Mainz/Köln –

Mainzer sagen Rosenmontagszug ab

Sturm macht auch Jecken in Duisburg, Hagen und Münster einen Strich durch die Rechnung

Mainz/Köln.  Ob als Dönerbrot, als Milchtüte, Rehkitz, Batman oder als Schlumpf – die Ausgelassenheit und Kostümfantasie der Jecken in Nordrhein-Westfalen konnte am Sonntag schon einmal bestaunt werden. Dort stand das Wochenende ganz im Zeichen des Karnevals. Doch über dem „närrischen Treiben“ lag die Sorge, dass die Rosenmontagszüge in diesem Jahr verschoben werden müssen oder sogar ganz ausfallen.

Monatelang hatten die Kölner, Düsseldorfer und Mainzer an ihren Wagen gebaut. Aber ausgerechnet für den Tag, an dem die Wagen durch die Stadt ziehen sollen, haben die Meteorologen ihre Sturmprognose noch einmal verschärft. „Wir erwarten für den Vormittag Windstärke 8 bis 9, am Nachmittag teils auch Stärke 10“, hieß es vom Deutschen Wetterdienst am Sonntag.

Am Abend zogen die Mainzer Karnevalisten die Konsequenzen und sagten den Umzug am Montag ab. „Die Entscheidung ist ganz klar, die Sicherheit geht vor“, sagte der Präsident des Mainzer Carneval Vereins (MCV), Richard Wagner. Er machte aber auch deutlich, wie schwer ihm die Entscheidung fällt: „Es tut mir im Herzen weh.“

Alles andere als Hochstimmung auch beim Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). „Es sticht ins Herz“, meinte er zur Absage. „Das ist mehr als schade, aber es ist nicht das Ende der Fröhlichkeit in Mainz.“

Der Mainzer Zug gehört zu den größten bundesweit. Noch nie musste er wegen schlechten Wetters gestrichen werden. Seit Monaten werde über die Terrorgefahr gesprochen und nach der Kölner Silvesternacht dann über Rückzugsräume für Frauen, sagte der Sprecher der Zugleitung, Claus Aulenbacher. „Und am Ende macht uns die Natur einen Strich durch die Rechnung.“ Ob der Umzug nachgeholt wird, ließen die Verantwortlichen offen. „Wir schließen es nicht aus“, sagte Oberbürgermeister Ebling.

Nicht nur stimmungstechnisch, auch wirtschaftlich hat die Absage Folgen. „Wir wissen noch nicht, wie hoch der Verlust sein wird“, heißt es beim MCV. „Aber er wird ordentlich sein.“

Außer in Mainz werden die Umzugswagen am Montag auch in Duisburg, Hagen und Münster in den Hallen bleiben. „Die Wetterlage ist uns zu heikel. Das ist uns viel zu gefährlich“, sagte der Duisburger Karnevalspräsident Michael Jansen. Auch in Duisburg ist noch unklar, ob die Narren den Umzug im Frühling nachholen.

Die Kölner wollen sich vom Sturm den Spaß nicht verderben lassen. Allerdings sollen am Montag keine Pferde mitlaufen. Auch große Figuren, Schilder und Fahnen seien diesmal nicht zugelassen, teilten die Stadt und das Festkomitee Kölner Karneval mit. Am Montagvormittag wollen sich die Verantwortlichen noch einmal zusammensetzen und über weitere Sicherheitsmaßnahmen entscheiden. Gleiches gilt für Düsseldorf – dort war am Sonntag im Gespräch, den Rosenmontagszug entweder komplett abzusagen oder um eine Stunde zu verschieben.

Am Sonntag waren die Bedingungen für den Straßenkarneval noch besser. In Köln, Düsseldorf und anderen Städten feierten Hunderttausende auf den Straßen. Große Umzüge gab es unter anderem in Frankfurt und Wiesbaden. In Köln zogen die Schull- un Veedelszöch durch die Stadt. Der Zug umfasste 8000 Teilnehmer aus 48 Schulen und 57 Vereinen. Die Schul- und Viertelszüge, wie sie auf Hochdeutsch heißen, gelten als die ursprünglichsten Karnevalsumzüge in Köln.

In Düsseldorf zogen die Jecken in der Innenstadt über die Königsallee. In Mannheim und Ludwigshafen säumten rund 200.000 Schaulustige die Strecke des Karnevalszugs.

Braunschweiger Jecken trotzen den bösen Geistern

Für den Braunschweiger Umzug, den größten in Norddeutschland, hatten die Karnevalisten das Motto „Jetzt erst recht“ gewählt – allerdings weniger wegen des Wetters, sondern weil der Umzug im vergangenem Jahr nach einer Terrorwarnung abgesagt worden war. Gleich zu Beginn des Zugs zeigten die Karnevalisten mit einem Mottowagen zum Thema Terror, dass sie sich Satire und karnevalistischen Humor nicht nehmen lassen. Ein meterhohes Styroporgespenst mit der Aufschrift „Terror“ (siehe Foto) rollte durch die Innenstadt. „Zu Hause zu bleiben, wäre ein falsches Signal. Wir wollen Spaß“, sagte eine Zuschauerin.

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