Bericht

"So verzweifelt": Germanwings-Copilot Lubitz führte Tagebuch

Der Germanwings-Copilot dokumentierte seine depressiven Episoden in einem digitalen Tagebuch. Nun wurden Auszüge daraus veröffentlicht.

Germanwings-Copilot Andreas Lubitz führte ein Tagebuch über seine psychische Erkrankung

Germanwings-Copilot Andreas Lubitz führte ein Tagebuch über seine psychische Erkrankung

Foto: REUTERS / STRINGER / REUTERS

Vor dem tödlichen Absturz der Germanwings-Maschine im vergangenen März hat Copilot Andreas Lubitz ein umfangreiches Tagebuch geführt. Die französischen Ermittler fanden zwei Tage nach dem absichtlich herbeigeführten Absturz, bei dem 149 Menschen ums Leben kamen, diverse Unterlagen und Speichermedien.

Darunter befand sich laut "Bild"-Zeitung auch ein Computerordner mit dem Namen "Meine Antworten, die das Leben mir stellt". Darin finden sich Dokumente, die Lubitz auf Anraten seines Therapeuten verfasst hat und Aufschluss geben über die Entwicklung seiner depressiven Episonden.

Seine psychischen Probleme begannen demnach, als er von seiner Heimatstadt Montabaur nach Bremen zieht, wo er sich ab 1. September 2008 an der Pilotenschule Lufthansa Flight Training zum Piloten ausbilden lässt.

Auszüge aus dem Tagebuch:

  • "Leere und Einsamkeit wenn zu Hause => zudem Fixierung auf Geräuschkulisse der Straße = Schlaflosigkeit."
  • "Total überfordert, Hilfeanrufe, schließlich aus Bremen abgeholt."
  • "Begebe mich in psychiatrische Behandlung, schwere Depression, Berufstraum Pilot so gut wie vorbei."
  • "Ich fühle mich so traurig, bin so verzweifelt, sehe, wie sich die Welt an mir vorbeidreht."
  • "Genauso unverhofft, wie ich in das alles reingeschlittert bin, genauso unverhofft laufen mir die Tränen die Wange runter. Es ist eigentlich wieder alles gut."
  • "Ich habe schwerwiegende Probleme mit meiner Ausbildung bzw. haben sich die Lebensumstände drastisch seit September verändert."
  • "Dazu kommt, dass ich kaum klare Gedanken fassen kann und ich mich hauptsächlich mit meinen Beschwerden und der Ausweglosigkeit meiner Situation beschäftige."
  • "BITTE lass mich endlich wieder gesund und glücklich werden...auch mein Umfeld hat es verdient."

Am Wochenende war bekannt geworden, dass Lubitz nur wenige Tage vor dem tödlichen Absturz der Germanwings-Maschine in einer letzten Mail an seinen Psychiater von seinen extremen Schlafstörungen geschrieben und um Hilfe gebeten hatte.

Am 24. März 2015 zerschellte die Germanwingsmaschine des Flugs 4U9525 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen. 150 Menschen starben. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Copilot Andreas Lubitz die Maschine absichtlich in den Sinkflug brachte. Den Piloten hatte er zuvor aus dem Cockpit ausgesperrt.