Anschlag

Istanbuls Tourismusbranche laufen nach Terror die Gäste weg

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Gerd Höhler
Unweit der Blauen Moschee im Sultanahmet-Viertel: Es ist nach dem Terroranschlag einsam in Straßen, auf denen sonst Touristenmassen bummeln.

Unweit der Blauen Moschee im Sultanahmet-Viertel: Es ist nach dem Terroranschlag einsam in Straßen, auf denen sonst Touristenmassen bummeln.

Foto: Cem Turkel / dpa

„Die Absagen kommen im Minutentakt“: Die Tourismusbranche in Istanbul bekommt nun mit Wucht die Folgen des Terroranschlags zu spüren.

Istanbul.  Rund 7000 Hotels gibt es in der Bosporusmetropole Istanbul. Die Stadt auf zwei Kontinenten hat in den vergangenen Jahren als Reiseziel einen beispiellosen Boom erlebt, bei bildungshungrigen Urlauben ebenso wie bei jungen Besuchern als Party-Metropole. Aber seit ein Selbstmordattentäter am Dienstagmorgen zwischen der Blauen Moschee und der Hagia Sophia neun deutsche Touristen in den Tod riss, bleiben immer mehr Hotelbetten leer.

„Viele Gäste sind vorzeitig abgereist, und statt neuer Buchungen bekommen wir im Moment fast nur Stornierungen herein“, berichtet der Manager eines Drei-Sterne-Touristenhotels im Altstadtviertel Sultanahmet, wo sich der Anschlag ereignete. Ähnlich sieht es auch in anderen Stadtteilen aus: „Die Absagen der Gruppenreisen kommen fast im Minutentakt“, berichtete ein Hotelier verzweifelt im Fernsehen.

Das Attentat trifft die türkische Reisebranche in einer ohnehin schweren Zeit. Bereits im vergangenen Jahr schwächelte der Türkei-Tourismus. Viele Russen, nach den Deutschen noch 2014 die zweitgrößte Nation, blieben wegen des schwachen Rubels und der Wirtschaftskrise zu Hause. Nachdem Moskau wegen des Abschusses eines türkischen Bombers durch die türkische Luftwaffe im Dezember einen Reiseboykott verhängte, kommen noch weniger Russen.

Wie trifft es andere Touristenzentren?

Noch offen ist, in welchem Umfang der Anschlag von Dienstag neben dem Ziel Istanbul auch andere Touristenhochburgen an der Ägäisküste und der türkischen Riviera in Mitleidenschaft ziehen wird. Viel werde davon abhängen, wie sich die Sicherheitslage in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt, sagen Branchenexperten.

Es ist nicht das erste Mal, dass Touristen in der Türkei ins Fadenkreuz von Terroristen geraten. 2006 wurden bei einer Anschlagsserie der kurdischen Terrorgruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) in Istanbul sowie in den Urlaubsorten Kusadasi, Manavgat, Marmaris, Antalya und Mersin insgesamt zehn Touristen getötet und Dutzende verletzt. Im November 2003 wurden bei einer Serie von Sprengstoffanschlägen auf zwei Synagogen, eine Bank und das britische Generalkonsulat in Istanbul 33 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt. Unter den Todesopfern war auch der britische Generalkonsul.

Zu den Attentaten bekannten sich gemeinsam das Terrornetzwerk Al-Kaida und die türkische Islamistengruppe IBDA-C. Der bisher folgenschwerste Anschlag in der Türkei datiert vom 10. Oktober 2015, als ein dem IS zugerechneter Selbstmordattentäter vor dem Bahnhof von Ankara mehr als 100 Teilnehmer einer Friedenskundgebung mit sich in den Tod riss.

Tunesien und Ägypten spüren Folgen

Tunesien leidet im Tourismus bis heute massiv unter dem Anschlag auf ein Touristenhotel, bei dem im Juni 2015 fast 40 Menschen starben. Auch Ägypten verzeichnet wegen des Terrors schwere Einbußen. Zwar hat sich der türkische Tourismus nach früheren Terroranschlägen immer wieder relativ schnell erholt. Nie zuvor allerdings richtete sich ein Terroranschlag in der Türkei gezielt gegen eine Touristengruppe wie jetzt auf dem Sultanahmet-Platz.

Auch wenn Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Mittwoch in Istanbul sagte, es gebe keine Hinweise darauf, dass sich das Attentat gezielt gegen deutsche Urlauber gerichtet habe: Dass Deutsche die Opfer waren, wiegt für die Reisebranche besonders schwer, denn mit 5,5 Millionen Besuchern im vergangenen Jahr ist Deutschland der wichtigste Markt für die türkische Tourismusbranche.

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