Erdogan-Affäre

ZDF will mit Jan Böhmermann durch alle Instanzen gehen

Satiriker Jan Böhmermann bekommt Rückendeckung von seinem Haussender: Das ZDF will ihm in dem juristischen Streit zur Seite stehen.

Preisgekrönt, aber umstritten: Satiriker Jan Böhmermann muss nun mit Ermittlungen gegen sich rechnen. Das ZDF sagte ihm dabei die volle Unterstützung zu.

Preisgekrönt, aber umstritten: Satiriker Jan Böhmermann muss nun mit Ermittlungen gegen sich rechnen. Das ZDF sagte ihm dabei die volle Unterstützung zu.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Berlin.  Das ZDF sichert seinem Moderator Jan Böhmermann für die juristische Auseinandersetzung mit dem türkischen Präsidenten finanzielle Unterstützung zu. Der Sender stehe hinter dem Satiriker und gebe ihm im Rechtsstreit mit Recep Tayyip Erdogan vollen Rechtsschutz, sagte Intendant Thomas Bellut dem „Spiegel: „Wir gehen mit ihm durch alle Instanzen.“

Der zuständige ZDF-Redakteur, der die strittige Szene vor der Aufzeichnung mit Böhmermann diskutiert und dann freigegeben habe, müsse „keinerlei disziplinarischen Maßnahmen befürchten“, so Bellut weiter. Er halte den Beitrag für einen Grenzfall.„Man kann das so oder so sehen“, sagte er.

Intendant Bellut verteidigt Entfernung aus Mediathek

Er habe die Entscheidung, die Szene aus der Mediathek zu entfernen, aufgrund „meines persönlichen moralischen Wertesystems“ getroffen, sagte Bellut. „Ich habe es mir nicht leicht gemacht. Aber ich halte sie nach wie vor für die am wenigsten falsche Entscheidung, die ich treffen konnte.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die deutsche Justiz am Freitag ermächtigt, gegen Böhmermann zu ermitteln. Damit gab sie einem Antrag Erdogans statt – und setzte sich zugleich mit einem Machtwort über den Willen ihres Koalitionspartners SPD hinweg. Im Rechtsstaat sei es nicht Sache der Regierung, sondern unabhängiger Gerichte, Persönlichkeitsrechte gegen die Presse- und Kunstfreiheit abzuwägen, sagte Merkel.

Til Schweiger: „Das macht mich fassungslos“

Böhmermann hatte in seiner satirischen TV-Show „Neo Magazin Royale“ ein Gedicht vorgetragen, in dem er Erdogan mit drastischen Worten angriff. Es ging um Sex mit Tieren und Kinderpornografie, überdies wurden Klischees über Türken transportiert. Nach eigener Darstellung wollte Böhmermann damit den Unterschied zwischen erlaubter Satire und beleidigender Schmähkritik aufzeigen.

Die Kritik an der Entscheidung Merkels hält unterdessen an. So zeigte sich Schauspieler Til Schweiger fassungslos. „Was ich von Jan Böhmermann halte, ist hinlänglich bekannt – gar nichts. Aber wie unsere Regierung hier vor einem Präsidenten kuscht, der in seinem Land die Meinungsfreiheit mit den Füßen tritt – uns aber gleichzeitig sagt, wir sollen uns aus seiner Politik raushalten – das macht mich fassungslos“, sagte Schweiger der „Bild“-Zeitung.

AfD-Grüner Bernd Lucke zieht hingegen in einem Tweet am Samstag nicht über die Entscheidung Merkels, sondern über den Moderator her und nennt Böhmermann eine „feige Drecksau“.

CDU-Mann Bosbach: Bedauerliche Entscheidung

„Die Entscheidung der Bundeskanzlerin ist unglücklich und unnötig“, urteilte auch der Vorstandssprecher von Reporter ohne Grenzen, Michael Rediske. „Alles Weitere liegt nun bei der Justiz und damit dort, wo es hingehört“, erklärte er in einer Stellungnahme der Organisation. Kritiker werfen insbesondere Merkel vor, wegen der Zusammenarbeit der EU mit der Türkei in der Flüchtlingskrise zu viel Rücksicht auf Ankara zu nehmen.

Auch innerhalb von Merkels Partei ist die Entscheidung nicht unumstritten. CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach etwa übte deutliche Kritik: „Ich bedauere die Entscheidung und hoffe, dass der Türkei eine Lektion in puncto Meinungsfreiheit erteilt wird“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“. „Ich gehe jedenfalls nicht davon aus, dass man Böhmermann verurteilt.“ (W.B./dpa)