Goldschatz

Gold-Galeone „San José“ vor Kolumbiens Küste entdeckt

Die „San José“ sollte im 18. Jahrhundert Goldmünzen von Peru nach Spanien bringen. Nun wurde die Galeone vor Kolumbiens Küste entdeckt.

Die Galeone „San José“ sollte im 18. Jahrhundert einen Goldschatz im Millionenwert von Peru nach Spanien bringen. Nun wurde das Schiffswrack gefunden – und mit ihm offenbar auch der Goldschatz.

Die Galeone „San José“ sollte im 18. Jahrhundert einen Goldschatz im Millionenwert von Peru nach Spanien bringen. Nun wurde das Schiffswrack gefunden – und mit ihm offenbar auch der Goldschatz.

Foto: Efe / Colombia Ministry Of Cultu / dpa

Cartagena.  Ende Mai 1708 steckt Graf José Fernández de Santillana in einer Zwickmühle. Er liegt mit seiner Flotte im Hafen von Portobelo im heutigen Panama, die Hurrikansaison zieht heran und zu Hause wartet man auf die Schätze im Bauch seiner Schiffe, um die Spanischen Erbfolgekriege zu finanzieren. Doch in der Karibik kreuzen englische Kriegsschiffe von Admiral Charles Wager. Fernández de Santillana wagt schließlich den Ausbruch und wird am 8. Juni von Wagers Flotte vor der Insel Rosario an der kolumbianischen Karibikküste gestellt. Nach einer erbitterten Seeschlacht sinkt seine „San José“ auf den Meeresgrund – und mit ihr Millionen Gold- und Silbermünzen und Smaragde.

Der Präsident spricht von „einem der größten Funde“

Jetzt haben Wissenschaftler des Instituts für Anthropologie und Geschichte und Experten der kolumbianischen Marine Teile des Wracks vor der Karibikküste entdeckt. „307 Jahre nach ihrem Untergang haben wir die Galeone ‚San José‘ gefunden“, sagte Präsident Juan Manuel Santos. „Es ist einer der größten, wenn nicht der größte Fund von gesunkenen Kulturgütern in der Menschheitsgeschichte.“ Das Schiff erinnere daran, dass die kolumbianische Geschichte von Ereignissen sehr unterschiedlicher Epochen geprägt worden sei. Als es unterging, starben rund 600 spanische Besatzungsmitglieder.

Erbittert lieferten sich der kolumbianische Staat und das US-Unternehmen Sea Search Armada einen juristischen Schlagabtausch um die „San José“. Bereits in den 80er-Jahren gaben die Amerikaner an, das Wrack geortet zu haben. Die Firma wollte den Schatz heben und beanspruchte die Hälfte des Gewinns, was die damalige Regierung ablehnte. Der Rechtsstreit ging durch verschiedene internationale Institutionen, im Oktober 2011 wies ein US-Gericht schließlich überraschend alle Ansprüche von Sea Search Armada als unbegründet zurück.

Auch jetzt fordert das Unternehmen wieder Geld: Man habe wertvolle Hinweise gegeben und Vorarbeiten auf den Fundort geleistet und fordere daher eine angemessene Beteiligung, hieß es. Bei der Suche nach dem Wrack setzte Kolumbien nun auf modernste Technik und ausgewiesene Experten. „Es war eine enorme Anstrengung, an der viele Menschen beteiligt waren“, sagte Kulturministerin Mariana Garcés.

Einer der beteiligten Forscher war demnach bereits 1985 bei der Entdeckung der „Titanic“ dabei. Mit Sonar, Spezialkameras und Unterwasserdrohnen orteten die Wissenschaftler die Wrackteile schließlich am 27. November auf dem Meeresgrund vor der Stadt Cartagena nahe dem Archipel der Rosario-Inseln. Die genauen Koordinaten hält die kolumbianische Regierung aus Angst vor Schatzsuchern geheim. Der Fundort rund 50 Kilometer vor der kolumbianischen Küste sei Staatsgeheimnis, betonte der Präsident.

Ob der Schatz geborgen werden kann, ist noch unklar

Dass es sich bei dem Fund aber tatsächlich um die vor über 300 Jahren gesunkene „San José“ handelt, steht für den Leiter des Instituts für Anthropologie und Geschichte außer Frage. „Die Kanonen aus Bronze, die wir entdeckt haben, wurden speziell für die Galeone ‚San José‘ gegossen“, sagte Ernesto Montenegro. Außerdem habe man mehr als hundert Glasgefäße und Geschirr aus Porzellan gefunden. „An der Identität des archäologischen Funds gibt es keinen Zweifel“, so Montenegro. Ob die Wissenschaftler den vermeintlichen Millionenschatz jedoch wirklich heben können, ist noch unklar. Bislang haben sie nur Kanonen, Waffen und Gefäße aus Keramik entdeckt. Es könne noch Jahre dauern, bis die Artefakte ans Tageslicht gebracht werden, kündigte das Präsidialamt an.

So lange wird über den Schatz und seinen Wert weiter spekuliert: Die Schätzungen reichen von 3 bis 17 Millionen Euro. Die kolumbianische Regierung etwa taxiert den Wert auf eine Milliarde Euro und reklamiert den Fund für sich. Andere Schätzungen gehen von 17 Milliarden Euro aus.

Doch egal, wie hoch der Wert tatsächlich ist: Ein Mythos ist bereits jetzt wieder auferstanden. Präsident Santos kündigte schon den Bau eines Museums an, wo die Artefakte ausgestellt werden, die irgendwann aus dem Wrack geborgen werden. (mit dpa)

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen