Sexualdelikt

Missbrauchsverdacht: Pfarrer aus Hessen zeigt sich selbst an

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Der Fuldaer Dom St. Salvator: Das Bistum Fulda hat einen 36-jährigen Pfarrer wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs vom Dienst suspendiert.

Der Fuldaer Dom St. Salvator: Das Bistum Fulda hat einen 36-jährigen Pfarrer wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs vom Dienst suspendiert.

Foto: imago stock&people

Ein möglicher Fall sexuellen Missbrauchs erschüttert das Bistum Fulda. Ein Pfarrer ist nach einer Selbstanzeige vom Dienst suspendiert.

Kalbach/Fulda.  Die Staatsanwaltschaft Fulda ermittelt gegen einen katholischen Pfarrer aus dem osthessischen Kalbach wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs. Es werde geprüft, ob „Delikte aus dem Sexualbereich“ vorliegen, sagte Staatsanwalt Harry Wilke am Montag. Der Pfarrer habe sich am Donnerstag selbst angezeigt und über seinen Anwalt eine schriftliche Erklärung abgegeben. Details zum Fall und den Betroffenen machte die Staatsanwaltschaft nicht, um die Opfer zu schützen.

Der 36 Jahre alte Pfarrer wurde wegen des Missbrauchsverdachts bereits vom Bistum Fulda suspendiert. Laut Staatsanwaltschaft ereigneten sich die Vorkommnisse in der Nacht zum Karfreitag im Jugendraum unter der Pfarrei in Mittelkalbach. Dort kam es einer schriftlichen Erklärung von Generalvikar Gerhard Stanke zufolge „zu Handlungen mit Jugendlichen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum“.

Missbrauchsbeauftragte erhielt nach Ostern einen Hinweis

Was genau in dem Jugendraum vorgefallen ist, wird nun ermittelt. „Wir prüfen, ob es einen Straftatbestand gibt“, sagte Wilke. Nach Angaben des Bistums bestehe der Verdacht, dass der Pfarrer gegen die Präventionsordnung gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen verstoßen habe. Ein Hinweis sei nach Ostern aus der Pfarrei an die Missbrauchsbeauftragte des Bistums gegangen, sagte Bistumssprecher Christof Ohnesorge.

Nach dem Verfahren der Staatsanwaltschaft schließe sich womöglich noch eine kirchenrechtliche Untersuchung des Falles an, sagte Ohnesorge. Im Extremfall drohe dem Pfarrer eine Entlassung aus dem Klerikerstand. Möglich seien aber auch weniger harte Konsequenzen, wie etwa ein Verbot zur Gemeindearbeit oder ein Kontakteverbot zu Kindern und Jugendlichen.

Bistum bietet potenziellen Opfern psychologische Hilfe an

Der Pfarrer hat sich mittlerweile krankgemeldet und wird an einem Ort außerhalb der Gemeinde betreut. Er erklärte seinen Verzicht auf sein Amt in der Gemeinde St. Kilian. Die Gemeinde wurde über den Fall am Wochenende in Gottesdiensten informiert. Das Bistum bot den mutmaßlichen Opfern psychologische und seelsorgerische Hilfe an.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe habe das Bistum nach Ostern ein Gespräch mit dem Priester gesucht. „Er schämt sich seiner Tat und bereut sie“, sagte Ohnesorge über die Reaktion des Pfarrers.

Pfarrer machte schon als Karnevalsprinz Schlagzeilen

Der Geistliche war 2006 zum Priester geweiht worden. Seit Juli 2011 war er Pfarrer in Kalbach. Schlagzeilen machte er 2012, als er vom Niederkalbacher Carneval Verein als Fastnachtsprinz präsentiert wurde, mit dem Beinamen „Verkünder der frohen Botschaft“. Das Bistum erlebte ihn den Angaben zufolge als aufgeschlossenen Menschen und Seelsorger, der auf die Menschen zugeht. Nach der Suspendierung des Pfarrers soll nun geklärt werden, wer die Pfarrei vorübergehend führt und wie die Verwaltungsarbeit übernommen wird.

Der derzeit in Rom weilende Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen zeigte sich nach Angaben des Bistums erschüttert über den Vorfall. Seit dem Jahr 1943 seien insgesamt 16 Missbrauchsfälle von Priestern im Bistum ermittelt worden, teilte Sprecher Ohnesorge weiter mit. Sechs Priester seien nach ihrem Tod beschuldigt worden.

Vier Geistliche seien verurteilt, bei fünf Klerikern sei das Verfahren eingestellt worden. Außerdem seien sechs Laienmitarbeiter sowie eine Ordensschwester nach ihrem Tod beschuldigt worden. Insgesamt habe das Bistum 15 Zahlungen an Missbrauchs-Opfer von insgesamt 45.500 Euro geleistet, hieß es weiter. (dpa)

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