Lattjo

Warum Ikea jetzt eine „Hirnhaube“ für Kinder verkauft

Dass Ikea ungewöhnliche Werbung hat, ist nicht neu, aber ein besonderes Produkt und das dazugehörige Werbe-Video übertreffen alles.

Foto: Inter IKEA Systems B.V. / IKEA

Berlin.  Der verrückte Professor liebt sein Accessoire aus der „Lattjo“-Serie von Ikea. Und auch auf der Party in der Höhle gratulieren ihm tanzende Smileys und Monster zu seinem außergewöhnlichen Aussehen. Was den Look des Professors, mit dem Ikea in einem Video wirbt, so besonders macht, ist eine „Hirnhaube“.

Die türkis-farbene Kopfbedeckung aus Stoff regt laut Produktbeschreibung zu Rollenspielen an, „bei denen Kinder soziales Verhalten durch Nachahmen von Erwachsenen und durch Erfinden eigener Rollen entwickeln“. Wie dieses Rollenspiel funktioniert, erklärt auch ein Werbe-Video von Ikea, in dem zwei Mädchen ihrem Vater die Geschichte vom verrückten Professor mit der Hirnhaube erzählen. Die Hirnhaube passt „gut zu den anderen Produkten“ der „Lattjo“-Serie, wie es in der Produktbeschreibung heißt. Die Serie ist seit Ende Oktober 2015 auf dem Markt und umfasst zahlreiche Verkleidungen.

Die Geschichte der beiden Mädchen führt durch eine Fantasie-Welt mit dem eigenen Haus und dem Labor des Professors, der ohne Haube eine verblüffende Ähnlichkeit zum Vater hat. Es geht zu einer Höhle, in der eine Monster-Party stattfindet. Bei der Party treiben es einige der Monster wohl etwas zu wild. Sie müssen sich übergeben, erbrechen aber nur einen Regenbogen. Die Party-Szene deutet an, was sich im Kleingedruckten der Produktbeschreibung wiederfindet: das Produkt ist längst nicht nur für Kinder gedacht. Dies beweist zum einen der Zusatz: „Eine Größe – passend für Kinder und Erwachsene“. Zum anderen spricht der Rest der „Lattjo“-Serie eine deutliche Sprache.

Ein Kleidungsstück für Hipster und Filmfans

Die wahre Zielgruppe scheinen partywütige Hipster aus den Untergrund-Clubs Berlins und den Bratwurst-Buden des Ruhrgebiets zu sein. Anklebe-Schnurrbärte und Feder-Kostüme gehören nunmal ins Schanzenviertel von Hamburg oder seit dem Fashion-Statement von Fußballer Pierre-Emerick Aubameyang auf die Tribüne des Stadions in Dortmund. Ikea hat erkannt, dass der hippe Stadtmensch mehr braucht als simple nordische Inneneinrichtung. Auch ironische Kleidungsstücke machen den Hipster aus. Und was könnte da besser passen als das Augenzwinkern gewordene Fashion-Statement, das aussagt: „Seht her, ich trage eine wirre Kopfbedeckung, die eigentlich für Kinder gedacht ist!“ Die „Hirnhaube“ könnte so die Fahrrad-Kappe oder die Wollmütze als Kopfbedeckung der Wahl im Szene-Viertel ablösen.

Aber nicht nur für modebewusste Informatik-Studenten und T-Shirt-Designer wirkt die „Hirnhaube“ wie geschaffen. Während die Berlinale läuft und andere Filmfestspiele in den kommenden Wochen folgen, erreicht das schwedische Möbelhaus auch zahlreiche Filmfans. So ruft die Haube Erinnerungen an den Film „Mars-Attacks“ hervor, in dem Mars-Menschen mit riesigen sichtbaren Gehirnwindungen die halbe Menschheit auslöschen. Mit diesem filmgeschichtlichen Zitat bietet sich die „Lattjo“-Serie auch als modischer Begleiter für die roten Teppiche der Weltbühne an.

Die „Hirnhaube“ hat in den vergangenen Wochen auch Technik-Experten beschäftigt. So wurde über den Messenger-Dienst WhatsApp ein vermeintlicher Gutschein verschickt, der sich als Spam herausstellte. Ein Facebook-Nutzer forderte daraufhin, dass Ikea doch Gehirne für diejenigen verkaufen solle, die auf die Spam-Nachricht reingefallen waren. Ikea antwortete nach Angaben des „PC Magazins“ sofort und verwies auf die „Hirnhaube“.