Privatmuseum

Verrückte Sammlung: Rentner besitzt 36.400 Zollstöcke

Zollstöcke sind seine große Leidenschaft: Der 76-Jährige Günter Uhlig sammelt die Messgeräte seit vier Jahrzehnten. Warum eigentlich?

An den Wänden und von der Decke hängend – überall Zollstöcke im Museum von Rentner Günter Uhlig.

An den Wänden und von der Decke hängend – überall Zollstöcke im Museum von Rentner Günter Uhlig.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Wiedensahl.  Schon wer Günter Uhligs Kellerflur betritt, denkt: ganz schön viele Zollstöcke. Dann öffnet Uhlig die Tür zu einem angrenzenden Raum, und schließlich die Türen zu einem zweiten, dritten und vierten. Und erst dann bekommt man eine Ahnung davon, wie viele Gliedmaßstäbe der 76-jährige Rentner wirklich besitzt.

In allen Kellerräumen hängen sie zu Tausenden von der Decke, liegen auf Tischen und sind in speziellen Regalvorrichtungen an den Wänden gestapelt. 36.400 sind es laut seiner Aussage, die er in seinem Haus im niedersächsischen Wiedensahl lagert. Aneinandergelegt wären sie länger als die Strecke bis ins rund 60 Kilometer entfernte Hannover. Noch immer kommen weitere hinzu.

Symbol der Berufsliebe

„Inzwischen geht es mir aber nicht mehr um Masse, sondern nur noch um Klasse“, sagt der Rentner. Uhlig ist gelernter Maurer. Ausführlich und mit viel Leidenschaft erzählt er von seinen Wander- und Gesellenjahren, während er an den gut sortierten Zollstockwänden vorbeiführt. „Noch immer bin ich Ehrenmitglied in der Maurerzunft“, sagt Uhlig. Der Zollstock scheint für ihn auch ein Symbol für seine Liebe zu diesem Beruf zu sein. In seinen Erzählungen lässt sich beides nicht voneinander trennen.

Zwei Zunftbrüder waren es auch, die ihm vor fast vierzig Jahren auf der Durchreise einige Zollstöcke dagelassen haben. „Damit fing es an, und da habe ich auch gleich so richtig losgelegt“, sagt Uhlig. Immer wieder habe er Unternehmen, Städte oder Vereine um Zollstöcke gebeten, erzählt Uhlig. „Häufig haben sie mir gleich mehrere Dutzend mit ihren Symbolen bedruckt und zugeschickt.“ Andere kamen von Besuchern seines Museums.

Privatmuseum im Keller eröffnet

Im Jahr 2000 habe er seine Sammlung in ein kleines Privatmuseum im Keller seines Hauses umgewandelt. Die Gliedmaßstäbe hat er dafür nach Themen organisiert: Liebe, Fußballvereine, Städte und natürlich Max und Moritz. Deren Erfinder Wilhelm Busch ist in dem kleinen Ort Wiedensahl geboren. Mit seiner Leidenschaft für das Sammeln von kuriosen Gegenständen ist Günter Uhlig nicht allein. Vor allem auf seinen Reisen durch die östlichen Bundesländer habe er viele Zollstocksammler kennen gelernt.

„Aus psychologischer Sicht ist es umstritten, warum Menschen eigentlich sammeln“, erklärt Beate Bollmann vom Institut für Materielle Kultur der Uni Oldenburg. „Möglicherweise ist es angeboren. Schon Kinder lieben es ja, Dinge zu sammeln, zum Beispiel Kuscheltiere oder Figuren, die sie aus dem Kino kennen.“ Bollmann nennt das „monothematisches Sammeln“.

Kein Nachfolger in Sicht

„Das ist ein ganz anderes Sammeln als das von Museen, die ja vor allem eine selektive Auswahl ihrer Objekte vornehmen“, sagt sie. Wenn solche monothematischen Sammler ihre Lieblinge an ein Museum veräußern wollen, seien sie deshalb oft enttäuscht, dass dort kein Interesse bestehe.

Auch der 76-jährige Uhlig wird irgendwann vor der Frage stehen, wohin mit seinen Zollstöcken. Niemand wird sein kleines Museum einfach so weiterführen können. Zu sehr ist es verwoben mit Uhligs persönlicher Lebensgeschichte. Noch möchte er darauf keine genaue Antwort geben: „Erstmal will ich noch einige Jahre selbst was davon haben.“ (dpa)