Informatik-Projekt

Studenten spielen Tetris und Breakout auf Uni-Fassade

Fernseher sind zu klein für Videospiele – dachten sich Studierende. Sie funktionierten die Uni-Fenster zu einem 1700-Zoll-Display um.

Der Kieler Student Merlin Kötzing spielt an der Hochhaus-Fassade der Universität das Computerspiel Tetris.

Der Kieler Student Merlin Kötzing spielt an der Hochhaus-Fassade der Universität das Computerspiel Tetris.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Kiel.  Von dieser Bildschirmdiagonale können Videospieler nur träumen. Studenten der Kieler Christian-Albrechts-Universität spielen auf einem 1700 Zoll großen Bildschirm die Computerspiele „Tetris“ und „Breakout“. Dafür haben vier angehende Informatiker und Wirtschaftsinformatiker die 392 Fenster der Fassade des Uni-Hochhauses mit Hilfe von exakt 56.448 LEDs in eine Riesen-Mattscheibe mit einer Diagonale von gut 43 Metern verwandelt. „So einen Klassiker in dieser Dimension zu spielen, ist etwas ganz Besonderes“, sagt Merlin Kötzing. Mit seinem Notebook dirigiert er die herunterfallenden Tetris-Klötzchen.

In den 14 Stockwerken des Gebäudes mit jeweils 28 Fenstern haben die jungen Wissenschaftler Aluminium-Leisten mit den Leuchtdioden angebracht. In ihnen steckt ein nicht mal fingernagelgroßer Computer. Zusammengeschaltet ergeben sie eine Riesen-Spielkonsole. Leisten und Technik sind Spezialanfertigungen. In dem „Projekt Lighthouse“ steckt viel Handarbeit. „Wir gehen von mehr als 5000 Arbeitsstunden insgesamt aus“, sagt Projektleiter Jonas Lutz.

392 Fenster ergeben eine Riesen-Spielkonsole

Der 23-Jährige hatte vor zwei Jahren anlässlich eines Wettbewerbs zum 350-Jahr-Jubiläum der Hochschule die Idee zu der Installation. Schnell stellte er aber fest, dass sich dies mit den ausgelobten 2500 Euro nicht realisieren ließ. „Deshalb habe ich letztlich gar nicht teilgenommen“, sagt er. Die Idee an sich lebte aber weiter und verbreitete sich per Mundpropaganda auf dem Campus.

„Irgendwann bekam die Pressestelle das mit“, sagt Lutz. Dort waren sie davon so begeistert, dass sie Sponsoren suchten und selbst etwas zu den Kosten in Höhe von 30.000 Euro beitrugen. Im November schalteten die Studenten ihre Lichtkunst an der Uni-Fassade das erste Mal an, allerdings noch nicht zum Spielen. Erstes Projekt war ein Countdown zum Olympia-Entscheid in Kiel und Hamburg.

Seit März spielen die Studenten nun Spieleklassiker. „Wir können mit unserem Projekt aber nicht nur spielen, sondern haben sehr viel mehr drauf“, sagt Lutz. „Das ist keine reine Spielerei, sondern damit ist auch ernsthafte Forschung möglich.“ Denkbar seien beispielsweise Arbeiten zum Thema Licht-Kommunikation. „Auf uns sind bereits Professoren mit Ideen zugekommen.“ Mindestens im Sommersemester soll das Projekt deshalb auf jeden Fall weitergehen.

Der Betrieb ist nicht wirklich teuer

Der Betrieb der LEDs ist nicht wirklich teuer. „Die Stromkosten für eine Stunde Tetris liegen im niedrigen Cent-Bereich“, sagt Lutz. Selbst bei maximaler Helligkeit – wenn alle 56.448 LEDs weiß leuchten – betragen die Stromkosten keine drei Euro. In jedem Fall möchten Lutz und seine drei Mitstreiter an der Fassade aber auch weiterspielen. Die Informatiker wollen künftig auch Gamepads bereitstellen, damit künftig noch mehr Menschen zocken können.

Das in den 1980er Jahren von dem russischen Programmierer Alexei Paschitnow erfundene „Tetris“ haben die Kieler eigens für ihre Installation neu programmiert. Aber nur einer der vier hat eigene Erinnerungen an den damaligen Hype um das Spiel, den Nintendos Gameboy ausgelöst hatte. „Ich habe im Kaufhaus stundenlang angestanden, um es mal spielen zu können“, erinnert sich der 35 Jahre alte Chris Kulessa. Der mobilen Spielkonsole lag seinerzeit eine „Tetris“-Version bei.

Privat haben die Studenten zwar allesamt mindestens eine Spielkonsole zu Hause, Hardcore-Gamer sei aber keiner von ihnen, versichern die Studenten. „Dafür habe ich schlicht keine Zeit“, sagt Lutz. Eine Ausnahme macht er aber für eine Partie „Tetris“ oder „Breakout“ – im Dienste der Wissenschaft quasi. (dpa)

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