Bad Wiessee –

Heimkehr bei Nacht und Nebel

Uli Hoeneß ist nach 21 Monaten wieder frei. Beim FC Bayern hofft man auf seine Rückkehr

Bad Wiessee.  Seine Entlassung war ein Meisterstück. Niemand hat gesehen, wie Uli Hoeneß das Gefängnis verließ. Während die Reporter am Montagmorgen in der Kälte vor dem Gefängnis in Rothenfeld warteten, war der Ex-FC-Bayern-Präsident längst daheim in seinem alpenländischen Anwesen in Bad Wiessee. Idyllisch gelegen auf einer Anhöhe über dem Tegernsee.

Dort stapfte zur gleichen Zeit eine Trachtenkapelle durch die Schneereste hoch zu seinem Haus. Ein Freund soll ihm das Ständchen geschenkt haben. Reporter der „Welt“ konnten zudem die Lieferung von drei Kästen Bier beobachten und wollen „das Klirren von Gläsern“ gehört haben.

Am Montag durfte Uli Hoeneß das Gefängnis nach 21 Monaten Haft verlassen. 2014 war der 64-Jährige wegen Steuerhinterziehung von 28,5 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Hoeneß kam nach rund der Hälfte seiner Zeit frei. Nach 637 Tagen. In den sozialen Netzwerken wie Twitter wurde seine Entlassung überwiegend begrüßt. Skirennfahrerin Maria Höfl-Riesch schrieb: „Ich bin gespannt, was er in Zukunft vorhat. Alles Gute!“ Und Moderatorenlegende Harald Schmidt unkte: „Die Frage des Tages ist: Wann geht das Tagebuch von #Hoeneß in den Druck?“

Der Transfer in sein Haus soll zu nachtschlafender Zeit erfolgt sein. Gut möglich, dass er die letzte Nacht im Gefängnis Landsberg verbrachte, wo er die ersten sieben Monate absaß. Als Freigänger war er in die Außenstelle Rothenfeld verlegt worden. Die Reporter gingen also ziemlich leer aus, bis sein Sohn Florian vors Haus trat. Sein Vater werde das Haus heute nicht mehr verlassen, sagte er. Und er schien froh, dass die Entlassung so diskret abgelaufen war: „Sie haben das Zeitfenster verpasst. Er ist längst da.“ Prominente Gratulanten wie Franz Beckenbauer kämen nicht. Tochter Sabine erreichte gegen Mittag das Haus.

Seit 2015 war Hoeneß Freigänger. Tagsüber arbeitete er in der Jugendabteilung des FC Bayern. Aber an vielen Wochenenden durfte er daheim bleiben, da ihm Urlaub zustand. Eine hohe fünfstellige Summe soll er als Freigänger verdient haben. „Mein Vertrag läuft hier bei Bayern am 29. Februar, am Tag meiner Entlassung, aus“, sagte Hoeneß. „Ich habe das volle Gehalt der FC Bayern Hilfe e. V. gespendet.“

Auch bei seiner Entlassung sei Hoeneß großzügig gewesen. Er habe Mithäftlingen und Wärtern Fanartikel des FC Bayern zum Abschied geschenkt, berichtet Sport 1. Auch die Erneuerung des maroden Fitnessraumes und der abgenutzten Tischtennisplatten wird ihm zugeschrieben.

Ansonsten scheint Hoeneß eine Informationssperre ausgesprochen zu haben. Sein Anwalt, Steffen Ufer, sagte lediglich, dass sein Mandant kein Aufheben um seine Person wolle. Hoeneß werde sich vorerst nicht öffentlich äußern, auch nicht zu seiner Zukunft.

Auch im 4700-Seelen-Dorf Bad Wiessee hüllt man sich in Schweigen. Bürgermeister Peter Höß sagte zum „Münchner Merkur“: „Ich hoffe, dass man ihn und seine Frau erst mal in Ruhe lässt.“

Ein paar öffentliche Termine hat er aber: Am Mittwoch soll Hoeneß beim Heimspiel des FC Bayern gegen FSV Mainz dabei sein. Am 13. März will er die Laudatio auf Trainerlegende Jupp Heynckes halten, der einen Ehrenpreis von der Stadt Mönchengladbach erhält. Kehrt er ins Präsidentenamt zurück? „Wenn er es werden will, dann wird er es wahrscheinlich werden“, sagte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge kürzlich.

Zum Haftantritt gab es noch große Töne von Uli Hoeneß: „Das war’s noch nicht“, donnerte er. Jetzt, zu Beginn der wiedergewonnenen Freiheit, hörte man nur die Blaskapelle.

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