Köln –

Sieg für das Manga-Mädchen

Die 17-jährigeJamie-Lee Kriewitz wird Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten

Köln.  The Voice Of Germany, die Stimme Deutschlands, ist sie schon seit letztem Jahr, jetzt ist sie auch die Stimme für Deutschland. Jamie-Lee Kriewitz, 17 Jahre alte Sängerin aus Bennigsen bei Hannover hat Donnerstagabend beim ESC-Vorentscheid in Köln gesiegt und wird Deutschland am 14. Mai beim Finale in Stockholm vertreten.

Was in den rund 120 Minuten zuvor zu hören war, hatte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber im Vorfeld als „Vielfalt und Buntheit“ beschrieben. Am Ende war es vor allem viel Durchschnitt. Schnell gehört, schnell wieder vergessen.

Es begann mit Ella Endlich, mit deren Namen man nun viele Wortspiele machen könnte. Leicht bekleidet, mit halbnackten Tänzern passte sie mit ihrem Schlager „Adrenalin“ gut ins Vorprogramm der nächsten Helene-Fischer-Tour – nicht aber zum Eurovision Song Contest. Was überraschenderweise auch für die Iserlohner Formation „Luxuslärm“ und ihren Song „Solange Liebe in mir wohnt“ gilt.

Die Hamburger Schwestern Cosima und Josepha, die sich Joco nennen, reisten für ihre Bühnen-Show – eine an den Trommeln, eine am Keyboard – in die 80er-Jahre. Dort trafen sie auf die „Woods of Birnam“, bei deren Song „Lift Me Up“ Sänger Christian Friedel in güldener Jacke ein wenig an ABC-Frontman Martin Fry erinnerte. Gut, dass der Mann eigentlich als Schauspieler sein Geld verdient.

Bleibt noch die Band Keoma, deren düstere Ballade „Protected“ labile Menschen in Depressionen treiben könnte, und Ralph Siegels Schützling Laura Pinski, die zwar ein schönes Kleid anhatte, aber bewies, dass einer der erfolgreichsten deutschen Komponisten noch immer nicht den musikalischen Sprung ins Jahr 2016 geschafft hat. Ach ja, und natürlich die Kuttenträger von Gregorian, die zu düsterem Choralkitsch Laserstrahlen aus den Händen schossen und den Feuerwehrleuten im Saal mit vielen Flammen auf der Bühne den Schweiß auf die Stirn trieben. Letztendlich aber war auch das zu wenig, um unter die besten Drei ins Finale vorzustoßen.

Das schaffte, nicht von jedem erwartet, Alex Diehl, gestandenes Mannsbild aus Bayern. „Nur ein Lied“ hieß sein Song, den er nach den Terroranschlägen von Paris schrieb und ins Internet stellte, wo die Nummer schnell zum Hit wurde und millionenfach geklickt wurde. „Ein bisschen Frieden“ 2.0, aber letztendlich ein Lied, das wohl nur aus der Situation heraus ein Erfolg werden konnte, in der es entstand.

Weniger überraschend war es dagegen, das Avantasia und ihr „Mystery of a Blood Red Rose“ unter die letzen Drei kam. Sehr pathetisch, wuchtiges Schlagzeug. Ein wenig wie Meat Loaf auf Diät und einem Sänger, der irgendwo an ein Duplikat von Paul McCartneys Sergeant-Peppers-Jacke gekommen ist.

Siegerin liebt einen Sound, den man Korea-Pop nennt

Am Ende aber waren sie alle chancenlos gegen einen Geist. Gegen „Ghost“, das Lied, mit dem Jamie-Lee Kriewitz, Siegerin der ProSieben-Sat1-Casting-Show „The Voice“ im Outfit einer Manga-Figur antrat. Sie liebt einen Sound, den man Korea-Pop nennt, erinnert viele bei ihrem Siegerlied aber an Rihannas „Umbrella“.

„Hart arbeiten und viel Spaß haben“ will sie. Vor allem aber will Jamie-Lee Kriewitz antreten für Deutschland im europäischen Finale in Schwedens Hauptstadt Stockholm. Was im Vergleich zu 2015 schon mal ein großer Fortschritt ist. Im vergangenen Jahr hatte der Gewinner des Vorentscheids, Andreas Kümmert (siehe Infokasten), nach seiner Wahl abgesagt. Deshalb vertrat die Zweitplatzierte, die Hamburgerin Ann Sophie, Deutschland. Sie fuhr zum Finale nach Wien – belegte dort allerdings zusammen mit Österreich den letzten Platz. Aus keinem einzigen Land hatte es für die Sängerin („Black Smoke“) Punkte gegeben.