Ex-Bundespräsident

Christian Wulff: Eltern sollen auf ihr Bauchgefühl hören

Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat sich mit Erziehungstipps zu Wort gemeldet. Er empfiehlt Eltern: Hektik möglichst vermeiden.

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff gab am Samstag auf einem Erziehungskongress Eltern Tipps für den Umgang mit ihren Kindern.

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff gab am Samstag auf einem Erziehungskongress Eltern Tipps für den Umgang mit ihren Kindern.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Osnabrück.  Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat Eltern zur Gelassenheit in der Erziehung ihrer Kinder geraten. Seiner Beobachtung nach seien heute viele Eltern Getriebene, die ihre Kinder immerzu mit anderen vergleichen, sagte der 56-Jährige am Samstag auf einem Kongress in Osnabrück. „Die gelassene Beziehung ist mir inzwischen wichtiger als die hektische Erziehung.“ Man müsse wieder begreifen, dass Kinder unterschiedlich sind und Raum zum freien Entwickeln benötigen.

In Osnabrück trafen sich 3000 Erzieherinnen und Erzieher zum Kongress „Bewegte Kindheit“, der vom Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung mitorganisiert wurde. Wulff hatte in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident die Gründung des Instituts unterstützt.

Wulff: „Lasst doch den Optimierungswahn“

Heute gebe es Wellen von Arzt- und Therapeutenbesuchen, viele Verschreibungen von Medikamenten und eine tiefe Verunsicherung wegen der Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung ADHS. „Lasst doch den Optimierungswahn bei Kindern“, appellierte Wulff. Kinder müssten sich frei bewegen und auch einmal „dummes Zeug“ anstellen dürfen. „Wenn Eltern ihrem Bauchgefühl folgen und ihren Kindern vertrauen, entsteht viel von ganz allein, was man sich gar nicht hätte planerisch vorstellen können.“

Mit Blick auf die Aufgabe, Flüchtlinge zu integrieren, sagte Wulff, viel hänge davon ab, wie Eltern mit ihren Kindern über diese Dinge sprechen. Die Bilder der Flüchtlingstrecks kämen bei den Kindern an. Es sei heute eine Verunsicherung im Land zu spüren, wie er sie selten erlebt habe. Es müsse ein richtiger Weg gefunden werden zwischen Erstarrung und Abgrenzung und der Bereitschaft, die Herausforderung die Integration der Flüchtlinge anzunehmen.

„Man darf die Probleme nicht klein oder schön reden, damit wäre niemanden geholfen“, sagte Wulff. Sein siebenjähriger Sohn verstehe aber, dass die Aufnahme von drei Millionen Menschen in ein Europa mit 500 Millionen Menschen schaffbar sei. (dpa)