Papst

Doku enthüllt Beziehung von Johannes Paul II. zu einer Frau

Ein BBC-Film beleuchtet die intensive Beziehung von Papst Johannes Paul II. zu einer verheirateten Frau. Der Vatikan dementiert.

Papst Johannes Paul II. war 2005 verstorbenen und wurde 2011 heiliggesprochenen.

Papst Johannes Paul II. war 2005 verstorbenen und wurde 2011 heiliggesprochenen.

Foto: © Reuters Photographer / Reuter / REUTERS

Berlin.  Papst Johannes Paul II. soll über mehrere Jahre eine enge Beziehung zu einer Frau gehabt haben. Das geht aus einer britischen Dokumentation hervor, die die BBC am Montagabend ausstrahlt. Demnach soll sich das frühere Oberhaupt der katholischen Kirche jahrzehntelang intensiv mit der polnisch-amerikanischen Philosophin Anna-Teresa Tymieniecka ausgetauscht haben. Der Zölibat soll der erzkonservative Papst aber nicht gebrochen haben.

Für den Film, der am Dienstag auf dem deutsch-französischen Kultursender Arte gezeigt wird, wurden Hunderte private Briefe und Fotos ausgewertet. Dabei tauchte immer wieder ein Name auf: Anna-Teresa Tymieniecka. Demnach entstand der Kontakt 1973, als Johannes Paul II. noch als Karol Wojtyła Erzbischof in Krakau war und Tymieniecka ihm anbot, sein Buch „Person und Tat“ ins Englische zu übersetzen. In den folgenden vier Jahren sollen sich die beiden intensiv ausgetauscht haben. Später sollen sie sich zu gemeinsamen Wanderungen und Skiurlauben getroffen haben.

Vatikan weist Enthüllung zurück

Laut der Filmemacher geht aus dem Schriftwechsel zudem hervor, dass Tymieniecka „intensive Gefühle“ für den späteren Papst hatte. Auch er soll von ihr geschwärmt und sie als „Geschenk Gottes“ bezeichnet haben. Tymieniecka war mit dem Harvard Professor Hendrick S Houthakker verheiratet und hatte drei Kinder. Sie starb 2014. Im Jahr 2005, kurz vor dem Tod von Paul Johannes II., soll sie den Papst noch einmal im Krankenhaus besucht haben.

Der Vatikan hat bereits auf die Enthüllung reagiert und sie zurückgewiesen, berichtet der „Guardian“. Der Inhalt der Dokumentation sei „mehr Rauch als Feuer“, zitiert die britische Zeitung einen Sprecher des Vatikans. Demnach sei die persönliche Beziehung zwischen dem Papst und Tymieniecka kein Geheimnis und rein freundschaftlich gewesen. Auch die polnische Nationalbibliothek, die die Briefe laut BBC jahrelang zurückhielt, weist die Anschuldigungen zurück. Der Papst habe mehrere Brieffreundschaften – auch mit Frauen – unterhalten, hieß es.

Liebesverhältnis oder gute Freunde?

Tatsächlich gab es in den vergangenen Jahren mehrere Berichte über die Beziehungen des Papstes zu Frauen. 2009 schilderte etwa die damals 94-jährige Wanda Półtawska, eine verheiratete Psychiaterin, die die Nazi-Konzentrationslager überlebt hatte, in einem Buch über ihre enge Korrespondenz mit Wojtyła. Und bereits 2005 beschrieb der Papst-Experte John Cornwell das Verhältnis zwischen Johannes Paul II. und Anna-Teresa Tymieniecka.

Papst Johannes Paul II. war 2011 heilig gesprochen worden. Er gehörte zu den einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und stand mehr als 25 Jahre lang an der Spitze der römisch-katholischen Kirche . (she)