Bombendrohung

Los Angeles schickt 640.000 Schüler nach Hause

Nach einer Bombendrohung sind in Los Angeles alle Schulen geschlossen worden. Mittlerweile wird die Drohung als nicht echt eingestuft.

Sowohl Polizei als auch das FBI ermitteln nach einer Drohung gegen mehrere Schulgebäude in der US-Metropole Los Angeles.

Sowohl Polizei als auch das FBI ermitteln nach einer Drohung gegen mehrere Schulgebäude in der US-Metropole Los Angeles.

Foto: imago stock&people / imago/PanoramiC

Los Angeles.  Sämtliche 900 öffentlichen Schulen in Los Angeles sind wegen einer elektronisch eingegangen Drohung geschlossen worden. Für etwa 640.000 Schüler fiel der Unterricht aus. Ramon Cortines, Chef des zweitgrößten Schulbezirks in Amerika, begründete die Maßnahme in einer Pressekonferenz mit einer ungewöhnlichen Bedrohungslage.

Mittlerweile wird die Anschlagsdrohung jedoch als nicht echt eingestuft. „Einer vorläufigen Bewertung zufolge war es ein Scherz, um Schulbezirke in großen Städten zu stören“, teilte der ranghöchste Demokrat im Geheimdienstausschuss des Abgeordnetenhauses, Adam Schiff, am Dienstagabend auf Twitter mit. Die Ermittlungen dauerten aber noch an.

Per E-Mail war am Abend zuvor an mehreren Schulen die Warnung eines möglichen Anschlags eingegangen. Laut Schulbehörde konnte die IP-Adresse des Absenders bis nach Frankfurt am Main zurückverfolgt werden. Der Vorsitzende des Innenausschusses im US-Repräsentantenhaus, Michael McCall, erklärte, der elektronische Pfad werde nun zurück nach Europa verfolgt.

E-Mail enthielt Tippfehler

Der Autor der E-Mail habe sich als Dschihadist ausgegeben und mit dem Einsatz von Nervengas gedroht, sagte der kalifornische Parlamentarier Brad Sherman dem US-Sender CNN nach Einsicht des Schreibens. Von 32 Komplizen sei die Rede. Sherman zog die Glaubwürdigkeit der E-Mail in Zweifel. Sie habe Tippfehler enthalten und einen „pornografischen Bezug zu einem Körperteil“, den Dschihadisten eher nicht herstellen würden.

Polizei und Schulbehörde machten keine genauen Angaben zur Art der Bedrohung. Die Drohung habe sich gegen mehr als eine Schule gerichtet, sagte Ramon Cortines, Leiter des Schulbezirks. „Wir gehen kein Risiko ein“, betonte er.

„Wir bekommen dauernd Drohungen, diese hier war besonders“, sagte Cortines weiter. Dem Vernehmen nach gab es erste Hinweise auf Sprengstoff in Rucksäcken und Päckchen. Nach dem islamistisch motivierten Anschlag im benachbarten San Bernardino, bei dem 14 Menschen von einem muslimischen Ehepaar erschossen worden waren, wollten die Behörden im Großraum Los Angeles „keinerlei Risiko eingehen“.

Drohung auch in New York

Experten der Bundespolizei FBI untersuchten mit Hilfe lokaler Polizeieinheiten sämtliche Schulbezirke. Eltern wurden aufgefordert, ihre Kinder von den Schulen abzuholen, und dabei einen Ausweis mitzubringen. Der Fall in Los Angeles sorgte über weite Strecken des Tages für Verwirrung, weil in New York nach Angaben von Bürgermeister Bill de Blasio eine gleichlautende „pauschale Droh-Mail“ eingegangen war. Anders als in Kalifornien entschied sich die Verwaltung in New York, mit 1,1 Millionen Schülern an 1800 Lehreinrichtungen der größte Schulbezirk des Landes, jedoch gegen eine Schließung. Polizei-Chef William Bratton wurde mit dem Satz zitiert: „Angst zu verbreiten und den Alltag zu unterbrechen, das ist es, was Terroristen wollen.“ (diha)