Hamburg –

Gab es den Stern von Bethlehem?

| Lesedauer: 3 Minuten
Edgar S. Hasse

Die Weihnachtsgeschichte ist ein Dauerbrenner. Aber wie belegbar ist sie? Der Fakten-Check

Hamburg. Für Lukas ist die Sache klar: Der Evangelist aus der Bibel erzählt von einem göttlichen Kind, das in einer Krippe in Bethlehem auf die Welt kam – geboren von der Jungfrau Maria. Das jüdische Baby soll der erhoffte Erlöser sein. Der Engel verkündet in jener Nacht: „Euch ist heute der Heiland geboren“ (Lukas 2, 11). Auch Matthäus berichtet in seinem Evangelium (Kapitel 1) von der Geburt des Messias und den drei Weisen aus dem Morgenland, die einem Stern am Firmament folgten. Doch was geschah wirklich? Ein Faktencheck.

Das Geburtsdatum – eine Konstruktion

Die ersten Christen erzählten vor allem von Leben, Leiden und Auferstehen Jesu – nicht von seiner Geburt. Daran hatten sie kein Interesse, weil es in der heidnischen Welt schon zu viele königliche Geburtsgeschichten gab. Erst im vierten Jahrhundert fragten die Gläubigen verstärkt nach dem Geburtsdatum, weil sie ihren Herrn feiern wollten. Ein exakter Tag war aber nicht überliefert. Die römische Kirche legte im vierten Jahrhundert den Geburtstag auf den 25. Dezember fest.

Bethlehem oder Nazareth?

Bis heute lässt sich historisch nicht exakt klären, wo Jesus zur Welt kam. Zwar berichten Lukas und Matthäus übereinstimmend von Bethlehem, dem „Brothausen“ südlich von Jerusalem. Aber in der gesamten jüdischen und biblischen Überlieferung gilt Nazareth als Heimatstadt Jesu.

Im Markusevangelium wird Jesus als „der Nazarener“ bezeichnet – ein Hinweis auf seine Vaterstadt.

Von der jungen Frau zur Jungfrau

Die ersten Christen, die vorher Juden waren, versuchten, Jesus mit ihren jüdischen Schriften zu vergleichen. Schnell landeten sie beim Propheten Jesaja. Die ältere hebräische Übersetzung von Jesaja betont, dass eine „junge Frau“ (alma) schwanger werde. In der jüngeren griechischen Übersetzung heißt es dagegen, eine „Jungfrau“ (griech.: parthenos) sei schwanger und werde einen Sohn gebären.

Diese Auffassung setzte sich im Neuen Testament und in der kirchlich-dogmatischen Überlieferung schließlich durch. Ob es sich tatsächlich um einen Übersetzungsfehler oder eine bewusste Deutung handelt, bleibt offen. Mit dem Wort „Jungfrau“ wollten die Übersetzer der Septuaginta offenbar zum Ausdruck bringen: Gott ruft – wie schon in der Schöpfungsgeschichte (Mose 1) – das Nichtseiende ins Sein.

Er macht mit dieser „jungen Frau“ Maria alles neu. Das verdeutlicht auch das katholische Dogma von der Jungfrauengeburt.

Der Stern von Bethlehem

Die drei Weisen aus dem Morgenland gehörten vor rund 2000 Jahren zur geistigen Elite in Persien. Sie folgten, das gilt als wahrscheinlich, einem astronomischen Ereignis. Das kann ein Komet gewesen sein. Es ist aber auch eine enge Annäherung (Konjunktion) von Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische möglich.

Die Krippe mit Ochs und Esel

In Deutschland wird die Krippe (westgermanisch: Flechtwerk) aus Holz und Stroh dargestellt. Tatsächlich war sie aber ein steinerner Futtertrog. Dass Ochse und Esel zur Szenerie im Stall gehörten, steht nicht in der Bibel. Die Tiere kamen erst später für Krippen hinzu.

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