Selbstmordattentat

Dutzende Tote bei Anschlag in Pakistan – Täter identifiziert

In Pakistan starben bei einem Bombenanschlag in der Nähe eines Spielplatzes mindestens 35 Kinder. Der Täter soll Lehrer gewesen sein.

Am Sonntag kam es im Osten Pakistan zu einer Explosion in einem Park. Zahlreiche Menschen kamen dabei ums Leben.

Am Sonntag kam es im Osten Pakistan zu einer Explosion in einem Park. Zahlreiche Menschen kamen dabei ums Leben.

Foto: MOHSIN RAZA / REUTERS

Lahore.  In einem Park in der pakistanischen Stadt Lahore hat sich am Ostersonntag ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Der Anschlag soll sich gegen Christen gerichtet haben, die in dem Park Ostern gefeiert hätten.

Bei dem Anschlag in der Nähe eines Spielplatzes am Rande eines öffentlichen Parks kamen mindestens 72 Menschen ums Leben. Mehr als 350 weitere wurden teils schwer verletzt, sagte eine Sprecherin der Rettungsbehörde der Provinz Punjab, Deeba Shahnaz Akhtar, am Montagmorgen. Die meisten Opfer waren Frauen und Kinder, weil sich der 28 Jahre alte Attentäter in der Nähe eines Spielplatzes in die Luft gesprengt hatte. Unter den Todesopfern waren 35 Kinder.

Der Täter brachte nach offiziellen Angaben etwa 20 Kilogramm Sprengstoff zur Detonation. Seine Sprengstoffweste sowie ein Rucksack hätten auch Schrauben enthalten, die den verheerenden Effekt der Explosion noch vergrößerten.

Täter soll Lehrer gewesen sein

Der Sprecher der Streitkräfte, General Asim Bajwa, berichtete am Montag von Festnahmen unter „verdächtigen Terroristen und Helfern“. Zudem sei eine riesige Menge Munition sichergestellt worden. Razzien habe es nicht nur in Lahore, sondern auch in den Großstädten Multan und Faisalabad gegeben. Weitere Offensiven gegen Terroristen in der seit längerem recht ruhigen Provinz stünden bevor.

Nach Medienberichten wurden drei Verwandte des Täters festgenommen. Er soll Medienberichten zufolge als ein 28-jähriger Lehrer aus Süd-Punjab identifiziert worden sein. Warum sich ein Lehrer absichtlich in der Nähe eines Kinderspielplatzes in die Luft sprengt, wurde bisher nicht geklärt.

Steinmeier verurteilt den Anschlag

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat das Taliban-Attentat in der pakistanischen Stadt Lahore scharf verurteilt. „Der verbrecherische Anschlag auf christliche Familien beim Osterpicknick in Lahore hat erneut gezeigt, mit welcher Brutalität und Grausamkeit Terroristen ein friedliches Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Pakistan zu zerstören versuchen, und dass sie vor nichts Halt machen, um dieses Ziel zu erreichen“, sagte der SPD-Politiker unserer Redaktion.

Die Regierung in Islamabad führe den Kampf gegen den Extremismus sehr ernsthaft, lobte Steinmeier. Es sei „wichtig und gut, dass sich Pakistan nun auch in die Bemühungen um einen Friedensprozess zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban aktiv einbringt“. Der terroristischen Bedrohung könnten Pakistan und Afghanistan nur gemeinsam Herr werden.

Der Park war an einem der ersten warmen Abende des Jahres besonders gut besucht. Auch viele christliche Familien waren dort, um Ostern zu feiern. Wie viele Mitglieder der christlichen Gemeinde unter den Opfern waren, blieb zunächst unklar. Zu der Tat hatte sich die pakistanische Talibangruppe Jamaat ul-Ahrar bekannt.

Der Radiosender Voice of America Deewa twitterte, der Islamist habe gesagt, man reagiere auf Militäroperationen der Regierung. Einem Reporter der „Express Tribune“ sagte der Taliban, die Aktion sei gegen Christen gerichtet.

Detonation war sehr stark

Augenzeugen sprachen von schrecklichen Szenen, die sich während und nach dem Selbstmordanschlag abgespielt hätten. Da die Detonation sehr stark gewesen sei, lägen Leichenteile in dem Park, der in einem Wohngebiet liegt, weit verstreut. Auf Fernsehbildern waren weinende Frauen und Kinder zu sehen, die unter Schock inmitten von Blutlachen standen. Verletzte wurden auch von Privatleuten in deren Fahrzeugen in nahegelegene Kliniken gebracht, da nicht genügend Rettungswagen zur Verfügung standen. Zudem versammelten sich binnen kurzer Zeit hunderte Menschen vor den Krankenhäusern, um Blut zu spenden.

Die Regionalregierung von Punjab ordnete nach dem Anschlag die Schließung aller öffentlichen Parks an. Soldaten wurden zur Kontrolle abgestellt. Lahore in der Provinz Punjab ist mit gut sieben Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Pakistans und liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Indien entfernt.

Vatikan tief bestürzt über Anschlag

Ähnliche Bluttaten verüben seit Jahren radikalislamische Taliban, die Zivilisten und Sicherheitsbeamte angreifen. Im Dezember 2014 hatten pakistanische Taliban in Peshawar eine Schule überfallen und mehr als 130 Kinder getötet.

Der Vatikan reagierte tief bestürzt. Das Massaker an Dutzenden von Unschuldigen werfe einen „Schatten der Trauer und Angst auf das Osterfest“, betonte Vatikansprecher Federico Lombardi am Montag. Papst Franziskus bete für die Opfer. Tödlicher Hass habe „feige gegen die wehrlosesten Menschen gewütet“, sagte er. Auch der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, verurteilte den Anschlag.

Die Bundesregierung und die USA verurteilten den Terroranschlag scharf. „Dieser abscheuliche Anschlag gegen Familien in einem belebten Park zeigt, dass sich Terrorismus in seinem mörderischen Wahn gegen alle Menschen gleichermaßen richtet – gleich ob Mann oder Frau, jung oder alt, gleich welchen Glaubens und welcher Hautfarbe“, erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Ned Price, sprach von einer „feigen“ und „entsetzlichen“ Tat. Die USA stünden an der Seite des pakistanischen Volkes und der Regierung.“ (jei/dpa/rtr)