Infektion

Zika-Virus: WHO könnte globalen Notfall ausrufen

Die WHO überlegt wegen des Zika-Virus den globalen Gesundheitsnotstand auszurufen. Auch ein Fall in Deutschland ist inzwischen bekannt.

Genf.  Bei einer Frau aus Köln ist das Zika-Virus festgestellt worden. Das teilte das Gesundheitsamt der Stadt Köln am Donnerstag mit. Sie hatte sich auf einer Reise in Haiti angesteckt. Zur Zeit werde sie in einer Spezialklinik in Hamburg behandelt. Es ist der zweite Fall, der in diesem Jahr in Deutschland bekannt geworden ist.

Das Virus grassiert derzeit in Südamerika und steht im Verdacht, ungeborene Kinder zu schädigen. Die Fehlbildungen sind so schwerwiegend, dass diese Kinder ihr Leben lang behindert sein werden. Das Zika-Virus, das nach jetziger Kenntnis durch Mückenstiche übetragen wird, breite sich nahezu explosionsartig aus, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auf dem amerikanischen Kontinent könnten bis zu vier Millionen Menschen infiziert werden. Auch eine weltweite Ausbreitung sei nicht ausgeschlossen, so die WHO.

In Brasilien gebe es bereits 1,5 Millionen Infektionen. Am Montag will die WHO entscheiden, ob die rasche Ausbreitung des Zika-Virus in Südamerika als weltweiter Gesundheitsnotfall einzuordnen ist. „Wir sind extrem alarmiert“, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Donnerstag in Genf. Im Falle eines weltweiten Gesundheitsnotstands würde die WHO für alle Staaten dringende Maßnahmen zur Vorbeugung von Ansteckungen empfehlen. Dazu können Vorsichtsmaßnahmen bei Reisen gehören.

Zugleich warnte die UN-Behörde vor Panik. „Das ist nicht Ebola“, sagte Gesundheitsdirektor Marcos Espinal. Vor der starken Ausbreitung galt das Zika-Virus als eher harmlos. Symptome sind leichtes Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Hautrötungen. Viele Zika-Infektionen bleiben unbemerkt.

Schwangere Frauen in den betroffenen Regionen sollten bis zur Entbindung unter medizinische Beobachtung gestellt werden, wenn sie über Symptome wie Hautausschlag klagen. Das von der Moskitoart Aedes aegypti übertragene Virus steht im Verdacht, bei einer Infizierung von Schwangeren Schädelfehlbildungen bei deren Kindern auszulösen. Die Behörden raten, sich von stehenden Gewässern fernzuhalten, da diese als Brutstätte der Mücken gelten, die nun verstärkt bekämpft werden sollen.

Über 4000 Schädelfehlbildungen in Brasilien

Bisher wurden seit vergangenem Jahr schon 4180 Fälle von Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie)festgestellt – 68 Babys starben bisher. Das Gesundheitsministerium sieht einen klaren Zusammenhang zu dem zuvor kaum bekannten, ursprünglich aus Afrika stammenden Zika-Virus, der sich schon in über 20 Ländern auf dem amerikanischen Kontinent verbreitet hat. In Brasilien gibt es bereits zwölf Fälle, wo Schwangere, deren Kinder mit Schädelfehlbildungen geboren wurden, sich zuvor mit Zika infiziert hatten. Mikrozephalie führt meist wegen eines zu kleinen Gehirns zu geistiger Behinderung.

Impfstoff fehlt noch

Honduras hat etwa 1000 Infektionen mit dem Zika-Virus nachgewiesen. Die Behörden untersuchten zudem einen Todesfall, der durch den Erreger verursacht worden sein könnte, wie der stellvertretende Gesundheitsminister, Francis Contreras, am Mittwoch (Ortszeit) mitteilte. Auch aus Nicaragua wurden nun die ersten zwei Zika-Fälle gemeldet, auch mehrere aus Lateinamerika zurückgekehrte deutsche Touristen haben sich infiziert.

Bisher gibt es keinen Impfstoff – und noch viele Unklarheiten. Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff kündigte für nächsten Dienstag ein Krisentreffen der Gesundheitsminister des südamerikanischen Staatenbundes Mercosur an. Vor dem nächsten Woche beginnenden Karneval sollen auch in der Hauptveranstaltungsstätte, dem Sambadrom in Rio de Janeiro, die Moskitos mit Spezialmitteln bekämpft werden, damit keine Gefahr für die Besucher besteht, es werden bis zu eine Million Menschen zum Karneval erwartet.

Das brasilianische Militär will nun mit einer Großoffensive die das Virus übertragende Moskitoart bekämpfen. Verteidigungsminister Aldo Rebelo betonte am Mittwochabend bei der Vorstellung des Programms: „Wir müssen alle Kräfte des Staates und der Gesellschaft bündeln.“ In 356 Städten und Gemeinden sowie tausenden Schulen soll über die Gefahr aufgeklärt und Moskitos und deren Eiablageplätze vernichtet werden. 160.000 Soldaten, 30.000 Mitglieder der Marine und 30.000 Militärs der Luftwaffe sollen eingesetzt werden. Für die direkte Bekämpfung der Moskitos mit Insektenschutzmitteln sollen rund 50.000 Soldaten eingesetzt werden.

Erster massenhafter Ausbruch 2015

Das Virus ist 1947 erstmals bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas in Afrika festgestellt worden. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und dann stärker 2013 in Französisch-Polynesien auf. Aber erst seit 2015 gibt es einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft. In Deutschland wurde laut Robert-Koch-Institut als erstes bei zwei Reiserückkehrern aus Haiti eine Infektionen diagnostiziert. Reisende, die binnen drei Wochen nach der Rückkehr aus einem von Zika betroffenen Land Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Hautrötungen feststellen, sollten laut RKI einen Arzt aufsuchen und auf die Reise hinweisen. Ein Bluttest kann dann definitiven Aufschluss geben. (dpa/epd)