Ermittlungen

Belästigung in Kieler Einkaufszentrum: Polizei rudert zurück

Zwei junge Männer sollten in Kiel Mädchen belästigt und gefilmt haben. Nun musste die Polizei einen Teil der Vorwürfe zurücknehmen.

Das Einkaufszentrum Sophienhof in Kiel: Mehr als einen Monat nach den Berichten über angebliche massive Belästigungen junger Mädchen in dem Shoppingcenter ist ein Teil der Vorwürfe gegen die beiden Hauptverdächtigen vom Tisch.

Das Einkaufszentrum Sophienhof in Kiel: Mehr als einen Monat nach den Berichten über angebliche massive Belästigungen junger Mädchen in dem Shoppingcenter ist ein Teil der Vorwürfe gegen die beiden Hauptverdächtigen vom Tisch.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Berlin.  Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen: Im Kieler Einkaufszentrum Sophienhof sollen zwei afghanische Flüchtlinge angeblich drei 15, 16 und 17 Jahre alte Mädchen belästigt, bedrängt und mit ihren Handys fotografiert haben. Im weiteren Verlauf hätten sich „sukzessive 20 bis 30 weitere Personen mit Migrationshintergrund“ eingefunden und an den Schikanen beteiligt, berichtete zunächst die Polizei. Es las sich so, als sei es Tatsache. Mehr als einen Monat später ist an den Anschuldigen kaum noch etwas dran. Ermittelt wird gegen die zwei 17-jährigen Asylbewerber aus Afghanistan aber noch wegen Widerstands gegen Polizisten, Körperverletzung und Beleidigung.

Fotos oder Videos der beiden Mädchen wurden auf den Handys der beiden Afghanen allerdings nicht gefunden, wie das Flensburger Tageblatt nun berichtete. Das hatte der Landespolizeidirektor von Schleswig-Holstein, Joachim Gutt, Anfang März zunächst versichert. Nach der Auswertung von insgesamt 40.000 Bildern auf den Handys der afghanischen Jugendlichen musste Gutt nun eingestehen, dass sich die Polizei geirrt hatte.

Nicht die einzige Ermittlungspanne

Den ursprünglichen Vorwurf, es habe in dem Einkaufszentrum regelrechte Jagszenen auf die Mädchen gegeben, an denen rund ein Dutzend Männder beteiligt gewesen sein sollen, hatte die Polizei schon wenige Tage nach dem Vorfall relativiert. Inzwischen scheint er völlig haltlos. Die Kieler Staatsanwaltschaft geht offenbar davon aus, dass es sich bei den 20 bis 30 Personen um Schaulustige handelte. Und noch eine Ermittlungspanne: Die afghanischen Jugendlichen sind beide 17 und nicht 19 und 26 Jahre alt, wie die Polizei zuerst angegeben hatte.

Ermittelt wird gegen die zwei Asylbewerber freilich noch immer. Laut Flensburger Tageblatt hatten die beiden an jenem Nachmittag 1,3 und 1,02 Promille Alkohol im Blut. In diesem Zustand sollen sie die Polizisten als „Nazibullen“ beschimpft und bespuckt sowie einen der Beamten mit einer „Kopfnuss“ verletzt haben. (küp)