Bodypainting

„Verloren im Wunder“: In diesen Fotos ist ein Mann versteckt

Man kann ein Suchspiel darin sehen: kaum zu erkennende Menschen vor Wundern der Welt. Die Künstlerin kritisiert so Selfietouristen.

Die Künstlerin Trina Merry platzierte ein von ihr durch Bemalung getarntes Fotomodel vor faszinierende Bauwerke der Menschheitsgeschichte.

Die Künstlerin Trina Merry platzierte ein von ihr durch Bemalung getarntes Fotomodel vor faszinierende Bauwerke der Menschheitsgeschichte.

Foto: Trina Merry / trinamerryartist.com

New York.  Es sind Bilder, die faszinieren: Fotos monumentaler Architektur, in denen sich ein Mensch versteckt. Die New Yorker Künstlerin Trina Merry will mit einem durch Bemalung fast unsichtbares Model auch zum Nachdenken über den modernen Tourismus anregen. Hin, Selfie, weg, die Touristen ziehen wie ein Windhauch vorbei an Stätten großartiger Kultur. „Lost in Wonder“, Verloren im Wunder, nennt sie ihre Serie. Man muss manchmal sehr genau hinsehen, um den Mensch im Foto zu entdecken.

Sie ist dafür zweieinhalb Monate zu monumentalen Bauten in aller Welt gereist: Von den Osterinseln über Stonehenge bis hin zur Chinesischen Mauer. Und immer dabei das britische Model Kyle James. Sie bemalte James. In China kündigte sich bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt eine Unterkühlung bei ihm deutlich an. Für die Fotos brauchte sie maximal fünf Minuten – aber für das Bemalen zwischen einer und drei Stunden, erklärte sie unserer Redaktion. Die Künstlerin lief dabei hin und her zwischen dem Model und der Kamera, um die Perspektive immer wieder abzugleichen.

Touristen nehmen sich ihre Eindrücke

Durch den künstlerischen Prozess will sie den Stätten auch etwas geben. Die Touristen konsumierten dort nur. Das wird für sie in ihrer Muttersprache deutlich: „Take a photo“. An den Attraktionen seien Menschen massenhaft mit dieser Einstellung unterwegs, ohne den Ort, seine Geschichte und seine Kultur zu wertzuschätzen. „Wenn Menschen so für einen kurzen Moment an solche Orte reisen, dann löst das Architektur völlig von ihrem ursprünglichen Sinn und ihrer Bedeutung.“

Es sei vor allem die Generation Selfie, die keine Ehrfurcht vor den Werken habe. Die Menschen kämen mit hohen, idealisierten Erwartungen, und gingen mit ein paar Selfies, Andenken und etwas enttäuscht. Sie selbst hat sich nicht nur private Führer genommen, sie hat auch lange Zeit die Menschen beobachtet: „Sie wirkten... verloren.“ Verloren im Wunder.

Unerwartet und überraschend habe sie diese Erkenntnis getroffen, zu Beginn war ihre Reise einfach nur eine Fortsetzung ihrer Arbeit, klare Architektur mit weichen Körpern zu verbinden: Mit Bodypaintings vor Gebäuden und Silhouetten ist die Künstlerin bereits seit Jahren erfolgreich. „Diese Arbeit hat einen Herzschlag und sie atmet.“