Vermischtes

Lebensgefährliche Lifte führen in Russland zu Todesopfern

In oft altersschwachen Aufzügen häufen sich schwere Unfälle

Die „Scharlachroten Segel“ gelten als einer der schicksten Wohnpaläste in der russischen Hauptstadt Moskau. Penthousewohnungen sind hier für knapp 1,5 Millionen Euro zu haben, es gibt einen eigenen Jachthafen, 43 Etagen und Hochgeschwindigkeitslifte. Einer davon wurde jüngst Irina Wolodina zum Verhängnis. Die 36-jährige Tochter eines bekannten Fernsehmoderators und Mutter zweier Töchter stürzte in den Liftschacht, als sich der Aufzug im 6. Stockwerk verkantete und der Liftboden unter den Füßen der Passagierin auseinanderbrach. Sie war sofort tot.

Die Ursachen des Unglücks sind noch ungeklärt. Ein Monteur der Firma Lift Garant, die den Aufzug wartete, wurde festgenommen, die Polizei ermittelt weiter. Der Tod fährt häufig mit in russischen Aufzügen. Im Dezember 2015 wurde ein zehn Monate altes Kleinkind in der Lifttür in der 10. Etage eines Südmoskauer Wohnhauses zerquetscht, als der 40 Jahre alte Aufzug abstürzte. Nach Angaben der Nationalen Aufzugunion gab es in den fünf Jahren zuvor in den Aufzügen Moskaus bei sieben schweren Unfällen drei Tote.

Jeder fünfte der 77.000 Moskauer Lifts ist laut Stadtverwaltung älter als 25 Jahre und damit schrottreif. Pannen und Unglücke sind in ganz Russland an der Tagesordnung. Sehr oft versagt die elektronische Steuerung, sehr oft kommen dabei Kinder zu Tode.

Aber auch in den „Scharlachroten Segeln“ war das Lift-Fahren lebensgefährlich geworden. Wie die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ schreibt, hatte sich die verunglückte Irina Wolodina wiederholt bei der Hausverwaltung über Schwierigkeiten mit den Aufzügen beschwert. Und ein Moskauer Architekt sagte unserer Zeitung, es habe in dem 2003 vollendeten VIP-Wohnkomplex von Anfang an Probleme mit den Liften gegeben. „Bei starkem Wind sollen sie nicht funktioniert haben.“