Justizstreit

Deutsche-Bank-Prozess: Institut hilft Anklage nicht mehr

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Ein Foto vom Prozessauftakt gegen den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (hinterste Reihe, zweiter von rechts) und die früheren Chefs Rolf Breuer (rechts) und Josef Ackermann (links dahinter). Der Ton war immer rau, jetzt ist der Prozess eskaliert.

Ein Foto vom Prozessauftakt gegen den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (hinterste Reihe, zweiter von rechts) und die früheren Chefs Rolf Breuer (rechts) und Josef Ackermann (links dahinter). Der Ton war immer rau, jetzt ist der Prozess eskaliert.

Foto: Peter Kneffel / dpa

Monatelang wurde sich gefetzt, jetzt ist endgültig Eiszeit: Der Prozess gegen den Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen ist eskaliert.

München.  Die Deutsche Bank hat im Strafprozess gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen ihre Kooperation mit der Staatsanwaltschaft aufgekündigt und eine Entschuldigung verlangt. Fitschen und vier weitere Ex-Manager sind wegen versuchten Prozessbetrugs angeklagt. Selbst Fitschens Verteidiger, der im Prozess um den Fall Kirch bislang gelassen blieb, verlor aber am Dienstag die Fassung: „So etwas habe ich noch nie erlebt“, schimpfte er in einer Prozesspause. „Für diese Staatsanwaltschaft sollte man keinen Finger mehr rühren.“

Anklage unterstellt Prozess-Training

Auslöser waren neue Vorwürfe der Anklage: Die Bank, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft, bereitet Mitarbeiter womöglich gezielt auf Zeugenaussagen in dem laufenden Prozess gegen Fitschen & Co. vor. „Mock Trial“ heißt diese Praxis in den USA: Gerichtsprozesse werden zur Ausbildung oder Vorbereitung auf ein Verfahren wie ein Theaterstück mit verteilten Rollen einstudiert: Einer spielt den Richter, einer den Verteidiger und einer den Angeklagten oder Zeugen.

Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Deutsche Bank solch ein „Mock Trial“ schon mit dem früheren Bank-Chef Rolf Breuer durchgespielt hat, als er vor vier Jahren vor dem Oberlandesgericht München aussagen sollte. In dem Zivilprozess ging um milliardenschwere Schadenersatzforderungen des Medienunternehmers Leo Kirch, der Breuer und die Bank sein Leben lang für die Pleite seines Medienimperiums verantwortlich gemacht hatte. Die Anklage ist überzeugt davon, dass Breuer die Richter damals belog, um die Forderungen abzuwehren. Fitschen, sein Vorgänger Josef Ackermann und zwei weitere sollen dabei mit Breuer an einem Strang gezogen haben.Seit April stehen alle fünf in München vor Gericht.

Verteidiger sehen im Prozess Skandal

Aus Sicht der Verteidiger ist der Prozess gegen die Top-Banker ein Skandal – die Anklage entbehre jeder Grundlage. Insbesondere Oberstaatsanwältin Christiane Serini, die die Ermittlungen vorangetrieben hatte und den Angeklagten „Lügenmärchen“ vorwirft, steht massiv in der Kritik. Sie habe sich verrannt und werde mit ihrer Anklage einen Totalschaden erleiden, sagte Fitschens Verteidiger Feigen. „Das wird ein Freispruch ohne Wenn und Aber.“

Die Staatsanwaltschaft räumte einen rauen Ton in dem Verfahren ein. „Hier wird scharf geschossen, das mag sein“, sagte Stephan Necknig. Richter Peter Noll mahnte angesichts der aufgeheizten Stimmung zur Ruhe. In den vergangenen Jahren hat er schon etliche große Wirtschaftsprozesse geleitet, darunter das spektakuläre Verfahren gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone.

Richter: „,Auge um Auge’ führt zur allseitigen Erblindung“

Sein jetziges Verfahren verlangt aber auch ihm Geduld ab. Eigentlich wollte er den Fall noch vor der Weihnachtspause beenden, musste sich wegen immer neuer Beweisanträge der Staatsanwaltschaft aber von dem Zeitplan verabschieden. Die Ankündigung der Deutschen Bank, nicht mehr mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren, könnte das Verfahren weiter verzögern – denn die Behörde hat bereits neue Schriftstücke von der Bank angefordert.

Noch hofft Richter Noll aber auf ein Ende des Prozesses in der Karnevalswoche – und bis dahin wieder auf etwas mehr Ruhe in seinem Gerichtssaal: Die Schärfe in dem Verfahren sei ihm nicht entgangen, mahnte er und schickte eine Warnung hinterher: „Sie wissen schon: Der Grundsatz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ führt zur allseitigen Erblindung.“ (dpa)

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