Helmstedt –

Die Helden von Helmstedt

| Lesedauer: 3 Minuten
Stephan Stegmann und Norbert Rogoll

Sechs Männer in Niedersachsen retten vier Menschen vor dem Feuertod

Helmstedt. Eigentlich hätte es ein feucht-fröhlicher Junggesellenabschied werden sollen. Eigentlich wollte sich der Bräutigam in spe von 20 Freunden im niedersächsischen Helmstedt gebührend feiern lassen. Eigentlich – denn keiner konnte ahnen, dass einige der Gäste an diesem Sonnabend zu Lebensrettern werden sollten. Selbstlos halfen sie vier hilflosen Senioren und Anwohnern, aus einem lichterloh brennenden Wohnhaus der Arbeiterwohlfahrt in Helmstedt zu entkommen.

Dabei hatte zunächst nichts auf einen solchen Tag hingedeutet. Die Feiertruppe traf sich zum Junggesellenabschied am Sonnabend in Helmstedt. „Wir sind alle Helmstedter Jungs und wollten in unserer Stadt eine Kneipentour machen“, sagt Heiko Majewski, einer der Wohltäter, als er gestern mit seinen Freunden vor der Brandruine steht. Sie wollten in einer Bar in Helmstedt feiern, Sammelpunkt sollte ein Kiosk sein. „Dort sollte der Bräutigam als besondere Aufgabe zum Junggesellenabschied noch einige Sachen an Passanten verkaufen“, erklärt der spätere Lebensretter Björn Kaune. Doch dazu kam es nicht. „Wir bemerkten die starke Rauchentwicklung in dem Wohnhaus und, dass einige Anwohner auf ihrem Balkon standen.“ Die Gäste kamen angerannt, erinnert sich der 34-Jährige. „Wir riefen laut: ‚Feuer! Es brennt! Alle müssen raus!‘“ Während ein Freund die Feuerwehr alarmierte, sei Mirco Thiel bereits unterwegs zum Hintereingang gewesen – in das brennende Haus. „Ich habe in dem Moment nicht lange gezögert. Wir alle wollten helfen, besonders als wir gesehen haben, dass noch Menschen in dem Haus sind“, berichtet der 38-jährige Helmstedter. Gleich im Flur habe er eine Frau regungslos auf dem Boden liegend gefunden. Sie war die Erste, die er vor den Flammen rettete. Kaune: „Mirco hat sie schon rausgebracht, als wir ums Haus gelaufen sind. Wir haben sie dann entgegengenommen.“ Immer mehr freiwillige Retter drängten in das brennende Gebäude, trommelten gegen die Türen, riefen den Anwohnern zu, wollten auch helfen. „Sechs oder sieben von uns waren drin. Allerdings kamen wir nicht höher als ins erste Obergeschoss. Der Qualm war so dicht, dass ich dachte, ich laufe gegen eine schwarze Wand“, sagt Thiel, der nach seinem wagemutigen Einsatz selbst wegen einer leichten Rauchvergiftung ins Krankenhaus musste.

Die Feuerwehr, die mit 80 Einsatzkräften eintraf, löschte den Brand nach zwei Stunden. Warum er ausgebrochen war, wird noch ermittelt. Fünf Menschen wurden mit Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert. Vier Anwohner brachten die Freiwilligen zuvor bereits ins Freie und somit in Sicherheit: die Anwohnerin im Flur, zwei ältere Damen und einen Rollstuhlfahrer. „Wir sind stolz darauf, dass wir in diesem Moment Zivilcourage bewiesen haben“, sagt Thiel. „Stets wird nur berichtet, wann und wo nicht geholfen wird. Wir haben geholfen.“

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