Skien/Stockholm –

Der Massenmörder klagt an

Anders Behring Breivik fühlt sich schlecht behandelt: Prozessauftakt

Skien/Stockholm. Im Juli 2011 ermordete Anders Behring Breivik insgesamt 77 Menschen in Oslo und auf Utøya. Er wurde zu 21 Jahren Haft verurteilt – Höchststrafe. Jetzt ist der Massenmörder selbst Kläger. Breivik ist der Meinung, seine Haftbedingungen verstießen gegen die Menschenrechtskonventionen. Zum Auftakt des umstrittenen Prozesses hob der 37-Jährige den Arm zum Hitlergruß.

Die Begründung der Klage lieferte an diesem ersten von vier Prozesstagen Breiviks Anwalt Øystein Storrvik. „Es geht darum, wie die Haftbedingungen meines Klienten bis ans Ende seines Lebens sein werden“, sagte er. Vor allem die Isolation sei „unmenschlich“. Besuch dürfe der Häftling nicht ohne eine trennende Glasscheibe empfangen. Nur seine Mutter habe er kurz vor ihrem Krebstod 2013 fünf Minuten umarmen dürfen. Seitdem besuche ihn niemand mehr regelmäßig. Breiviks Zustand sei besorgniserregend. Er habe aufgehört, sich zu beschäftigen. Die Isolation mache es ihm unmöglich, sich auf sein Fernstudium zu konzentrieren. Er leide an Gedächtnisverlust.

Zudem werde Breiviks Privatsphäre verletzt. So sei er 392 Mal nackt durchsucht worden. Seine Kommunikation mit der Außenwelt werde überwacht und eingeschränkt. Die lebenslängliche Haft dürfe letztlich nicht ein schlimmeres Urteil darstellen als eine Todesstrafe, argumentierte der Anwalt.

Der Verteidiger des Staates Norwegens, Marius Emberland, hielt die Einwände für unbegründet. „Kurz gesagt: Breivik ist ein extrem gefährlicher Mann, und der Sinn einer langen Gefängnisstrafe ist es, unangenehm zu sein“, sagte er. Es gehe Breivik gut genug. Laut Gefängnis darf er täglich an die frische Luft, sein Essen selbst zubereiten und seine Kleider selbst waschen. Zudem hat er drei Zellen zur Verfügung, hat Zugang zu einem Computer ohne Internetverbindung, einem Fernseher und einem älteren Modell der Playstation. Er darf telefonieren und Briefe verschicken und empfangen, wenn es um Persönliches geht.

Das Gefängnis habe lediglich Kommunikationsversuche blockiert, in denen es Breivik um den Aufbau eines Terrornetzwerkes mit Gleichgesinnten ging. Zur Isolationshaft heißt es von den Anstaltsärzten, dass diese Breivik nicht geschadet habe. „Anormales Verhalten“ habe man bei ihm schon in den ersten Haftwochen registriert. Der Prozess läuft noch bis Freitag.