Konzert

Eagles of Death Metal feiern bewegendes Comeback in Paris

Der Terroranschlag während ihres Auftritts im „Bataclan“ schockierte die Welt. Nun sind die Eagles of Death Metal zurück in Paris.

Zurück in Paris: Erstmals gaben die Eagles of Death Metal nach den Anschlägen von November 2015 ein Konzert in Paris. Frontmann Jesse Hughes wurde einige Male von seinen Emotionen übermannt.

Zurück in Paris: Erstmals gaben die Eagles of Death Metal nach den Anschlägen von November 2015 ein Konzert in Paris. Frontmann Jesse Hughes wurde einige Male von seinen Emotionen übermannt.

Foto: Jean Nicholas Guillo/Photopqr/Le / dpa

Paris.  Rot-Weiß-Blau – die Gitarre, zu der Leadsänger Jesse Hughes für die letzte Zugabe griff, trug die Farben der französischen Nationalflagge. „Ich liebe euch verdammt noch mal alle!“, rief Hughes nach dem Abschluss-Song in den Saal und umarmte einen neben der ersten Zuschauerreihe im Rollstuhl sitzenden Fan. Der minutenlange, tosende Applaus des wie ein Mann aufgesprungenen Publikums trieb dem Rocker nicht zum ersten Mal an diesem Dienstagabend die Tränen in die Augen.

Das Konzert, welches die US-Rockband Eagles of Death Metal Dienstagabend in der berühmten Music Hall Olympia gab, wird in die Annalen der Seinemetropole eingehen. Wegen der zahlreichen Gefühlsausbrüche, die es freisetzte, und wegen seines Symbolwertes. Diesen Auftritt hatten die Eagles unbedingt absolvieren wollen, weil sie überzeugt waren, ihn ihren Pariser Fans zu schulden. Schon zwei Wochen, nachdem islamistische Terroristen am 13. November ihr Konzert in der Pariser Konzerthalle Bataclan stürmten und 90 Menschen töteten (mehr als 300 wurden zum Teil sehr schwer verletzt), hatte Jesse Hughs erklärt: „Ich will unser Pariser Konzert unbedingt zu Ende spielen, um zu beweisen, dass das Leben weiter geht“.

Gastauftritt bei Pariser U2-Konzert im Dezember

Bereits im Dezember spielte die kalifornische Band einen kurzen Gastauftritt bei einem U2-Konzert in Paris, doch „ihr“ Konzert fand – unter drastischen Sicherheitsvorkehrungen – erst am Dienstag statt. Die Eagles hatten alle Fans eingeladen, die die Tragödie im Bataclan miterleben mussten. 900 folgten dem Aufruf, teils mit sehr gemischten Gefühlen. Die Mitglieder der Band bereiteten ihnen bereits zwei Stunden vor dem Konzert einen Sonderempfang. „Ich hatte Angst vor meinen Reaktionen“, gab Lydia am späten Abend zu. Aber die 27-Jährige, die bei dem Anschlag schwer verletzt wurde und immer noch an Krücken geht, musste einfach kommen, „weil ich mein Trauma überwinden und die Stücke meines Lebens wieder zusammensetzen will.“

25 Psychologen betreuten die „Überlebenden des Bataclan“, wie sie sich selbst nennen, vor und während des Konzerts. „Für viele ist das Teil ihrer Therapie“, meinte eine der anwesenden Ärztinnen, die trotzdem die Sorge umtrieb, dass „es dafür noch zu früh sein könnte“. Aber niemand wurde Opfer eine Panikattacke. „Ich war am Anfang unheimlich nervös und habe mit den Augen immer wieder die Notausgänge gesucht“, erzählt Emmanuel (32): „Doch mit jedem Stück, das die Eagles spielten, ging es mir besser. Das Kontert war super, sehr bewegend – und es hat mir verdammt gutgetan.“

„Kiss Of The Devil“ spielten die Eagles of Death Metal nicht mehr

Damals, am 13. November, erstickten die Terroristen den Abend im Blut, als die Eagles gerade die ersten Noten ihres Songs „Kiss Of The Devil“ anstimmten. Ein Stück, das die Band seither nicht mehr gespielt hat, auch am Dienstagabend nicht. Stattdessen sangen die Eagles zum Auftakt „Il est cinq heures, Paris s’éveille“ (Es ist fünf Uhr, Paris erwacht), eine populäre Liebeserklärung des Chansonniers Jacques Dutronc an die französische Hauptstadt. Mitten in ihrem ersten eigenen Song dann hielt die Rockband für einen Moment inne. „Wir denken an die Opfer“, sagte Hughes in die urplötzliche Stille hinein und setze nach einigen Sekunden hinzu: „Aber jetzt zurück zum Spaß!“

Und so war es. Zwei Stunden lang hielten die Eagles das Publikum mit ihrem Rock’n’Roll und ihrer ausgelassenen Bühnenshow in Atem. Um zu beweisen, dass fanatisierte Selbstmordattentäter den Spaß nicht töten können und wohl auch, um ihr eigenen im Bataclan durchlittenen Schrecken zu bannen. „Ich danke Euch allen, dass ihr gekommen seid“, rief Hughes zwischen zwei Song ins Publikum: „Ich danke Euch, denn wir brauchten Euch heute wirklich!“