Wunschkindgeschäft

Leihmutter will Sorgerecht für Drillinge erstreiten

| Lesedauer: 4 Minuten
Oliver Stöwing
Eine Leihmutter aus den USA sollte für ihren Auftraggeber einen Sohn austragen. Doch dann bekam die Frau Drillinge. Sie entschied sich gegen das Geschäft.

Eine Leihmutter aus den USA sollte für ihren Auftraggeber einen Sohn austragen. Doch dann bekam die Frau Drillinge. Sie entschied sich gegen das Geschäft.

Foto: Felix Heyder / dpa

Eine Leihmutter will sich das Sorgerecht vom Vater erkämpfen. Der bizarre Rechtsstreit zeigt die Grenzen des Wunschbaby-Geschäfts.

Berlin.  Befremdliche Szene in einem Krankenhaus in Kalifornien: Eine Mutter, Melissa Cook (47), bringt Drillinge zur Welt, allesamt Jungen. Aber sie darf die Babys nicht sehen. Grund: Der biologische Vater besitzt das volle Sorgerecht. Obwohl er wollte, dass sie wenigstens eines der Kinder abtreibt. Denn Melissa Cook wurde von dem Mann als Leihmutter beauftragt. Und der hatte nur einen Jungen „bestellt“. Doch Cook hatte sich erfolgreich gegen die Abtreibung gewehrt. „Es sind menschliche Wesen“, sagte sie im November. „Ich bin mit den Kleinen verbunden. Es ist einfach nicht richtig.“

Cooks Anwalt Harold Cassidy kämpft jetzt dafür, dass seine Mandantin das Sorgerecht erhält. Mehr noch: Er will vor dem Bundesgericht Beschwerde einlegen. Die Gesetze, die Leihmüttern die Rechte an den von ihnen ausgetragenen Kindern absprechen, seien verfassungswidrig.

Melissa Cook darf nicht zu den Babys

„Das Krankenhauspersonal verbietet es Melissa nicht nur, ihre Kinder zu sehen, es gibt ihr auch keinerlei Auskünfte über ihre Verfassung, nicht einmal Informationen über ihr Gewicht“, sagte Cassidy „Fox News“. Dabei sind die Drillinge ein wenig zu früh auf die Welt gekommen. Der Anwalt weiter: „Es gibt eine Mutter, die sie liebt, die für sie gekämpft hat, die ihr Leben verteidigte, die für sie sorgen will. Wie kann man einer Mutter, die drei Kinder auf die Welt brachte, sagen, es ginge sie nichts an, wie es ihren Kindern geht?“

Genetisch ist Cook nicht die Mutter. Die Eizellen stammen von einer 20-jährigen, anonymen Spenderin. Sie wurden befruchtet mit dem Sperma des Auftraggebers, einem alleinstehenden 50-jährigen Postangestellten aus Georgia. Der wünschte sich sehnlichst männlichen Nachwuchs. Also suchte er eine Leihmutter für die Embryos. Er fand über eine Agentur Melissa Cook, selbst vierfache Mutter. Sie hat schon einmal ein Kind für andere ausgetragen. Weil sie Geld brauchte und aus Nächstenliebe, sagte ihr Anwalt. 33.000 Dollar sichert ihr der neue Vertrag zu. 6000 weitere Dollar, sollte es mehr als ein Kind sein. Denn der Reproduktionsmediziner Jeffrey Steinberg riet dazu, gleich drei vorsortierte männliche Embryos in den Uterus einzusetzen. Das mache ein erfolgreiches Einnisten wenigstens eines der Embryos wahrscheinlicher.

Tatsächlich entwickelten sich nun drei Babys. Dem werdenden Vater war das zu viel. Er sorgte sich laut seines Anwalts um das höhere Gesundheitsrisiko für die Kinder. Außerdem könne er sich drei Kinder nicht leisten.

Auftraggebender Vater forderte Abtreibung

Der überforderte Vater forderte Cook auf, eines der drei Babys abzutreiben. Sie aber weigerte sich. „Alle Babys sind gesund, und ich bin für das Leben“, sagte Cook laut „Washington Post“. Sie machte das Angebot, das „überzählige“ Baby nach der Entbindung selbst großzuziehen. Aber das lehnte der Vater ebenso ab wie eine Freigabe zur Adoption. Stattdessen entschied er sich schließlich, doch alle drei Kinder aufzuziehen – aber nun mochte Cook nicht mehr.

Sie suchte die Hilfe von Anwalt Cassidy, einem konservativen Abtreibungsgegner. Der soll nun für sie erstreiten, dass Cook die legale Mutter der Drillinge ist – zwar nicht biologisch, aber allein durch die Tatsache, dass sie mit ihnen schwanger war. Die Mutter-Kind-Beziehung sei eine besondere, die Frau sei keinesfalls nur ein „brütendes Tier“.

Mangelnder Schutz für Leihmütter

In den USA ist Leihmutterschaft nur in vier Bundesstaaten verboten. Viele beklagen mangelnden Schutz für die Leihmütter: „Die Frage für mich ist, wie wir überhaupt Verträge nutzen sollten, um Schwangerschaft und die Übertragung elterlicher Rechte zu regeln, vor allem im kommerziellen Umfeld“, sagt etwa Juraprofessorin Lisa Ikemoto. „Vielleicht gehen wir da etwas zu weit.“ (mit dpa)

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