Museum

Kunstgriff im Klo: Guggenheim installiert Toilette aus Gold

Andrang mit Harndrang erwartet das New Yorker Guggenheim Museum: Das goldene Kunst-Klo, das dort zu sehen ist, soll benutzt werden.

Pinkeln wie ein feiner Pinkel: Das geht demnächst für alle, die 25 Dollar für die Eintrittskarte ins New Yorker Guggenheim Museum anlegen.

Pinkeln wie ein feiner Pinkel: Das geht demnächst für alle, die 25 Dollar für die Eintrittskarte ins New Yorker Guggenheim Museum anlegen.

Foto: . / imago

New York.  Kunstwerke in Museen darf man in der Regel nicht berühren. Ein neues Werk im berühmten New Yorker Guggenheim Museum darf man nicht nur berühren, man soll sogar – und mehr noch. Die Arbeit des Italieners Maurizio Cattelan heißt „America“, und Besucher werden mit ihr wohl intimere Kunst-Erlebnisse haben, als mit allen anderen Werken im Haus. Denn es geht um eine Toilettenschüssel aus 18-karätigem Gold, und die ist dafür gedacht, benutzt zu werden.

Den Leuten zu sagen, was seine Arbeiten bedeuteten, sei nicht sein Job, erklärte der 55-Jährige der „New York Times“. Viele werden vermutlich große Freude daran haben, das Kunstwerk zu interpretieren – die eine oder andere Scheißhaus-Idee wird sicher dabei sein. Es bestehe natürlich das Risiko, dass die Leute dächten, das goldene Klo sei ein Witz – „aber ich sehe es nicht als Witz“.

Für viele gilt Cattelan, der Sohn eines Lkw-Fahrers und einer Putzfrau, als der Witzbold der Kunstwelt, als einer, der gern provoziert. Zum Beispiel mit seiner Skulptur „La Nona Ora“: ein lebensgroßes Abbild von Papst Johannes Paul II., der von einem Meteoriten niedergestreckt am Boden liegt. Oder seine Skulptur „Him“: eine kindlich wirkende, kniend betende Figur mit den Gesichtszügen Hitlers. Die soll im Mai vom Auktionshaus Christie’s in New York versteigert werden; Experten rechnen damit, dass „Him“ zwischen zehn und 15 Millionen Dollar erzielt.

Pinkeln wie ein feiner Pinkel kostet 25 Dollar Eintritt fürs Museum

Mit „Maurizio Cattelan: America“ bezieht sich der Künstler unter anderem wohl auf Marcel Duchamp, der vor 99 Jahren – ebenfalls in New York – mit „Fountain“ ein handelsübliches Urinal ausstellte. Das löste, wenig überraschend, eine hitzige Diskussion über den Kunstbegriff aus.

Auch Cattelans Arbeit wird von einigen sicher kontrovers gesehen, auslösen wird sie wohl eher Menschen-Schlangen: Das Museum rechnet mit so viel Andrang beim Harndrang, dass ein eigener Wächter abgestellt werden soll. Der soll für Ordnung sorgen – und aufpassen, dass kein kunstbeflissener Klempner die goldene Schüssel abmontiert.

Mit dem Themenkreis des Aborts beschäftigt sich Maurizio Cattelan offenbar schon länger künstlerisch. Das Fotomagazin, das er gemeinsam mit einer Kunststiftung herausgibt, heißt „Toiletpaper“. Eine Ausgabe davon kostet 13 Dollar. Was die goldene Toiletten-Skulptur kostet, darüber schweigt das Guggenheim Museum.

Wer jetzt schon Pinkeln wie ein feiner Pinkel in den nächsten New-York-Trip einpreisen möchte, muss 25 Dollar Eintritt für das Museum an der Upper Eastside Manhattans einplanen – und bekommt dafür selbstverständlich noch weitaus mehr schillernde Kunst zu sehen als nur das schimmernde Klo.