Madrid –

In Spanien boomt der Tourismus

68 Millionen ausländische Feriengäste – Rekord im Königreich

Madrid. „Genieße deinen Urlaub in völliger Sicherheit.“ Mit diesem Slogan umwirbt Spanien die ausländischen Feriengäste. Der Lockruf wird gehört. Während die Terrorangst in der Türkei, in Tunesien und in Ägypten vielen Urlaubern die Reiselust verdirbt, boomt Spaniens Tourismus wie noch nie. Das Königreich verzeichnete 2015 mit 68 Millionen internationalen Touristen einen neuen Rekord. Spanien gilt als der große Krisengewinner im europäischen Tourismusgeschäft.

Das beliebte Strand- und Surfparadies Fuerteventura zum Beispiel meldete für Januar ein Buchungsplus von satten 21 Prozent.

Nach jedem Attentat, bei dem Touristen ums Leben kamen, „hat die Zahl der Feriengäste in Spanien zugenommen“, sagt José Luis Zoreda, Vizechef des spanischen Reiseverbandes Exceltur. So war es etwa nach dem Selbstmordanschlag in Tunesiens Urlaubshochburg Sousse am 26. Juni 2015, bei dem 38 Europäer starben. Oder auch nach dem Anschlag auf den russischen Charterflug vom ägyptischen Scharm el-Scheich nach Sankt Petersburg, bei dem am 31. Oktober 224 Menschen, überwiegend russische Touristen, ums Leben kamen.

„Der Tourismus ist die Lokomotive der wirtschaftlichen Erholung“, sagt José Zoreda. Der Sektor sei der wichtigste Produzent von Jobs, die das Land, in dem die Arbeitslosigkeit mit 21 Prozent immer noch erschreckend hoch ist, dringend brauche.

Vor allem Briten, Franzosen und Deutsche fliegen auf Spanien, sie stellen mehr als die Hälfte aller ausländischen Touristen. Die bei den Ausländern beliebteste spanische Urlaubsregion ist Katalonien mit Barcelona und der Costa Brava, wo sich 2015 rund 25 Prozent aller Reisenden erholten. An zweiter Stelle der Beliebtheitsliste stehen die Baleareninseln mit Mallorca, auf denen die Deutschen fast 40 Prozent aller fremdländischen Gäste stellen. Dann folgen die Kanarischen Inseln.

Doch der ungebremste Boom hat längst nicht nur positive Auswirkungen. Immer mehr Touristenorte nähern sich in der Hochsaison dem Kollaps, was sich in Überbuchungen, Umweltproblemen und Lärmbelästigungen niederschlägt.

Die Bewohner in der Altstadt im katalanischen Barcelona sind von dem Besucherstrom aus aller Welt inzwischen so genervt, dass sie Protestschilder mit der Aufschrift „Tourist go home“ (Urlauber hau ab) an die Balkone hängen.