Wissenschaft

Wie das Gerücht um 150.000 tote Pinguine am Südpol entstand

| Lesedauer: 3 Minuten
Walter Bau
Pinguine in der Antarktis geben den Wissenschaftlern Rätsel auf. Ein vermeintliches Massensterben entpuppte sich laut Experten aber als Falschmeldung.

Pinguine in der Antarktis geben den Wissenschaftlern Rätsel auf. Ein vermeintliches Massensterben entpuppte sich laut Experten aber als Falschmeldung.

Foto: Poseidon Expeditions / dpa-tmn

„Eisberg tötet 150.000 Pinguine in der Antarktis“ – die Meldung sorgte dieser Tage für Schlagzeilen. Experten sagen nun: Stimmt nicht.

Berlin.  In der Antarktis seien etwa 150.000 Pinguine ums Leben gekommen, weil ihnen ein riesiger Eisberg den direkten Weg zum Meer versperrte. Die Tiere seien an Hunger und Entkräftung gestorben, berichteten internationale Medien wie der britische „Guardian“ kürzlich. Eine Nachricht, die nicht nur Tierfreunde beunruhigte. Doch die Meldung vom Massentod der Pinguine am Südpol ist nur ein „Gerücht“, wie das Wissenschaftsportal „spektrum.de“ nun berichtet. Aber der Reihe nach.

Ausgangspunkt der Geschichte ist ein gigantischer Eisberg mit dem profanen Namen B-09B. Der Koloss strandete bereits 2010 in der Commonwealth Bay in der östlichen Antarktis und blockierte so für an die 150.000 Exemplare des Adeliepinguins (Pygoscelis adeliae) den gewohnten Weg von der Brutkolonie ins Meer.

„Es herrschte bedrückende Stille“

Als eine neuseeländische Expedition den unter Forschern berühmten Nistplatz besuchte, bot sich den Wissenschaftlern Ende 2013 ein trauriges Bild. „Wo früher ohrenbetäubender Lärm herrschte, war jetzt bedrückende Stille“, zitiert „spektrum.de“ den Expeditionsleiter Chris Turney von der Universität in New South Wales. Die Experten hätten Hunderte verlassener Pinguine-Eier und zahlreiche erfrorene Küken aus dem Vorjahr entdeckt. Der Eisberg blockierte tatsächlich die Bucht vor dem Brutplatz – und sorgte dafür, dass das Meer komplett zufror. Zuvor war es während der Brutzeit stets eisfrei geblieben.

Trafen sich 2011 in der Region noch rund 180.000 Adeliepinguine zur Paarung, so zählten die Wissenschaftler Ende 2013 nur wenige tausend Paare, die zudem meist erfolglos versuchten, ihren Nachwuchs großzuziehen. Sie waren nun gezwungen, 60 Kilometer über das Eis zurückzulegen, statt wie zuvor direkt ins Meer tauchen zu können. Dieser anstrengende Marsch führte dazu, dass die Jungen nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgt wurden und verhungerten.

Wo waren Zehntausende Pinguine abgeblieben?

Die große Frage: Wo waren die Zehntausenden ausgewachsenen Pinguine geblieben, die noch wenige Jahre zuvor hier anzutreffen waren? Tot, verhungert, Opfer des Eisbergs?

Ein voreiliger Schluss, wie „spektrum.de“ nun betont. Das Portal zitiert Kerry-Jayne Wilson vom neuseeländischen West Coast Penguin Trust, die an der Expedition 2013 teilnahm: „Wir haben nicht behauptet, dass 150.000 Pinguine tot sind – und würden das auch nicht erwarten. Es kehrten nur sehr viel weniger Vögel zu ihrem Brutplatz zurück. Und jene, die es taten, konnten nicht erfolgreich brüten. Ihr Selbsterhaltungstrieb sorgte dafür, dass sie die Brut aufgaben, um zu überleben, so dass sie sich in den nächsten Jahren unter besseren Bedingungen erneut fortpflanzen können.“

„Wir denken, sie warten auf günstigere Zeiten“

Die Experten kommen zu dem Schluss, dass die meisten der verschwundenen Pinguine wahrscheinlich überlebten. Unklar sei, ob sie an anderer Stelle eine neue Brutkolonie gründeten, oder ob sie sich einer anderen Kolonie anschlossen. Forscherin Wilson: „Normalerweise kehren die Tiere Jahr für Jahr zu ihrem angestammten Neststandort zurück. Wir denken daher eher, dass sie den Sommer im Meer vor dem Eis am Cape Denison verbringen und auf günstigere Zeiten warten.“ Womöglich gibt B-09B, der weiße Eis-Gigant, ja schon bald den Weg ans Meer wieder frei.

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