Schmähkritik

Springer-Chef: Böhmermanns Gedicht ist „ein Kunstwerk“

Auch Springer-Chef Döpfner schaltet sich nun in die Debatte um das Erdogan-Gedicht von Jan Böhmermann ein. Und ergreift klar Partei.

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, stellt sich in einem offenen Brief hinter den ZDF-Moderator Jan Böhmermann.

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, stellt sich in einem offenen Brief hinter den ZDF-Moderator Jan Böhmermann.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin.  In der Debatte um das Erdogan-Gedicht von Jan Böhmermann bekommt der Satiriker Unterstützung von Springer-Chef Mathias Döpfner. „Ich finde Ihr Gedicht gelungen. Ich habe laut gelacht“, schreibt der Vorstandsvorsitzende des Medienhauses („Bild“, „WeltN24“) in einem offenen Brief in der „Welt am Sonntag“.

„Lieber Herr Böhmermann, wir kennen uns nicht, und ich habe leider auch bisher Ihre Sendungen nicht sehen können. Dennoch wende ich mich in einem offenen Brief an Sie, denn es ist aufschlussreich, welche Reaktionen Ihre Satire ausgelöst hat“, schreibt Döpfner. Es handele sich um einen Kristallisations- und Wendepunkt.

„Geschmacklos, primitiv und beleidigend – war doch der Sinn der Sache“

In den vergangenen Tagen habe man keinen Beitrag über Böhmermanns Gedicht gelesen, der nicht betont habe, „wie geschmacklos und primitiv und beleidigend“ die Satire über Erdogan sei, meint Döpfner. „Das ist ungefähr so originell und aussagekräftig, als wenn man einem Formel-1-Autobauer vorwirft, seine Autos seien aber schnell. Dass Ihr Gedicht geschmacklos, primitiv und beleidigend war, war ja – wenn ich es richtig verstanden habe – der Sinn der Sache.“

Böhmermann hatte das Gedicht mit dem Titel „Schmähkritik“ am 31. März in seiner satirischen TV-Show „Neo Magazin Royale“ präsentiert – und vorher ausdrücklich darauf hingewiesen, dass so etwas in Deutschland nicht erlaubt sei. Prompt ermittelt nun die Staatsanwaltschaft, nachdem es Anzeigen gegen Böhmermann und ZDF-Verantwortliche gab. Anlass für das Schmähgedicht war der Protest des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen einen Satire-Beitrag des NDR-Fernsehmagazins „extra 3“. Nach eigenen Worten wollte Böhmermann daraufhin an einem praktischen Beispiel erklären, was in Deutschland von der Satire-Freiheit gedeckt sei und was nicht.

Staatskrise wegen des Wortes „Ziegenficker“

„Ein Kunstwerk“, urteilt Döpfner über Böhmermanns Aktion – und stellt fest: „In Deutschland brach eine Art Staatskrise aus, nur weil Sie Herrn Erdogan als „Ziegenficker" bezeichnet haben.“ Döpfner schließt seinen offenen Brief mit den Worten: „Ich möchte mich, Herr Böhmermann, vorsichtshalber allen ihren Formulierungen und Schmähungen inhaltlich voll und ganz anschließen und sie mir in jeder juristischen Form zu eigen machen. Vielleicht lernen wir uns auf diese Weise vor Gericht kennen.“

Böhmermann (35) hat für eine andere Satire („Varoufake“ um Stinkefinger des ehemaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis) den diesjährigen Grimme-Preis erhalten. Nach der Kritik an seinem Erdogan-Gedicht blieb Böhmermann am Freitagabend der Preisverleihung jedoch fern. Vom Deutschen Volkshochschul-Verband erhielt er dabei die „Besondere Ehrung“ für seine Verdienste um die Entwicklung des Fernsehens in der digitalen Welt. (dpa/les)