Türkei

Mord an Hatun Sürücü: Prozess gegen Brüder auf April vertagt

Hatun Sürücü wurde 2005 von ihrem Bruder getötet. Nun stehen zwei weitere vor Gericht. Der Prozessauftakt endete mit einer Vertagung.

Hatun Sürücü stammte aus einer streng muslimischen Familie. Ihr Bruder erschoss sie am 7. Februar 2005. Jetzt sind zwei weitere Brüder in der Türkei angeklagt.

Hatun Sürücü stammte aus einer streng muslimischen Familie. Ihr Bruder erschoss sie am 7. Februar 2005. Jetzt sind zwei weitere Brüder in der Türkei angeklagt.

Foto: Lukas Schulze / dpa

Istanbul.  Knapp elf Jahre nach dem Mord an der jungen Deutsch-Türkin Hatun Sürücü in Berlin hat am Dienstag in Istanbul der Prozess gegen zwei ihrer Brüder begonnen – und wurde auf Ende April vertagt. Der Richter in Istanbul setzte am Dienstag den nächsten Verhandlungstag auf den 28. April fest.

Den 35 und 36 Jahre alten Männern wird nach Angaben der türkischen Justiz das vorsätzliche Töten eines nahen Verwandten vorgeworfen. Sie sollen den jüngsten Bruder mit dem Mord beauftragt haben, um die Familienehre wiederherzustellen. Außerdem werden sie beschuldigt, die Waffe besorgt zu haben. Die Angeklagten erschienen am Dienstag persönlich vor Gericht. Der Prozessauftakt fand im Gerichtsgebäude Kartal auf der asiatischen Seite Istanbuls statt.

2013 hatte die Türkei ein Verfahren eingeleitet

Die 23-Jährige Hatun Sürücü, die einen westlichen Lebensstil pflegte, war am 7. Februar 2005 von ihrem kleinen Bruder in Berlin-Tempelhof erschossen worden. Der Fall hatte eine Debatte über Parallelgesellschaften in Deutschland ausgelöst. Der Mörder wurde im Sommer 2014 nach neuneinhalb Jahren Haft in die Türkei abgeschoben. Die nun angeklagten Brüder waren in Berlin zunächst aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden.

2007 hatte der Bundesgerichtshof die Freisprüche aber aufgehoben. Ein neuer Prozess kam nicht mehr zustande. Die Männer hatten sich in die Türkei abgesetzt. 2013 leitete die türkische Seite ein eigenes Strafverfahren gegen sie ein. Beide Angeklagten wiesen die Vorwürfe in bisherigen Aussagen zurück, wie aus Gerichtsakten hervorgeht. (dpa)