München –

Uli Hoeneß ist fast ein freier Mann

| Lesedauer: 2 Minuten
Oliver Stöwing

Der Ex-Bayern-Präsident könnte Freitag entlassen werden – nach nur 21 statt 42 Monaten

München. Die Stimmung ist gut: Uli Hoeneß fiebert beim Basketball-Pokalfinale des FC Bayern gegen Alba Berlin, jubelt, feuert seine Jungs an. Seit 2010 fördert der frühere Bayern-Präsident die Basketballer. Auch wenn sich die Gastgeber den Berlinern unterlegen zeigten, für Freigänger Hoeneß beginnt eine gute Woche. Seine Tage in Haft sind gezählt. Am 29. Februar ist der offizielle Entlassungstermin nach 21 Monaten. Fast die Hälfte – wegen Hinterziehung von 28,5 Millionen Euro Steuern hatten ihn die Richter zu 42 Monaten verurteilt – wurde ihm erlassen.

Und die Zahl seiner restlichen Nächte im Gefängnis könnte sich noch reduzieren. Möglicherweise ist er schon an diesem Freitag ein freier Mann. Promi-Bonus? Das ist Auslegungssache. Im bayerischen Strafvollzugsgesetz heißt es: „Der Entlassungszeitpunkt kann bis zu zwei Tage vorverlegt werden, wenn dringende Gründe dafür vorliegen, dass die Gefangenen zu ihrer Eingliederung hierauf angewiesen wären.“ Ein dringender Grund könnte die erwartbare Medienaufmerksamkeit sein, die bei einer termingerechten Entlassung besonders groß wäre.

Frei nach der Halbzeit – was viele als Vorzugsbehandlung kritisierten, steht ebenfalls auf einer gesetzlichen Grundlage. Nach Paragraf 57, Absatz 2 des Strafgesetzbuches, der sogenannten Halbstrafenregelung, können Häftlinge unter bestimmten Voraussetzungen bereits nach Verbüßung der halben Strafe entlassen werden – wenn „besondere Umstände“ vorliegen. Ein vager Begriff. Das Landgericht Augsburg sah im Januar diese besonderen Umstände als gegeben an. Dazu gehören seine Selbstanzeige, seine Wiedergutmachung, sein tadelloses Verhalten während der Haft und im Freigang sowie eine günstige Prognose. Hoeneß soll sich trotz seiner Prominenz gut in die Gefangenengemeinschaft integriert haben. Nach seiner Entlassung aus dem Landsberger Gefängnis kann sich Hoeneß frei bewegen, auch ins Ausland. Jeden Wohnungswechsel muss er dem Gericht mitteilen. Er wird aber wohl in seinem Landhaus am Tegernsee wohnen bleiben. Zunächst einmal, so heißt es aus seinem Umfeld, wolle er mit seiner Frau Susi in Urlaub fahren. Erster offizieller Termin: Am 13. März will er bei der Verleihung des Ehrenrings der Stadt Mönchengladbach an Trainerlegende Jupp Heynckes die Laudatio halten.

Kämpferisch waren Hoeneß’ Worte kurz vor seinem Haftantritt im Juni 2014: „Ich werde mich nicht zur Ruhe setzen.“ Was er genau beim FC Bayern vorhat? „Im Juni wird er seine Entscheidung bekannt geben“, sagte Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer kürzlich. Insider glauben an eine Ämterteilung mit dem amtierenden Präsidenten Karl Hopfner: Hopfner als Aufsichtsratsvorsitzender, Hoeneß wieder als Präsident.

( mit dpa )

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