Studie

Glücksatlas: Norddeutsche sind am glücklichsten

| Lesedauer: 4 Minuten
Julia Emmrich
Der Weg zum Glück liegt für die Deutschen vor allem an der Küste: Im Norden des Landes leben die zufriedensten Menschen.

Der Weg zum Glück liegt für die Deutschen vor allem an der Küste: Im Norden des Landes leben die zufriedensten Menschen.

Foto: Martin Gerten / dpa

Eine neue Untersuchung listet auf, was die Deutschen besonders mögen: Arbeit, günstige Mieten und die Nähe zum Meer.

Berlin.  Glückliche Nordlichter! Je näher die Küste, desto zufriedener sind die Menschen mit ihrem Leben: Folgt man dem aktuellen „Glücksatlas“ der Deutschen Post, dann leben die glücklichsten Deutschen in Schleswig-Holstein, dicht gefolgt von den küstennahen Niedersachsen (Platz drei) und den Hamburgern (Platz vier). Und das nicht zum ersten Mal: Der Norden landet in Glücksrankings immer wieder weit oben – auch im internationalen Vergleich stehen Länder wie Dänemark, Schweden und Finnland bei der Lebenszufriedenheit an vorderster Stelle. Und die meerumspülten Niederländer? Kommen auf Platz drei im europäischen Glücksvergleich. Doch liegt die hohe Lebenszufriedenheit im deutschen Norden wirklich an der Seeluft und dem gelassenen Gemüt der Küstenbewohner?

Lebensglück ist – wie so oft – eine Mischung aus vielen Zutaten: Ein paar Kilometer weiter östlich, in Mecklenburg-Vorpommern herrscht eher schlechte Laune, das Land landet beim aktuellen „Glücksatlas“ auf dem letzten Platz: Dabei gibt es auch hier kilometerlange Strände, schöne Landschaft, niedrige Mieten, günstiges Bauland und damit viele Faktoren, die anderswo für Zufriedenheit sorgen. Doch die hohe Arbeitslosigkeit drückt, nirgendwo sonst ist das durchschnittliche Einkommen so niedrig.

Nordrhein-Westfalen liegt beim Glücksempfinden im Mittelfeld

Warum wirtschaftliche Gründe bei Spitzenreiter Schleswig-Holstein dagegen kaum ins Gewicht fallen, wundert allerdings auch Experten: Immerhin ist das Küstenland das ärmste unter den westdeutschen Bundesländern. Doch die Mentalität der Nordseeanrainer, meint der Freiburger Demografieforscher und Studienautor Bernd Raffelhüschen, sei hier eben ausschlaggebend. Wie bitte? „Ziehen Sie mal eine geschwungene Linie von den Niederlanden nach Dänemark“, sagt Raffelhüschen. „Auf dieser Linie liegen die glücklichsten Regionen Deutschlands.“ Das Talent zum Glücklichsein – ist das also am Ende alles nur eine Frage von Salzwasser, regionaler Verwandtschaft und guten Genen?

Nein. Mit Baden und Franken sind diesmal zwei deutsche Regionen im Glücksranking weit nach vorne gerückt, die mit Seeluft nichts am Hut haben. In Baden (Platz zwei) spielen andere Gründe eine Rolle: Die Menschen hier sind überdurchschnittlich gesund und die Arbeitslosenquote ist mit 4,1 Prozent extrem niedrig. In Franken (Platz fünf) geht es den Menschen vor allem finanziell sehr gut: Laut „Glücksatlas“ ist das verfügbare Einkommen in keiner anderen Region so hoch, die Wohnkosten sind relativ niedrig und damit die Kaufkraft sehr hoch.

Nordrhein-Westfalen liegt wie in vielen bundesweiten Rankings im Mittelfeld: Die Lebenszufriedenheit in der Region um Düsseldorf ist dabei leicht höher als in Westfalen und im Kölner Raum. Die Berliner dagegen sind klar unzufriedener als die Durchschnittsdeutschen – was viele Gründe hat: Sie hadern mit ihrer Gesundheit, mit den steigenden Kosten für Mieten und Immobilien und einer hohen Arbeitslosenquote. Das verfügbare Einkommen in der Hauptstadt liegt laut „Glücksatlas“ fast 3000 Euro unter dem Bundesdurchschnitt.

„Arbeit ist ein entscheidender Faktor bei der Lebenszufriedenheit“, sagt Raffelhüschen. Dabei geht es nicht nur um Einkommen und Anerkennung: Die Balance zwischen Job, Familie und Freizeit muss stimmen. „Die zufriedensten Deutschen sind diejenigen, die mit ihrer Arbeitszeit glücklich sind.“ Wer dagegen viel Zeit mit Pendeln verbringt, wer häufig nachts oder an Wochenenden arbeiten muss oder sich neben einem Vollzeitjob noch um Kinder kümmert, der hat es schwerer mit dem Glücklichsein. „Wirklich unzufrieden aber macht nur Untätigkeit“, glaubt Raffelhüschen.

Die allgemeine Lebenszufriedenheit hat insgesamt zugenommen

Für den aktuellen „Glücksatlas“ ließen die Autoren in einer Extrastudie nachfragen, welche Rolle die Digitalisierung für die Arbeitszufriedenheit der Deutschen spielt. Die Antworten fallen gemischt aus: Ja, sagen die allermeisten, die Kommunikation ist leichter geworden. Doch jeder Zweite beklagt gleichzeitig die ständige Erreichbarkeit und ein Mehr an Stress. Am stabilen Glücksgefühl der Deutschen ändert das aber wenig: Im Gegensatz zu früheren Rankings hat die Lebenszufriedenheit in der jüngeren Vergangenheit sogar wieder leicht zugenommen. Die Deutschen sind in Glücksfragen noch keine Dänen – aber: „Uns geht’s gut“, sagt Raffelhüschen.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos