Hamburg –

Nie gekifft? – „Doch, klar! Ich hab sogar angebaut“

| Lesedauer: 4 Minuten

Kühl und geheimnisvoll? Jetzt spricht Schauspielerin Maria Furtwängler über Drogen und ihre Ehe

Hamburg.  Sie ist eine dieser Frauen, denen alles zu gelingen scheint: Maria Furtwängler (49). Promovierte Ärztin, gefeierte Schauspielerin, als Charlotte Lindholm die populärste „Tatort“-Kommissarin. Verheiratet ist sie mit einem der mächtigsten Medienmänner, Hubert Burda; das Paar hat zwei Kinder. Dazu engagiert sie sich in Wohltätigkeitsprojekten, gründete mit German Doctors ein Mädchenheim auf den Philippinen. Maria Furtwängler steht für eine gewisse Kühle, für Selbstbeherrschung. Schlägt eine wie sie jemals über die Stränge? Nie gekifft? „Doch, klar!“, sagt sie dem „Stern“. „Ich hab sogar angebaut.“ Zu Schulzeiten habe sie selbst einmal Cannabis gezüchtet. „Es gab ein kleines Anbaugebiet im Garten meiner Mutter, so ungefähr zehn Pflanzen“, erzählt sie. Diese recht stattlichen Exemplare seien ihr später jedoch von Mitschülern gestohlen worden: „Ich war sehr enttäuscht.“ Auch eine Ecstasy-Pille ist in ihrem Besitz. Ein Geschenk einer Freundin. Seit zehn Jahren liegt die Partydroge in einer Schachtel. „Das wird sie wohl auch weiterhin tun.“ Denn: „Kontrollverlust ist mir unheimlich.“

Neuer Film kommt am 28. Januar in die Kinos

Die Drogengeständnisse haben einen Anlass. In ihrem neuen Kinofilm ist sie in einer Rolle zu sehen, die so gar nichts gemein hat mit der taffen und distanzierten Kommissarin Lindholm oder dem Bild, das man in der Öffentlichkeit von ihr hat: In „Das Wetter in geschlossenen Räumen“ (ab 28. Januar im Kino) spielt sie eine Charity-Lady, der ihr Leben entgleitet, die trinkt, die kokst, die sich in eine zerstörerische Affäre mit einem halb so jungen Mann verstrickt. Furtwängler, die Frau, die alles unter Kontrolle hat, in einem Drama über einen Kontrollverlust – und auch das gelingt ihr. Mit Akribie und Hingabe stürzte sie sich in dem Film von Regisseurin Isabelle Stever in grenzwertige Szenen, etwa als sie in einen Papierkorb erbrechen muss. „Das Meiste davon ist rausgeschnitten worden“, bedauert sie. „Dabei habe ich so toll gekotzt.“

Als „Sexsymbol für den intelligenten Herrn“ bezeichnet sie der „Stern“. Dabei hatte Furtwängler lange das Gefühl, nicht weiblich genug zu sein. „Das war ein richtiger Komplex von mir. Meine Mutter sagte dann auch noch, ich laufe wie ein Matrose. Und das stimmte auch.“

Furtwängler – im November wird sie 50 – gehört nicht zu den Menschen, die das Älterwerden preisen, etwa weil es einem Reife und Gelassenheit beschere. Im Gegenteil. „Es ist eine permanente Kränkung. Eine einzige Demütigung. Eine große Unverschämtheit.“ Aber, und da ist sie wieder ganz pragmatisch, es sei eben immer noch besser als früh zu sterben.

Maria Furtwängler, Spross einer der berühmtesten deutschen Dynastien, ist Großnichte des Dirigenten Wilhelm Furtwängler, Tochter des Architekten Bernhard Furtwängler und der Schauspielerin Kathrin Ackermann. Als sie Hubert Burda kennenlernte, war sie gerade volljährig, er war Mitte 40. Sie habe sich immer schon für ältere Männer interessiert, sagt sie. Die beiden versteckten zunächst ihre Liebe vor Marias Mutter. Furtwängler in der ARD-Doku „Die Furtwänglers“: „Es war mir schon klar, dass dieses Verhältnis nicht die Billigung meiner Mutter kriegen würde.“ Ihre Mutter hätte schon zuvor großen Einfluss auf ihre Beziehungen gehabt. Doch diesmal geht sie ihren eigenen Weg, 1991 folgt die Hochzeit. Im November feiert das Paar Silberhochzeit.

Das Geheimnis der langen Ehe? „Respekt“, sagt sie. „Durch schwierige und gute Phasen hindurch.“ Eine glückliche Beziehung sei vor allem eine „Entscheidung, eine Geisteshaltung“. Unromantisch? „Ich würde nicht behaupten, nach 25 Jahren noch eine wildromantische Ehe zu führen.“ Ja, sie sei kopfgesteuert, eben nur nicht, wenn sie spiele. Ein Gutes hat das Älterwerden für Furtwängler übrigens doch. Sie geht weniger streng mit sich ins Gericht.

Zum WDR sagte sie im Interview, wie stolz sie auf ihre Rolle in „Das Wetter in geschlossenen Räumen“ ist: „Vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben schaue ich das an und sage: ‚Maria, gut gemacht.‘“

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