Peking –

Rätsel um Kims „neueste Waffe“

Nordkoreanische Frauenband reist in diplomatischer Mission nach Peking – und gleich wieder ab

Peking.  Kurz vor ihrem ersten Auslandsauftritt in China ist die von Nordkoreas Diktator Kim Jong-un gegründete Frauenpopband Moranbong am Sonnabend abrupt wieder abgereist. Wie die Konzerthalle in Peking berichtete, sei die Aufführung „gestrichen“ worden. Offenbar waren „Kommunikationsprobleme auf Arbeitsebene“ der Grund. Weitere Erklärungen gab es nicht. Mitglieder der Band wurden bei der Abreise am Flughafen Peking gesehen. Die Konzertreise galt eigentlich als Zeichen für ein diplomatisches Tauwetter in den lange frostigen Beziehungen zwischen China und Nordkorea.

Die berühmte Frauentruppe sollte am Abend vor geladenen Gästen im eiförmigen Zentrum für darstellende Künste (NCPA) in der chinesischen Hauptstadt auftreten. Nur 90 Minuten vor Konzertbeginn wurde die Absage bekannt, doch im chinesischen sozialen Netzwerk Weibo durfte darüber nicht kommentiert werden. Die Mitglieder der Band waren schon mittags zum Flughafen gefahren. Nordkoreas Botschafter in China, Ji Jae-rong, habe sie verabschiedet.

Es gab Spekulationen, dass die nordkoreanische Seite empört über Presseberichte über die Band gewesen sein könnte. Auch könnte es Meinungsverschiedenheiten über das Arrangement beim Auftritt selbst gegeben haben. Die Mitglieder der Band sollen von dem jungen Militärführer Kim Jong-un persönlich ausgesucht worden sein. Sie haben Offiziersrang, reisen in Uniform, aber treten meist in engen Kleidern, kurzen Röcken und hochhackigen Schuhen auf. Insgesamt 100 Künstler waren nach Peking gereist, um von Sonnabend bis Montag aufzutreten.

Besonders das Erscheinen von Bandmitglied Hyon Song-wol in Peking sorgte für Pressewirbel. Vor zwei Jahren gab es wilde Gerüchte, dass sie und andere angeblich hingerichtet worden sein sollen, weil sie Sexvideos von sich aufgenommen und verkauft hätten. Aber 2014 trat Hyon Song-wol plötzlich wieder mit der Band auf. In Peking beantwortete sie keine Fragen zu den Gerüchten und lächelte nur.

Die drei Konzerte in Peking waren als Geste des guten Willens von beiden Seiten gedacht. Welche diplomatischen Konsequenzen dieser Rückzug wiederum in den delikaten Beziehungen zwischen China und Nordkorea hat, war unklar. Das Verhältnis ist wegen Nordkoreas Atomwaffenprogramm und den Provokationen von Militärführer Kim Jong-un seit Jahren angespannt.

Im Oktober deutete sich eine Besserung an, als die Nummer fünf in Peking, Politbüromitglied Liu Yunshan, als wichtigster Ehrengast an der Militärparade zum 70. Jahrestages des Kriegsendes in Asien in Pjöngjang teilnahm. Im Gegenzug sollte jetzt der Auftritt der Moranbong-Band in China helfen, „das gegenseitige Verständnis und die Freundschaft zu verbessern“, wie die Sprecherin des Pekinger Außenministeriums, Hua Chunying, sagte. Auch das Konzert eines mitreisenden Armeechors wurde aber abgesagt, berichtete Kyodo.

Kim Jong-uns Ehefrau hat früher in der Band gesungen

In Presseberichten war die Frauenband auch als „neueste Waffe von Kim Jong-un“ beschrieben worden. „Girl-Power“ schrieb die „Global Times“, die vom kommunistischen Parteiorgan „Volkszeitung“ herausgegeben wird. Das Blatt sah „ein Signal für die weitere Verbesserung der Beziehungen“, verschwieg aber keineswegs, dass es nicht so gut um das Verhältnis zu Pjöngjang bestellt ist.

Zum Repertoire der Musikerinnen gehören nicht nur patriotische Hymnen oder Militärlieder. Auch spielen sie Frank Sinatras „My Way“ oder die Musik des Boxerfilms „Rocky“ mit Sylvester Stallone. Mit Hüftschwung und kurzen Tanzeinlagen spielen die Musikerinnen schmissige Lieder auf der Bühne, während bei ihren Auftritten in Nordkorea auf der Leinwand dahinter Propagandafilme laufen: Rakete steigen in den Himmel, Panzer rollen oder Truppen marschieren im Stechschritt.

Ihr Debüt hatte die Band 2012. Es heißt, dass auch Kim Jong-uns Frau Ri Sol-ju einst in der Combo mitgesungen habe und heute Förderin der Band sei. Häufig sind der Diktator und seine Frau bei den Konzerten im Publikum zu sehen. Die Mischung aus Klassik und Pop mit E-Gitarre, Schlagzeug und Geige gilt als Nordkoreas Antwort auf den K-Pop Südkoreas.