika benötigen“, sagen Sprecher des „Law Center to Prevent Gun Violence“. Die Organisation, die gegen die steigende Zahl von Waffenkäufen Front macht, hält es für fahrlässig, Waffen im gleichen Stil anzupreisen wie Staubsauger. Sendergründerin Castle weist Kritik zurück: „Wir schaffen keine zusätzliche Nachfrage, wir befriedigen die vorhandene. Außerdem klären wir unsere Zuschauer über die Gefahren auf.“ Da reicht ein Blick auf die zu Klump geschossenen Wassermelonen bei Gun TV schon aus.