New York –

Kleine Ponys, große Männer

Ein neuer Trend zeigt, dass auch echte Kerle gerne mit Stofftieren spielen

New York.  Hinter einem Tisch voll bunter Stoffponys steht der 27-jährige Vinnie. Vollbart, graue Strickmütze, unter dem hellblauen T-Shirt mit aufgedrucktem Pony spannen sich Muskeln. „Unter der Woche arbeite ich als Nuklearingenieur, auch wenn das jetzt wahrscheinlich gerade nicht so aussieht“, sagt er und grinst. „Aber in meiner Freizeit dreht sich alles um kleine bunte Ponys.“ Vinnie und sein Freund Mike, der neben ihm an dem Verkaufsstand steht, bezeichnen sich selbst als „Bronys“.

Das Kunstwort aus „Brother“ (Bruder) und „Pony“ steht für Männer, die sich für die Zeichentrickabenteuer rund um „Mein kleines Pony“ (Original: „My Little Pony“) begeistern. Die bunten Kunststofffiguren und ihre Zeichentrickabenteuer richten sich eigentlich an kleine Mädchen, aber immer mehr erwachsene Männer outen sich als Fans. „Zum ersten Mal habe ich die Serie bei Freunden gesehen, deren kleine Tochter sie angeschaut hat“, erzählt Vinnie. „Ich hatte große Vorurteile dagegen, aber dann fand ich es überraschenderweise super. Es geht hauptsächlich um Freundschaft, und damit können sich alle Altersgruppen und Geschlechter identifizieren.“ Gemeinsam mit Mike reist Vinnie an Wochenenden zu Brony-Treffen. Dort verkaufen sie dann Stoffponys, genäht von Mikes Freundin. Die Ponys kosten bis zu 115 Dollar (etwa 105 Euro).

Die Bronys haben sich in letzter Zeit zu einem Trendphänomen entwickelt. Fast 10.000 Bronys kommen jedes Jahr im Sommer zum größten Fantreffen, der „BronyCon“ in Baltimore.

Der Spielwarenhersteller Hasbro hat längst eine eigene – teurere – Linie für Erwachsene auf den Markt gebracht, die sich nach seinen Angaben blendend verkauft. Und das deutsche Onlineforum „bronies.de“ hat eigenen Angaben zufolge mehr als 11.000 Mitglieder. Der Trend der lifestylebewussten „Hipster“ aus den USA hat eben inzwischen auch deutsche Männer erreicht.