Unfälle

Teenager sterben beim American Football in den USA

Allein 2015 starben in den USA zwölf junge Footballspieler an Hirnverletzungen. Ein Kongressabgeordneter kämpft für strengere Gesetze.

Ein Hobby, das tödlich sein kann: American Football.

Ein Hobby, das tödlich sein kann: American Football.

Foto: Istockphoto/groveb

Washington.  Luke Schlemm starb nach dem erfüllendsten Moment, den ein Footballspieler erleben kann. Der Star der Wallace County High School in Sharon Springs im US-Bundesstaat Kansas schaffte vor wenigen Tagen im Endspiel gegen „Otis-Bison“ den entscheidenden Touchdown. Doch sein Jubellauf in die Arme seiner Mitspieler endete jäh. Schlemm brach an der Seitenlinie zusammen. Wenig später stellten die Ärzte im Krankenhaus den Hirntod fest. Die Tragödie des 17-Jährigen ist kein Einzelfall. Tyrell Cameron. Roddrick Williams. Ben Hamm. Kenny Bui. Evan Murray.

Die Hirnverletzungen entstehen trotz Helm und Schutzkleidung

Die Liste junger High-School-Spieler, die seit Beginn der Saison im August gestorben sind, wird im Wochentakt länger. Inzwischen wurden bereits zwölf Tote gemeldet, mehr als im gesamten Vorjahr. Zeitungen wie „USA Today“ sprechen bereits von einem „tödlichen Herbst“. Amerikas härtester und mit Abstand beliebtester Nachwuchssport gerät unter Zugzwang.

Allein im vergangenen Jahrzehnt bezahlten nach Statistiken des „Nationalen Zentrums für schwere Sportverletzungen“ in North Carolina 100 Teenager ihre Liebe zum Football mit dem Leben. Im Kongress will der Abgeordnete Cedrick Richmond aus Louisiana der Sache jetzt nicht mehr länger tatenlos zusehen.

Per Gesetz soll die Gesundheitsbehörde CDC verpflichtet werden, zusätzliche Schutzmaßnahmen zu entwickeln. So soll zum Beispiel das Risiko von zu spät erkannten Hirnverletzungen, die trotz Helm beim Zusammenprall oft entstehen, radikal gesenkt werden. „Unsere Kinder sind unser größter nationaler Schatz“, sagte der Demokrat bei einer Ansprache, „wir dürfen nichts unversucht lassen, um das Spiel für die Jugend so sicher wie möglich zu machen.“

Nachwuchszahlen beim American Football gehen zurück

Richmonds Initiative trifft den Zeitgeist. Obwohl American Football mit knapp einer Million Spieler immer noch der gefragteste Jugendsport ist, gingen die Nachwuchszahlen zwischen 2010 und 2012 um fast zehn Prozent zurück. „Viele Eltern wollen ihre Söhne nicht mehr dem Risiko aussetzen“, sagte ein Talentscout der „Washington Redskins“. Auslöser dafür ist auch die gestiegene Aufmerksamkeit, die im Profibereich dem Thema gewidmet wird. Erst im Frühjahr einigte sich die Profiliga NFL mit 5000 ehemaligen Spielern auf Entschädigungszahlungen in Höhe von rund einer Milliarde Dollar.

Damit soll kompensiert werden, dass die NFL die Langzeitschäden nach Gehirnerschütterungen lange verharmlost hat. Studien haben zweifelsfrei belegt, dass Krankheiten wie Demenz und Depression darauf zurückgehen. In den Hirnen toter NFL-Profis wurden Hinweise auf die Hirnverletzung „chronisch traumatische Enzephalopathie“ gefunden.

Ärzte warnen, dass die Auswirkungen von Zusammenstößen bei jungen, noch nicht ausgewachsenen Spielern umso verheerender sein können. „Helme schützen zwar die Knochen“, sagte ein Mediziner der New York Times, „aber nicht das Gewebe.“ Wird eine Verletzung nicht rechtzeitig anerkannt und in den ersten Minuten nach dem Zusammenstoß behandelt, kann es schnell zur Katastrophe kommen. Andre Smith, 17, wurde Ende Oktober im letzten Spiel seiner Mannschaft hart getackelt. Am Tag drauf erlag er den Folgen seiner schweren Gehirnerschütterung.

Die Football-Liga stritt die schweren Folgen lange ab

Trauma-Spezialisten wie Dr. David Klossner von der Universität von Maryland zählen neben einer athletischen Schulung junger Spieler strikte Regelauslegung bei überharten Einsätzen und eine umfassende Schulung der Trainerstäbe im Umgang mit Schädel- und Halsverletzungen zu den wichtigsten Punkten aktiver Vorbeugung. „Vor einem Spiel muss medizinisch verpflichtend abgeklärt werden, ob ein Spieler den Strapazen gewachsen ist.“

Eine Forderung, die Dr. Bennet Omalu seit langem erhebt. Der gebürtige Nigerianer ist Professor für Pathologie an der Universität US Davis in Kalifornien. Er hat 2002 im Hirn des ehemaligen Pittsburgh Steelers-Star Mike Webster erstmals die „chronisch traumatische Enzephalopathie“ entdeckt. Gemessen an der langen Karriere des vor seinem Tod in Depressionen gefallenen Profis geht Omalu davon aus, dass Webster über 20.000 Schläge auf den Kopf bekommen hat. Seine Erkenntnisse wurden lange Zeit von der NFL aus Angst vor einem Image-Schaden abgestritten.

Eben dieser Arzt wird jetzt in einem Kinofilm von Hollywoodstar Will Smith verkörpert. Der eindrucksvolle Film, der im Februar in die deutschen Kinos kommt, trägt einen schlichten aber wirksamen Titel: Concussion – Gehirnerschütterung.

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