Religion

Muslimische Schüler dürfen Lehrerin Handschlag verweigern

In der Schweiz verweigerten muslimische Schüler aus religiösen Gründen ihrer Lehrerin den Handschlag. Die Schule zeigte Verständnis.

Die Schweiz diskutiert über einen Händedruck, oder besser: über einen verweigerten Händedruck. Der Grund: Eine Sekundarschule erlaubte zwei muslimischen Schülern, ihrer Lehrerin den Handschlag zu verweigern.

Die Schweiz diskutiert über einen Händedruck, oder besser: über einen verweigerten Händedruck. Der Grund: Eine Sekundarschule erlaubte zwei muslimischen Schülern, ihrer Lehrerin den Handschlag zu verweigern.

Foto: imago stock&people

Berlin.  Jürg Lauener hat die Orientierung verloren. Der Rektor einer Sekundarschule im schweizerischen Therwil zeigte Verständnis für zwei seiner muslimischen Schüler. Die Jugendlichen hatten einer Lehrerin aus religiösen Gründen den Handschlag verweigert. Und Lauener, nicht ahnend, dass er damit eine landesweite Debatte lostreten würde, erließ für die beiden Handschlagverweigerer eine Sonderregelung, die ihnen das Handschlagverweigern erlaubt.

Der Fall, über den unter anderem „Schweiz am Sonntag“ und der „Tagesanzeiger“ berichten, ist in der Schweiz mittlerweile ein Politikum. Nur wenige bringen Verständnis für die Entscheidung der Schulleitung auf. Sogar die Justizministerin äußerte ihre Bedenken. „Dass ein Kind der Lehrperson die Hand nicht gibt, das geht nicht“, sagte Simonetta Sommaruga im schweizerischen Fernsehen. Auch viele islamophobe Hetzer nutzten den Vorfall als Steilvorlage, um im Internet ihre Parolen loszuwerden.

Schulleitung hofft auf Hilfe vom Kanton

Jürg Lauener ringt indes immer noch um Orientierung – und erhofft sich Hilfe von Regierungsseite. Gerade für solche Fälle wünsche er sich „Handlungsempfehlungen“, sagte er dem „Tagesanzeiger“. Das Kanton Basel-Landschaft wolle nun ein Gutachten erarbeiten, das zur Klärung solcher Fälle beitragen kann, so die Zeitung weiter.

Die kantonale Bildungsdirektorin äußerte sich gegenüber dem „Tagesanzeiger“ allerdings auch recht eindeutig. Die Schulleitung habe mit der Sonderregelung korrekt, weil „im Sinne eines reibungslosen Schulbetriebs“ gehandelt, sagte Monica Gschwind. Für sie könne das aber keine Dauerlösung sein, für alle Schülerinnen und Schüler müssten die gleichen Regeln gelten. „Daran will ich konsequent festhalten“, sagte Gschwind.

Auch Muslime gespalten

Dass es keine ganz unkomplizierte Debatte werden dürfte, zeigen auch Berichte der „Schweiz am Sonntag“, die den Vorfall zuerst öffentlich gemacht hatte. Denn nicht nur unter Politikern und Schulbediensteten gibt es zu dem Thema kontroverse Meinungen. Auch unter Muslimen scheinen die Meinungen auseinanderzugehen.

Der Präsident der Föderation islamischer Dachorganisationen (Fids), Montassar Benmrad, der eigentlich als sehr liberal gilt, antwortete auf die Frage, ob er Verständnis für die Entscheidung aufbringe, mit „Ja und nein“. Er selbst gebe Frauen die Hand, sagte der gegenüber „Schweiz am Sonntag“, aber er fordere auch Geduld gegenüber den Muslimen, die es anders halten. „Mit solchen Schülern sollte man den Dialog suchen“, sagte Benmrad der Zeitung. Emine Sariaslan, Präsidentin des Forums für die Integration der Migrantinnen und Migranten, äußerte sich gegenüber der Zeitung entschiedener. „Die Regeln an einer Schule und überhaupt in unserer Gesellschaft sollten für alle gelten. Den Kindern ist mit Sonderregeln an Schulen nicht geholfen.“