Washington –

Millionenstrafe für Yoga-Guru

Nötigung, sexuelle Belästigung: Begründer des Bikram-Yoga muss mit weiteren Strafen rechnen

Washington.  Bikram Choudhury kann Hitze von Natur aus sehr gut vertragen. Sein seit den 70er-Jahren im kalifornischen Beverly Hills groß gewordenes Yoga-Imperium fußt auf 26 Übungen namens „das Kamel“ oder „der Held“, die über 90 Minuten in einer konstant 41 Grad heißen Umgebung absolviert werden müssen. Die Prozedur wird weltweit in 650 Studios unterrichtet. Sie hat dem aus dem indischen Kalkutta stammenden exzentrischen Gründer, der bei seinen Masterklassen nur mit eng geschnittener Badehose und Rolex-Uhr am Handgelenk auftritt, ein Vermögen von 75 Millionen Dollar eingebracht.

Sechs Klagen ehemaligerSchülerinnen sind noch anhängig

Einen dicken Batzen davon muss der 69-Jährige jetzt an seine ehemalige Anwältin abgeben. Zwangsweise. Eine Jury in Los Angeles verdonnerte den Mann, der schon Hollywoodstars wie Raquel Welch und Ex-Präsident Richard Nixon zur selbstreinigenden Entspannung verhalf und Madonna wie George Clooney inspirierte, wegen Mobbing, Nötigung und sexueller Belästigung zu Geldstrafen von insgesamt 7,4 Millionen US-Dollar. Nach dem Urteilsspruch brach Choudhury der kalte Schweiß aus. Es könnte der Anfang seines Endes gewesen sein. Sechs ähnliche Klagen ehemaliger Schülerinnen sind noch anhängig.

In dem am Dienstag beendeten Zivilprozess, der nicht nur die Klatschblätter an der amerikanischen Westküste seit Wochen elektrisierte, kam heraus, dass Choudhury seine bis 2013 üppig dotierte ehemalige Rechtsvertreterin Minakshi Jafa-Bodden mehrfach nachts in sein Hotelzimmer gebeten und sexuell belästigt hat. Nicht nur das.

Als der selbst ernannte „American Yogi“ herausbekam, dass die aus Indien eingeflogene Juristin auf eigene Faust Vergewaltigungsvorwürfen von ehemaligen Bikram-Jüngerinnen wie Larissa Anderson, Sarah Baughn und Dana McClellan gegen Choudhury nachging, setzte er sie massiv unter Druck und ließ sie am Ende feuern. „Ich tue so was nicht“, stritt der für seinen Narzissmus bekannte Promi-Lehrer im Gerichtssaal alle Vorwürfe ab, „ich habe das nicht nötig.“

Benjamin Lorr, Autor eines investigativen Buches über den Bikram-Mogul („Hellbent“), kam schon vor drei Jahren zu ganz anderen Schlüssen. Danach nutzte Choudhury seinen guru-ähnlichen Status insbesondere bei den für ihn einträglichen Lehrgängen (bis zu 16.000 Dollar pro Person für einen Neun-Wochen-Kurs), um sich bei Schülerinnen nach ausgiebigen Nächten mit Bollywoodfilmen allerlei physische Gefälligkeiten zu verschaffen.

Aber auch mitten im Unterricht konnte der gebürtige Inder seinen Trieb offenbar kaum bändigen. Mary Shea Hagebols, Anwältin des Opfers Saragh Baughn, schildert diese Szene: „Während Choudhury vorgab zu helfen, drückte er meine Mandantin auf den Boden, nachdem er bei ihr Bein und Arm auseinandergespreizt hatte. Er presste sich an sie und flüsterte ihr sexuelle Anspielungen ins Ohr, bis sie in Tränen ausbrach“.

Baughn, eine Paradeschülerin, ignorierte die sexuellen Avancen. Sie wurde dafür laut Autor Lorr bitter bestraft. Bei Wettkämpfen instruierte Choudhury die Punktrichter, seiner Elevin den Sieg zu versagen. Choudhury streitet bis heute über seine Anwälte alles rigoros ab. Eine Parallele zum Fall des Entertainers Bill Cosby, der Dutzende Frauen missbraucht haben soll.

Mit Choudhury, der in einem kleinen Untergeschoss am Wilshire Boulevard in Hollywood anfing, später eine atemberaubende Erfolgsgeschichte hinlegte und zur High Society gehörte, verbindet sich ein Gutteil des Booms, den Yoga in den USA erlebt. Rund 25 Millionen Amerikaner gehen regelmäßig auf die Matte. 2020 soll die Zahl der Studios, in denen die fernöstliche Entspannungslehre unterrichtet wird, auf 30.000 ansteigen. Wirtschaftsanalysten sprechen von einer „Wellness-Industrie, in der zehn Milliarden Dollar im Jahr umgesetzt werden“.

Pleite? In seiner Garage parken 40 Luxuskarossen

Für Bikram Choudhury sehen die Prognosen weniger vorteilhaft aus. Im Oktober verlor er einen Copyright-Prozess, in dem er seine Übungen vergeblich vor Nachahmern schützen wollte. Zuletzt trennte sich wegen der Vergewaltigungsvorwürfe seine Ehefrau Rajashree von ihm. Auch seine Beteuerungen, er sei pleite, nimmt ihm niemand ab. Im Prozess gegen seine Anwältin kam heraus, dass Choudhury in einer Werkstatt in Hollywood fast 40 Luxuskarossen der Marken Bentley, Ferrari und Rolls-Royce parkt. Nobles Blech, das demnächst wohl zu Geld gemacht werden muss, um die hohen Rechnungen zu bezahlen.

Aber für Bikram Choudhury kann es noch schlimmer kommen. Im Falle eines erneuten Prozesses und einer Verurteilung müsste der Yoga-Mogul seinen Lotussitz möglicherweise in eine Gefängniszelle verlegen. Dort liegen die Raumtemperaturen deutlich unter 41 Grad.