Kommentar

Kontra Valentinstag: Ein leeres, nerviges Ritual

Am 14. Februar ist Valentinstag. Was macht eine gute Liebesbeziehung aus? Die Exklusivität, meint Felix Müller.

Am 14. Februar ist Valentinstag. Er gilt als Tag der Liebe und der Liebenden

Am 14. Februar ist Valentinstag. Er gilt als Tag der Liebe und der Liebenden

Foto: Susann Prautsch / dpa

Ich mag den Valentinstag nicht. Natürlich, ich sehe seine positiven Folgen – man schenkt sich Blumen, preist den Wert der Liebe und ist nett zueinander. Gut und schön. Aber trotzdem hat dieser Tag für mich etwas Unangenehmes an sich.

Wenn man definieren will, was eine Liebesbeziehung ausmacht, dann landet man ziemlich schnell beim Begriff der Exklusivität. Das beschränkt sich bei weitem nicht nur auf den Sex, es reicht weit darüber hinaus.

Das kleine Geschenk, der liebevolle Satz – das muss unvorhersehbar sein

Dem geliebten Menschen allein sind bestimmte Gesten und Verhaltensweisen vorbehalten, die man mit ihm teilt. Und zu deren Wesen gehört es, dass sie überraschend sind und unberechenbar bleiben. Das kleine Geschenk, der liebevolle Satz – das muss unvorhersehbar sein, damit es wirklich schön ist.

Der Valentinstag ist nun der etwas unbeholfene und durchsichtige Versuch, diese Intimität zu vergesellschaften und auf öffentlich ausgehandelte Formen herunterzubrechen. Aber wir können die staatstragende Rhetorik auch gern einmal beiseite lassen: Ich habe keine Lust, mir an einem bestimmten Tag des Jahres Nettsein und Galanterie vorschreiben zu lassen!

Erstens bin ich immer nett, meine Mitmenschen werden das bestätigen oder sie bekommen es mit mir zu tun. Und zweitens entwertet es die Aufmerksamkeit, wenn sie zum Gruppenritual erstarrt ist.

Ultrageheime Termine und absurd individuelle Geschenke

Übelmeinende werden mir unterstellen, ich würde nur wortreich rechtfertigen, was in Wahrheit reine Bequemlichkeit sei. In Wahrheit sei ich doch auch nur so ein Typ, der mit seinem Pils und einem schönen Fußballspiel in Ruhe gelassen werden will.

Dann versuche ich es einmal anders: Ist nicht schon allein die Valentinstag-Ästhetik für sensible Menschen kaum zu ertragen? All die Sonderauflagen von Schokoladenschachteln mit extra vielen Schleifen und Herzen, all die extrakitschig (und oft genug auch extrateuer) zusammengestellten Blumengebinde, all die „pfiffigen Geschenkideen“ aus der Parfümeriehölle: Ist das wirklich schön? Meint das jemand wirklich?

Eben. Genau. Und deshalb notiere ich mir jedes Jahr am 14. Februar mehrere ultrageheime Termine in meinen Kalender, an denen ich mit den Meinen einen ganz persönlichen Valentinstag feiern werde. Mit absurd individuellen Geschenken, mit denen niemand rechnen kann.