Streit

Hackfleisch aus Kindern: Schild kann Gastronomin Job kosten

Aus unerzogenen Kindern „machen wir Hackfleisch“: Dieses Schild sollte ein Witz sein, doch für die Gastronomin wird es jetzt ernst.

Mit einem makabren Schild wollte eine Gastronomin für sich werben. Das ging jedoch daneben.

Mit einem makabren Schild wollte eine Gastronomin für sich werben. Das ging jedoch daneben.

Foto: imago stock&people / imago/Westend61

Lindlar.  Es sollte ein Witz sein: „Erzogene Kinder sind herzlich willkommen. Aus dem Rest machen wir Hackfleisch!“. Das stand auf dem Werbeschild der Gaststätte Lingenbacher Hof, die zum Freilichtmuseum im bergischen Lindlar gehört. Die Vorstellung ungezogener zerheckselter Kinder trifft offenbar nicht jedermanns Humor, jedenfalls beschwerten sich einige Gäste darüber beim Landschaftsverband Rheinland (LVR). Der Träger des Freilichtmuseums, der auch Verpächter der Gaststätte ist, schickte der Pächterin daraufhin die fristlose Kündigung.

„Hätte ich gewusst, dass ich jemandes Gefühle verletze, hätte ich das Schild doch nicht aufgestellt“, sagt Gitta Quercia-Naumann, die Restaurant-Pächterin. In Großbritannien oder den USA gebe es solche Schilder häufig in Gaststätten. „Das ist augenzwinkernd gemeint. Wir haben jeden Tag viele Kinder im Restaurant zu Gast, und das auch sehr gern.“ Das Restaurant sei in dem Buch ‘Entspannt Essen gehen mit Kindern’ gelistet, „wir sind auf Familien eingerichtet.“

„Wir finden das makaber“

Gekündigt wegen eines vielleicht nicht ganz gelungenen Witzes? Ganz so sei es nicht, sagt eine Sprecherin des LVR: „Seit zwei Jahren gibt es Probleme mit der Gaststätte.“ Museumsbesucher würden sich über schwachen Service, mangelnde Freundlichkeit und ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis beschweren. 100 bis 150 solcher Beschwerden soll es geben. „Für das Museum, in dem die Gastronomie durchaus eine Rolle spielt, ist das ein Problem“, so die Sprecherin.

Das Werbeschild sei nun der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe. „Wir finden das makaber und etwas überzogen. Als großer Sozialverband hat der LVR einfach ein anderes Verständnis von Humor, und unsere Gäste sollen nicht mit so einem Spruch begrüßt werden“, so die Sprecherin.

„Mein guter Ruf und meine Existenz stehen auf dem Spiel“

Gitta Quercia-Naumann hält dagegen: „Wir haben im Jahr 120.000 Gäste, da sind 100 Beschwerden, die auf einem anonymen Zettel an der Kasse abgegeben werden können, jetzt nicht allzu viel.“ Das Publikum sei sehr gemischt, man könne nicht immer alle Vorstellungen erfüllen. „Natürlich geht mal etwas schief im Restaurant. Aber unsere Küche ist gut, wir verwerten frische Produkte aus der bergischen Region, und dass wir alle unfreundlich sind und der Service schlecht ist, das ist einfach nicht wahr.“ Immerhin bekomme sie auch viel positives Feedback. „Der Pachtvertrag wurde vor zwei Jahren ja auch vom LVR verlängert. Wenn wir so schlimm wären, hätte der Verband das doch wohl kaum gemacht“, sagt Quercia-Naumann. „Es geht hier um meinen guten Ruf und auch um meine Existenz.“

Das fragliche Schild ist inzwischen längst nicht mehr da. Und beim LVR heißt es: „Wir können uns vorstellen, dass es da vielleicht doch noch mal ein Gespräch mit der Pächterin geben wird.“