Sprengstoffhund

US-Militär holt Superspürnase aus hessischem Tierheim zurück

Eine Hündin, die etlichen US-Soldaten das Leben gerettet hat, muss jetzt ihr Dasein nicht länger in einem hessischen Tierheim fristen.

Im Tierheim und beim neuen Herrchen. qQuiche war der wohl ungewöhnlichste Hund in Obhut deutscher Tierschützer.

Im Tierheim und beim neuen Herrchen. qQuiche war der wohl ungewöhnlichste Hund in Obhut deutscher Tierschützer.

Foto: Angelika Nordmann/Tierheim Viernheim

Viernheim.  „qQuiche“ war einige Wochen lang der ungewöhnlichste Hund in einem deutschen Tierheim. Eigentlich hätte die Malinois-Hündin dort nie landen dürfen. Und auch im Pentagon war sie offenbar ein Thema.

Aber von vorn.

qQuiche, wie der bald sieben Jahre alte Hund offiziell von der US-Army getauft wurde, war 2013 im Spezialeinsatz in Afghanistan. Rund 2,5 Tonnen Explosivstoffe hat die Superschnüfflerin dort in neun Monaten gefunden. Das wissen die Mitarbeiter des Tierheims im hessischen Viernheim inzwischen von ihrem Ausbilder, dem in Bayern stationierten Mark Gordy.

Das unerwartete Wiedersehen zwischen Gordy und der Hündin wird die Tierheimleiterin Nicole Dalesio nicht vergessen. Schon von weitem habe der Hund seinen früheren Führer erkannt, die Freude bei beiden sei riesig, der Hund sofort völlig verändert gewesen. Dalesio: „Wir sind einfach nur sprachlos und glücklich, dass qQuiche jetzt wieder bei ihren Leuten ist.“

Hund war an GI übergeben worden

Einige Wochen lang hatte das Tierheim nur eine leise Ahnung, wie besonders der Hund ist. Das lag am ungewöhnlichen Verhalten, aber auch an den knappen Informationen, welche die Tierheimleiterin bereits hatte. Eine deutsche Frau hatte die Hündin im Dezember abgegeben. Das sei „Keish“, die als Sprengstoffsuchhund „im Irak“ gewesen sei und zuletzt ihrem bisherigen amerikanischen Lebensgefährten gehört habe. Doch der ging ohne Frau und Hund zurück in die Vereinigten Staaten.

Für diesen Mann dürfte der Umgang mit einer Kriegsheldin Folgen haben. Wie das Tierheim inzwischen weiß, hatte der Armeeangehörige einen Vertrag unterschrieben, den Hund unter Strafandrohung keinesfalls abzugeben oder zu verkaufen. Nach Informationen des Tierheims ermitteln US-Stellen bereits gegen ihn.

Dass qQuiche nun zunächst bei ihrem Ausbilder Gordy und künftig bei einer weiteren Hundetrainerin der Army leben wird, liegt an einem Facebook-Posting des Tierheims. Wie bei Neuzugängen üblich, hatte das Tierheim-Team Foto und Angaben zum Tier eingestellt. Das Posting vom Samstag zog aber Kreise und erreichte am Sonntag “Mission K9 Rescue” in Texas. Und so meldete sich am Montag in den Kommentaren darunter die Präsidentin der privaten Organisation, die Armeehunden einen würdigen Ruhestand verschaffen will: „Wir haben den Hundeführer gefunden!“ Mit Hilfe des Verteidigungsministeriums war das Formsache – und Mark Gordy stand am Dienstag unvermittelt mit einem weiteren Mann im Tierheim.

Hündin übersiedelt in die USA

Drei Stunden Fahrt aus Grafenwörth – Gordy war einfach losgefahren. „Wenn geschlossen gewesen wäre, wären wir am nächsten Tag wiedergekommen“, sagte er. In seiner Begleitung war ein weiterer Bekannter des Hundes: Christian Görling ist der Mann der amerikanischen Hundeausbilderin Agnieszka Sosnowska, die qQuiche nach dem Kriegseinsatz abtrainiert und bereit für ein normales Leben gemacht hatte. Und das erfolgreich: Für den Einsatz war qQuiche ursprünglich auch auf Angriff trainiert gewesen, erfuhren die Tierheimmitarbeiter nun. Jetzt kann die Hundedame den Ruhestand in Angriff nehmen bei Trainerin Agnieszka Sosnowsk, die bereits wieder zurück ist in ihrer alten Heimat Chicago. Dorthin wird Christian Görling den Hund mitnehmen. Alle Papiere hat qQuiche bereits.