Hamburg –

Ein teurer Traum wird wahr

Das Drama um die Hamburger Elbphilharmonie nimmt ein gutes Ende

Hamburg.  Neun Monate noch, dann endet mit dem Eröffnungskonzert in der Hamburger Elbphilharmonie ein Kapitel in der Stadtgeschichte, wie es noch keines gab. Acht Jahre nach einer symbolischen Grundsteinlegung im Kaispeicher A, dem Fundament der gläsernen Welle auf einem ehemaligen Speichergebäude hoch über der Elbe, will sich die Hansestadt mit einem neuen Konzerthaus als Musikstadt ehrgeizig neu positionieren. Mehrmals mussten Eröffnungstermine verschoben werden. Die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron verkrachten sich mit der Stadt und dem Baukonzern Hochtief. Es gab einen gut einjährigen Stillstand auf der Baustelle, weil man sich darüber stritt, ob die Dachkonstruktion hält oder nicht. Sie hielt.

Die Kosten explodierten wie sonst nur noch beim BER

Der Preis explodierte mehrfach in einer Heftigkeit, wie man sie sonst nur noch vom Berliner Flughafen BER kennt: Aus anfangs errechneten 77 Millionen Euro sind mittlerweile 865 Millionen Euro für die Stadt geworden. Zwei Parlamentarische Untersuchungsausschüsse beschäftigten sich monatelang mit der Suche nach Schuldigen. Erst eine komplette Neuordnung der Verträge und der Verantwortlichkeiten sorgte für Ruhe und Baufortschritt, und für einen letzten Preissprung. Die einstigen Prozessgegner vertragen sich seitdem, als wäre nie etwas gewesen. Kein Wunder also, dass Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gestern, genau neun Monate vor dem Eröffnungskonzert am 11. Januar 2017, bei der Präsentation des Programms stolz frohlockte: „Die Elbphilharmonie ist in Hamburg angekommen. Vielleicht ist es mit diesem Gebäude wie mit jeder schweren Geburt: wenn sie vollbracht ist, sind Erleichterung und Freude doch groß.“

Übergroß war auch die Freude bei Generalintendant Christoph Lieben-Seutter. Man werde auf dem Planeten wohl kein anderes Programm dieser Güte finden können, meinte er.

Das NDR Elbphilharmonie Orchester wird als Residenzorchester die beiden Eröffnungskonzerte gestalten. Chefdirigent Thomas Hengelbrock soll dann die Uraufführung einer Auftragsarbeit von Wolfgang Rihm dirigieren, die sich auf Texte des Hamburger Schriftstellers Hans Henny Jahnn beziehen, mit Starsolisten wie Anja Harteros, Jonas Kaufmann und Bryn Terfel. Für die beiden Eröffnungskonzerte soll etwa ein Viertel der Karten verlost werden. Auch für die Zeit danach
rechnen alle Verantwortlichen mit einem riesigen Ansturm auf die Tickets.

Nach dem Gala-Auftakt folgt ein mehrwöchiges Eröffnungsfestival mit etlichen Stars aus der Musikwelt, von denen viele schon jahrelang auf die Chance gewartet hatten, im spektakulären Großen Saal der Elbphilharmonie auftreten zu können. Für die hoffentlich erstklassige Akustik dort soll die „Weiße Haut“ sorgen – rund 10.000 wellenförmig gefräste Gipsfaserplattten als maßgeschneiderte Wandvertäfelung, montiert in einen Saal mit knapp 2100 Plätzen, der sich mit seiner Weinberg-Form an der Berliner Philharmonie orientiert, aber deutlich steiler und intimer wirkt. Für die Planung der Akustik wurde der Japaner Yasuhisa Toyota verpflichtet, der unter anderem für den guten Ton in der Walt Disney Concert Hall von Frank Gehry gesorgt hatte.

Elbphilharmonie soll ein„Haus für alle“ werden

Als der langjährige Chef des Wiener Konzerthauses sein Amt in Hamburg antrat, war Lieben-Seutter noch sehr guten Mutes, schnell seine neue Wirkungsstätte mit Konzerten bespielen zu können. Es sollte anders kommen, ganz anders. Nun, endlich, will er mit einem üppigen Aufgebot an Stars und Ideen dafür sorgen, dass sowohl die neue Elbphilharmonie als auch die altehrwürdige Laeiszhalle gemeinsam den Grundstein für das Projekt „Musikstadt Hamburg“ bilden. Denn die Hamburger Politik hat in den Jahren der Baustellen-Krise immer wieder betont, die Elbphilharmonie werde „ein Haus für alle“ sein, jedes Hamburger Schulkind solle mindestens einmal dort mit Musik in Berührung kommen. Eigens dafür wurde mit den sieben „Kaistudios“ ein großer Musikvermittlungsbereich eingerichtet. Und vor wenigen Tagen hat die Hamburger Bürgerschaft eine Erhöhung des Betriebskostenzuschusses von 3,2 auf 6 Millionen Euro beschlossen.

Der Countdown zur Eröffnung läuft nun weiter. Im Sommer soll das Gebäude an die Stadt übergeben werden. Danach wird das NDR-Orchester seine Räume beziehen und sich mit seiner neuen Heimat vertraut machen.

Für das erste Novemberwochenende ist die feierliche Eröffnung der Plaza geplant – das ist die Fuge zwischen dem Kaispeicher-Fundament und dem gläsernen Neubau, der auch ein Hotel und private Luxuswohnungen beinhaltet.

Die Plaza wird auch tagsüber öffentlich zugänglich sein. Schon jetzt ist klar, dass diese Fläche, in knapp 40 Metern Höhe und etwa so groß wie der Hamburger Rathausmarkt, für Touristen aus aller Welt zum Pflichtprogramm bei ihren Besuchen in der Hansestadt werden wird.