Nordsee

Das Rätsel um den Tod der gestrandeten Pottwale ist gelöst

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Schaulustige betrachten die gestrandeten Pottwale in Schleswig-Holstein. Anfang des Jahres strandeten an europäischen Küsten insgesamt 30 der Meeressäuger – und starben.

Schaulustige betrachten die gestrandeten Pottwale in Schleswig-Holstein. Anfang des Jahres strandeten an europäischen Küsten insgesamt 30 der Meeressäuger – und starben.

Foto: Bodo Marks / dpa

An der Küste von Schleswig-Holstein strandeten Anfang des Jahres 13 Pottwale. Eine Obduktion hat nun die Todesursache ergeben.

Tönning.  Nach dem Tod von 30 Pottwalen in der Nordsee haben Experten erste Obduktionsergebnisse vorgestellt: Demnach starben die 13 in Schleswig-Holstein gestrandeten Meeressäuger an Herz- und Kreislaufversagen. Die Tiere seien alle in einem guten Gesundheits- und Ernährungszustand gewesen, sagte Ursula Siebert von der Tierärztlichen Hochschule Hannover am Mittwoch in Tönning (Schleswig-Holstein).

Bei den Untersuchungen seien in den Verdauungssystemen einiger Wale große Mengen Plastikmüll gefunden worden. „Dies war aber nicht der Grund für die Strandung und den Tod der Tiere“, sagte Siebert.

Seit Anfang des Jahres waren nach Angaben der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer insgesamt 30 Jungwale in der südlichen Nordsee verendet, darunter alleine 13 an der schleswig-holsteinischen Küste. Aber auch in Niedersachsen, den Niederlanden, in Großbritannien und in Frankreich verendeten Pottwale.

Pottwale folgten ihrer Beute

Wahrscheinlich haben heftige Stürme im Nordostatlantik Wassermassen und damit wohl auch Kalmare, die Beute der Wale, in die Nordsee getrieben, hatte der Meeresbiologe Uwe Piatkowski vom Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung bereits Mitte März berichtet. Mit ihnen seien die Pottwale vermutlich immer weiter in die flachen Gewässern der Nordsee vorgedrungen und dort schließlich gestrandet.

Die Pottwale vor Schleswig-Holstein waren noch nicht geschlechtsreife Bullen, zwischen 10 und 15 Jahre alt und 12 bis 18 Tonnen schwer. Bei allen Tieren war das zur Orientierung wichtige Gehör unverletzt. Auch der Befall verschiedener Organe mit Parasiten war nach Einschätzung der Experten altersentsprechend normal.

Siebert und Piatkowski vermuten, dass die verendeten Wale die letzten Tage vor ihrem Tod gehungert hatten. Sie fraßen vermutlich in der Norwegischen See letztmals. In ihren Mägen wurden unverdauliche Schnäbel von insgesamt mehr als 55.000 Tintenfischen gefunden – größtenteils vom Nordischen Köderkalmar und vom Europäischen Flugkalmar.

Funde zeigen „Auswirkungen unserer Kunststoffgesellschaft“

Diese Arten kommen vor allem in der Norwegischen See, der Barentssee und den Gewässern um Island vor, den Hauptüberwinterungsgebieten der Pottwalbullen. Dazu kommen noch Knochen und andere Überreste von Nordseefischen wie Seeteufel, Kabeljau, Wittling und Seehase. „Ein 15 Tonnen schwerer Pottwal braucht täglich rund 450 Kilogramm fettreiche Nahrung“, sagte Piatkowski.

In den Mägen fand sich neben Nahrung auch unverdaulicher Müll: Unter anderem Reste eines 13 Meter langen und 1,2 Meter breiten Netzes eines Krabbenfischers, eine 70 Zentimeter lange Plastikabdeckung aus dem Motorraum eines Autos und die scharfkantigen Reste eines Kunststoffeimers. „Diese Funde zeigen uns die Auswirkungen unserer Kunststoffgesellschaft: Tiere nehmen unbeabsichtigt Plastik und anderen Kunststoffmüll auf, leiden darunter, im schlimmsten Fall verhungern einige bei vollen Mägen“, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne). (dpa)

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