Selbstmord

Gutachten sät Zweifel an Suizid von Kampusch-Entführer

Natascha Kampusch bei der Premiere des Films „3096 Tage“ in Wien. Um den Tod ihres Entführers ranken sich Verschwörungstheorien.

Natascha Kampusch bei der Premiere des Films „3096 Tage“ in Wien. Um den Tod ihres Entführers ranken sich Verschwörungstheorien.

Foto: Herbert Neubauer / dpa

Ein Gutachten schließt ein Fremdverschulden des Todes von dem Entführer von Natascha Kampusch nicht aus: Wie starb Wolfgang Priklopil?

Berlin.  Der Fall Kampusch sorgte weltweit für Schlagzeilen: Als Zehnjährige war Natascha Kampusch am 2. März 1998 entführt und mehr als acht Jahre lang in einem Keller in Wolfgang Priklopils Haus gefangen gehalten worden. Am 23. August 2006 gelang der damals 18-Jährigen die Flucht. Stunden später wurde der Entführer von einem Zug überfahren.

Um den Fall ranken sich immer wieder Verschwörungstheorien. Die Polizei hatte in ihrem Endbericht vom April 2013 keinen Zweifel daran, dass sich der Entführer selbst das Leben nahm. Das Nachrichtenportal Spiegel Online berichtet nun über ein neues Gutachten zweier Rechtsmediziner, die diese These infrage stellen. Darin heißt es, dass „der Todesfall Wolfgang Priklopil als höchst bedenklich zu bewerten und Fremdverschulden auf Basis der vorliegenden Befunde durchaus als möglich zu erachten“ sei.

Rechtsmedizinern fehlen wichtige Untersuchungen

Die österreichischen Rechtsmediziner Johann Missliwetz und Martin Grassberger kritisieren darin zudem, dass die „üblichen rechtsmedizinischen Standards und üblichen Vorgangsweisen, nicht einmal (nach) denen eines durchschnittlich sorgfältigen Facharztes der Rechtsmedizin“ erfolgt seien. Wichtige Untersuchungen seien unterblieben. Zum Beispiel habe es kein technisches Gutachten gegeben, um den Zusammenhang der Verletzungen mit der Fahrzeugfront abzugleichen.

In Auftrag gegeben hat das Gutachten Karl Kröll, der Bruder von Franz Kröll, der bei der Wiener Polizei die Sonderkommission Kampusch geleitet hatte. Der Ermittler war im Juni 2010 tot auf seiner Terrasse in Graz gefunden worden. Die Behörden gehen von Suizid aus. Karl Kröll hat in Behördenkreisen den Ruf eines „Verschwörungstheoretikers“, weil er an einen Mord von Wolfgang Priklopil glaubt. (les/dpa)

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