Tel Aviv –

Holocaust-Überlebender ist ältester Mann

Der 112-jährige Israel Kristal wurde 1944 nach Auschwitz deportiert

Tel Aviv. Gestern vor 71 Jahren befreite die sowjetische Armee Auschwitz. Ein Überlebender des Vernichtungslagers könnte jetzt zum ältesten Mann der Welt gekürt werden. Der 112-Jährige Israel Kristal aus dem israelischen Haifa arbeitete jahrzehntelang als Süßwarenhändler. Der bisherige Titelträger, Yasutaro Koide, war vergangene Woche mit 112 Jahren in Japan gestorben.

Aktuell versucht die Familie noch, mit Dokumenten das Alter Kristals gegenüber der Gerontologischen Forschungsgruppe zu belegen, wie die Zeitung „Haaretz“ berichtete. So muss Kristal unter anderem ein amtliches Papier aus seinen ersten 20 Lebensjahren vorlegen. Die Gerontologische Forschungsgruppe mit Sitz in den USA informiert auch die Gesellschaft, die das „Guinnessbuch der Rekorde“ herausgibt.

Israel Kristal wurde demnach am 15. September 1903 in Polen geboren. Er soll den österreichischen Kaiser Franz Joseph noch mit eigenen Augen gesehen haben, als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Als Jugendlicher zog er nach Lodz, um im familieneigenen Süßwarengeschäft zu arbeiten. „Das war harte körperliche Arbeit“, sagte er der „Haa­retz“. „Ich habe 25-Kilo-Säcke mit Zucker geschleppt.“ 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert. In dem Konzen­trationslager verlor er seine erste Frau. „Über jeden Tag dort könnte man zwei Bücher schreiben“, sagte er. 1950 wanderte er nach Israel aus und zog mit seiner zweiten Frau und dem Sohn nach Haifa. Dort stellte er wieder Süßigkeiten her.

Ein Rezept für ein langes Leben hat Kristal nicht parat. „Jeder hat sein eigenes Schicksal. Es ist ein Geschenk des Himmels. Da sind keine Geheimnisse“, sagte er der „Haaretz“ bereits 2012.

Auf die Frage, ob er sein hohes Alter vielleicht aufgrund einer besonderen Diät erreicht habe, sagte Kristal: „In den Lagern gab es nicht immer etwas zu essen. Was sie mir gegeben haben, habe ich gegessen.“

Er esse, um zu leben – er lebe nicht, um zu essen. Kristal betonte, er brauche nicht viel. Alles, was zu viel sei, sei nicht gut.

Der hochbetagte Mann ist der Ansicht, dass die Welt heute nicht mehr so gut sei wie früher. „Ich mag diese Freizügigkeit hier nicht. Heute ist alles erlaubt.“ Früher seien junge Menschen nicht so forsch gewesen.

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