Fan-Kultur

Ohne Worte, mit viel Schweiß – Beruf Maskottchen

Felix Schumacher wurde zum besten Stimmungsmacher der Basketball-Bundesliga gewählt – aber auch auf dem Eis heizt er den Fans ein.

Maskottchen Felix guckt aus der Kabine von Phoenix Hagen.

Maskottchen Felix guckt aus der Kabine von Phoenix Hagen.

Foto: FUNKE Foto Services / Volker Ha / Funke Foto Services

Hagen.  Er ist meist als einer der Ersten da. Lange vor den Zuschauern. Er kommt, um sich vorzubereiten, wenn es noch ruhig ist im großen Rund der Ischelandhalle, in der die Basketballer des Bundesligisten Phoenix Hagen an diesem Nachmittag auflaufen werden. Er wird dafür sorgen, dass es dann laut wird, dass die Zuschauer klatschen, rufen, feiern. Er kann das. Er ist Felix Schumacher, Deutschlands bestes Profi-Maskottchen. So gut, dass er damit mittlerweile Geld verdient.

Auf dem Feld machen sich die Spieler noch warm, da ist es Schumacher längst heiß. In der Umkleide ist er mit seinen zwei Metern in sein Kostüm gestiegen. Hat hautenge Leggings über die dünnen Beine gestreift, ist in dicke Fellärmel und das gelbe Vereinstrikot geschlüpft und hat sich übergroße Pappmaschee-Krallen über die Turnschuhe Größe 51 gestülpt. Jetzt sitzt er auf einer Bank, hat den Kopf in die Hände gestützt und konzentriert sich. Einmal noch atmet der 23-Jährige tief durch, dann setzt er sich den großen Kopf mit dem langen Schnabel auf, der neben ihm gelegen hat. Aus Felix Schumacher ist Felix der Feuervogel geworden. Und der sagt jetzt: „Auf geht’s!“ Dann sagt er gar nichts mehr. Weil Maskottchen nicht reden. Ungeschriebenes Gesetz.

So geht es raus zum Publikum auf die Tribüne. Dort kennt man ihn. „Gib mir fünf“, sagt ein Teenager und hält ihm die Hand entgegen. Von oben geht es nach unten. Von links nach rechts. Und wieder zurück. Schweißnass ist Felix, und das Spiel hat noch nicht mal begonnen. Doch auch nachdem angepfiffen worden ist, gibt es keine Pause für Felix. Er turnt am Geländer, klettert an der Bande. Wird es zu ruhig, hält er große Schilder hoch. „Lauter“ steht darauf. Oder „noch lauter“. Die Menge johlt. Zwei Stunden geht das so und wenn alles gut geht, dann setzt sich der Feuervogel nach dem Abpfiff in den Korb. „Das darf ich aber nur, wenn Hagen gewonnen hat.“

Ein paar Tage später sitzt Schumacher in seinem Büro in einem Vorort von Hagen und erzählt, wie alles begonnen hat. Erzählt, dass er erst zwölf war, als der Verein ihm sagte „mach doch mal“, und dass er sofort zugesagt hat. Weil er erstens schon immer Fan der Basketballer war und es zweitens „ziemlich cool“ fand, als Maskottchen durch die Halle zu toben. „Natürlich konnte ich nicht mal ahnen, was daraus mal werden würde.“

Viel Arbeit nämlich. Schumacher macht nicht nur für Phoenix und die Basketball-Nationalmannschaft Stimmung, er heizt als Hahn „Icey“ bei den Iserlohn Roosters ein und auch bei einem großen Fußballverein steckt er im Kostüm. Aber bei dem müssen die Maskottchen anonym bleiben.

Und wenn ausnahmsweise mal nirgendwo gespielt wird, dann wird er zur Kuh, zum Otter, heißt Oleo oder Rotti und läuft Reklame für Bäcker, Optiker und Elektro-Fachmärkte oder tritt auf Musik-Festivals auf.

Alleine lassen sich all die Anfragen nicht mehr bewältigen

So viele Anfragen hat Schumacher, dass er mittlerweile eine Firma namens Best Motivation gegründet hat und immer wieder auch auf Aushilfsmaskottchen zurückgreifen muss. „Aber gute Leute sind schwierig zu bekommen.“ Wirklich lernen lässt sich dieser Job nämlich nicht. „Das kann man oder kann man nicht.“ Scheu vor Menschen ist verboten, Hang zur guten Laune hilfreich, ein guter Kreislauf Pflicht, denn: „Das Schlimmste ist, wenn du umfällst.“ Und dann der Muskelkater. „Anfangs spürst den am ganzen Körper.“ Doch die Mühe lohnt sich. Vor einiger Zeit hat die Basketball-Bundesliga ihn zum besten Maskottchen aller Vereine gewählt. Für Schumacher kein Grund, seine Lehre als Mediengestalter und Grafiker abzubrechen. „Man kann ja nie wissen.“

Derzeit arbeitet er aber weiter an der Maskottchen-Karriere. „Man muss sich immer etwas Neues einfallen lassen“, sagt er , „irgendwas mit Wow-Effekt“. Die Grundlage für verrückte Ideen ist jedenfalls gegeben. „Ich habe“, sagt Schumacher und grinst, „eine kleine Macke im Kopf. Für Maskottchen ist das ideal.“