London –

Seit 41 Jahren unter Mordverdacht

Verschollener Lord wird für tot erklärt. Sohn kann endlich Titel erben

London. Es war ein mysteriöser Fall aus höchsten, britischen Kreisen, der in den 70er-Jahren lange die Schlagzeilen beherrschte. Der britische Aristokrat Lord Lucan war spurlos verschwunden. Er stand in dem Verdacht, die Nanny seiner Kinder ermordet zu haben. Jetzt erklärte ein Londoner Zivilgericht den seit 41 Jahren verschollenen Lord für tot. Sein Sohn George Bingham hatte beantragt, dass ihm eine Sterbeurkunde ausgestellt wird. Nur so ist es ihm möglich, den Titel seines Vaters zu erben und dessen Platz im britischen Oberhaus einzunehmen.

Am 7. November 1974 wurde Sandra Rivett ermordet in einem Stadthaus im Londoner Nobelstadtteil Belgravia aufgefunden. Die Wohnung gehörte seiner getrennt von ihm lebenden Frau, Rivett war als Nanny für die drei Kinder angestellt. Auch die Ehefrau wurde bei dem Angriff leicht verletzt. Lord Lucan, damals 39, tauchte in der Nacht noch bei einem befreundeten Ehepaar auf und beteuerte, mit der Bluttat nichts zu tun zu haben. Nach dem Besuch verliert sich seine Spur. Ein Auto mit Blutflecken, das der Lord sich geliehen hatte, wurde später in der Hafenstadt Newhaven entdeckt.

Seine Ehefrau belastete ihn schwer: Sie sagte aus, ihr Mann habe sie im Dunkeln angegriffen, sie habe seine Stimme erkannt. Er habe ihr gestanden, das Kindermädchen getötet zu haben. Er habe Rivett mit ihr verwechselt. Mögliches Motiv: Er lag mit seiner Ehefrau in einem erbitterten Sorgerechtsstreit.

Der Sohn des Opfers, Neil Berriman, kritisierte, dass Lucan für tot erklärte wurde. „Ich weiß nicht, ob er noch lebt oder tot ist, aber es gab zu viele Menschen, die meinen, ihn gesehen zu haben. Ich will Gerechtigkeit für den Tod meiner Mutter. Wenn er noch lebt, sollte er gefunden und zur Rechenschaft gezogen worden.“ Seit seinem Verschwinden wurden weltweit immer wieder Sichtungen gemeldet.