Geburtstag

„Schlitzohr“ Burt Reynolds – Der Macho mit Herz wird 80

Hollywoodstar Burt Reynolds eroberte als Raubein in den 70ern ein Millionenpublikum. Jetzt wird er 80 – und bereut sein Nacktfoto.

„Ein ausgekochtes Schlitzohr“: Burt Reynolds wurde mit der Rolle zur Kultfigur.

„Ein ausgekochtes Schlitzohr“: Burt Reynolds wurde mit der Rolle zur Kultfigur.

Foto: imago stock&people / imago/ZUMA Press

Berlin.  Ob er etwas in seinem Leben bereue, haben sie ihn neulich in der US-Sendung „Entertainment Tonight“ gefragt. So, wie man das bei älteren Filmstars gerne tut. Und natürlich hat Burt Reynolds seinen hüllenlosen Auftritt für die „Cosmopolitan“ 1972 genannt. „Ich war jung und sehr blöd, und es hat meiner Karriere nichts gebracht“, erzählte er.

Stimmt vielleicht nicht ganz. Schwer zu sagen, wie viele Frauen sich das Poster von dem durchtrainierten Burschen auf dem Bärenfell aufgehoben, es herausgerissen oder mindestens angehimmelt haben: Aber fest steht, dass Reynolds, der deutlich mehr Haare auf der Brust vorzuweisen hatte als auf dem Kopf, schnurstracks zu Hollywoods neuem Sexsymbol und zu einer Ikone der Siebziger aufstieg. Und das zahlte sich aus.

Bypässe und Medikamente

Am Donnerstag wird der ehemalige Footballspieler und Stuntman aus Michigan mit Vorliebe für Toupets 80, und wer ihn in diesen Tagen auf aktuellen Fotos sieht, hager und mit eingefallenen Wangen, der spürt ein bisschen Mitleid in sich aufsteigen: Reynolds lebt mit vier Bypässen, hat eine Entziehungskur hinter sich, weil er zu viele Medikamente schluckt, und Gerüchten zufolge ist er schon wieder pleite.

2011 hatte Reynolds zuletzt Bankrott angemeldet, nachdem er die Hypotheken für sein Haus in Florida nicht mehr bezahlen konnte. Die Scheidung von seiner Kollegin Loni Anderson vor mehr als 20 Jahren soll ihn ruiniert haben, das Drama vollzog sich als Schlammschlacht in den Medien.

Und seine erfolgreichsten Jahre, die hat er lange hinter sich. In den Siebzigern und Achtzigern liebten sie ihn diesseits und jenseits des Atlantiks als Bilderbuch-Macho in locker flockigen Kinokomödien wie „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ oder „Auf dem Highway ist die Hölle los“: mit einem hübschen Mädchen im Arm, einem Spruch auf den Lippen und 300 Pferdestärken unter der Motorhaube.

Machos und Schnauzbärte

Reynolds, der seit 1961 rund 120 Filme gedreht hat und in 40 TV-Serien auftrat, gab immer wieder den Highway-Cowboy mit Charme, Herz und raubeinigem Sexappeal. Ein Typus, der perfekt in die Zeit passte und es auch deshalb Reynolds so schwer machte, dem Klischee zu entkommen und den Anschluss an eine moderne Welt zu finden, in der Machos so wenig gefragt waren wie Schnauzbärte.

Dabei unterschätzt man ihn, wenn man ihn auf seine Rollenerfolge als Autoschrotter und Haudrauf reduziert. Wie viel Pfiff in ihm steckte, wurde auch im ansonsten völlig missratenen Krimi „Striptease“ 1996 deutlich. Wie Reynolds als Kongressabgeordneter mit extremen Neigungen von oben bis unten mit Vaseline eingeschmiert, mit Cowboyhut, Unterhose und Cowboystiefeln unmittelbar vor einem Wahlkampfauftritt durchs Büro stapft, ist von hinreißender Selbstironie getränkt.

Er blieb immer nur der Action-Mann

In „Boogie Nights“ ein Jahr später verwandelte er sich mit seiner Rolle als Pornofilmproduzent vom abgewrackten Idol zum Altstar: Die Rolle brachte ihm den Golden Globe und die einzige Oscar-Nominierung. Im Streben danach, als seriöser Schauspieler anerkannt zu werden, hatte er immer wieder die Nähe anspruchsvoller Regisseure gesucht wie Stanley Donen, Peter Bogdanovich oder Robert Aldrich. Doch in der öffentlichen Wahrnehmung blieb er ein Actionmann.

1972 war ihm der Durchbruch mit einem spektakulären Drama gelungen, und wollte man heute einen Film von Burt Reynolds empfehlen, so wäre es immer noch „Deliverance“ von John Boorman, der hier unter dem Titel „Beim Sterben ist jeder der Erste“ lief. Ein hartes Männerabenteuer um vier Großstädter, die bei einem Kanutrip durch die Wildnis mit Hinterwäldlern aneinandergeraten. Aber auch neben der Diva Catherine Deneuve macht Reynolds in dem eher stillen Detektivfilm „Hustle“ („Straßen der Nacht“) 1975 eine gute Figur.

James Bond boten sie ihm 1970 an. Wollte Reynolds nicht, weil er fand, den müsse ein Brite spielen. Hat er vielleicht auch bereut.