Stuttgart –

Sternschnuppen am Dezemberhimmel

| Lesedauer: 6 Minuten
Hans-Ulrich Keller

Die längste Nacht des Jahres und hell leuchtende Planeten stehen zum Jahresende bevor

Stuttgart. Der Morgenhimmel ist im Dezember reich geschmückt mit hellen Planeten. Sternschnuppen regnen reichlich vom Himmel. Und die längste Nacht des Jahres steht bevor – sie dauert 16 Stunden. Gegen zehn Uhr abends sind am Osthimmel bereits alle Wintersternbilder aufmarschiert. In der westlichen Himmelshälfte stehen die Herbststernbilder dann vor ihrem Untergang. Hoch in westlicher Richtung erblickt man das Pegasusquadrat, bekannt als Herbstviereck. Seine Südwestecke deutet zum Westhorizont.

An der obersten Ecke hängt die Sternenkette der Andromeda. Den Platz im Zenit nimmt der Perseus ein, der Retter der Andromeda. Tief im Nordwesten ist noch das Sternenkreuz des fliegenden Schwans mit dem hellen Stern Deneb zu sehen. Der Schwan ist ein Relikt des Sommerhimmels. Knapp über dem Nordhorizont flackert die Wega in der Leier. Dieser helle, bläuliche Stern ist in unseren Breiten nahezu zirkumpolar und daher fast in jeder klaren Nacht des Jahres zu sehen.

Riesenstern Hamal leuchtet so hell wie hundert Sonnen

Hoch im Süden findet man nahe der Mittagslinie (Meridian) das kleine Sternbild Widder. Im Wesentlichen setzt sich der Widder aus drei helleren Sternen zusammen, die ein stumpfwinkeliges Dreieck bilden. Dem Namen nach ist der Widder jedem vertraut, denn er gehört zum Tierkreis. Im Tierkreis sind jene 13 Sternbilder vereint, durch welche die Sonne im Laufe eines Jahres wandert. Den Widder passiert sie vom 19. April bis 14. Mai. Bei der Aufzählung der Tierkreissternbilder wird der Widder stets an erster Stelle genannt. Denn vor über 2000 Jahren lag der Frühlingspunkt in ihm. Infolge der Kreiselbewegung der Erde wandert der Frühlingspunkt entgegengesetzt dem Sonnenlauf in knapp 26.000 Jahren durch alle Bilder des Tierkreises. Heutzutage steht die Sonne zu Frühlingsbeginn im Sternbild der Fische.

Der Hauptstern des Widders, Hamal genannt, leuchtet in einem orangegelben Licht und ist kühler als unsere Sonne. Sein Name stammt aus dem Arabischen und bedeutet: Hammel oder Lamm. Seine Fachbezeichnung lautet Alpha Arietis. Hamal ist ein Riesenstern in 66 Lichtjahren Entfernung. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, und entspricht fast zehn Billionen Kilometern. Der Riesenstern leuchtet so hell wie etwa hundert unserer Sonnen zusammengenommen.

Himmelsjäger Orion strahlt südöstlich des Sternbilds Stier

Hoch im Osten, fast im Zenit, leuchtet die gelbe Kapella im Fuhrmann. Darunter stößt man auf die beiden Sternenketten der Zwillinge mit ihren Hauptsternen Kastor und Pollux. Hoch im Südosten sieht man Aldebaran, den rötlichen Hauptstern des Stieres, sowie die beiden auffälligen Sternhaufen der Plejaden und Hyaden. Südöstlich des Sternbilds Stier strahlt unübersehbar der Himmelsjäger Orion mit dem rötlichen Schulterstern Beteigeuze und dem bläulichen Fußstern Rigel. Der Orion ist das Leitsternbild des Winterhimmels. Tief im Südosten ist soeben Sirius im Großen Hund aufgegangen. Der bläulich funkelnde Sirius ist der hellste Fixstern am irdischen Firmament und nur knapp neun Lichtjahre von unserer Sonne entfernt.

Venus lässt das Jahr als Morgenstern ausklingen

Helle Planeten fehlen gegenwärtig am Sternenhimmel. Nur der flinke Merkur zeigt sich gegen Jahresende kurz am Abendhimmel. Vom 25. Dezember bis 3. Januar 2016 kann man den Benjamin der Planeten in der fortgeschrittenen Abenddämmerung knapp über dem Südwesthorizont erspähen. Bald darauf (17.45 Uhr) geht Merkur unter. Der Morgenhimmel ist reich geschmückt mit hellen Planeten. Venus lässt das Jahr als Morgenstern ausklingen. Sie verkürzt allerdings ihre Sichtbarkeit am Morgen drastisch. Am 1. Dezember geht sie um 4 Uhr morgens auf. Zum Jahresende erscheint der Morgenstern erst um etwa 5.15 Uhr. Jupiter im Sternbild Jungfrau ist ein Planet der zweiten Nachthälfte. Er ist der zweithellste Planet am irdischen Himmel und wird nur noch von Venus an Glanz übertroffen. Zwischen Jupiter und Venus leuchtet der rötliche Mars, zurzeit der lichtschwächste in diesem Planetentrio.

Um Weihnachten tauchen die Sternschnuppen auf

Von etwa 7. bis 17. Dezember machen sich die Meteore des Geminidenstromes bemerkbar. Ihr Radiant oder Ausströmungspunkt liegt im Sternbild Zwillinge. Die Geminiden erreichen ihren Höhepunkt in der Nacht vom 13. auf 14. Dezember, wobei stündlich bis zu 120 Meteore über den Himmel huschen, auch sehr helle Objekte. Um die Weihnachtsfeiertage tauchen die Sternschnuppen des Ursidenstromes auf. Ihr Maximum erreichen sie in der Nacht zum 23. Dezember gegen Mitternacht. Es flammen aber nur bis zu 20 Meteore pro Stunde auf.

Am 5. befindet sich der Mond mit 404.800 Kilometer Distanz in Erdferne. Neumond tritt am 11. des Monats um 11.29 Uhr ein. Die längste Vollmondnacht des Jahres erleben wir vom 25. auf 26., wobei der helle glänzende Mond im Sternbild Zwillinge nahe der Grenze zum Stier steht. Mit 368.420 Kilometer Entfernung kommt der Mond am 21. in Erdnähe.

Am Abend des 23. Dezember bedeckt der schon fast volle Mond den hellen, orangen Hauptstern des Stieres, Aldebaran genannt. Da der Mond ohne Lufthülle ist, verschwindet Aldebaran schlagartig am Ostrand des Mondes und erscheint etwa eine Stunde später ebenso plötzlich am hellen Westrand des Mondes. Für den in Deutschland zentralen Ort 50 Grad Nord und 10 Grad Ost verschwindet Aldebaran um 19.15 Uhr hinter dem Mond und taucht um 20.20 wieder auf. Der Verlauf der Aldebaran-Bedeckung ist ortsabhängig, in Berlin beginnt er um 19.17 Uhr.

Am 22. Dezember beginnt der astronomische Winter

Die Sonne wechselt am 18. abends aus dem Schlangenträger in das Sternbild Schütze, in dem sie am 22. um 5.48 Uhr ihren Jahrestiefststand erreicht. Damit beginnt der astronomische Winter. Der südlichste Punkt der Sonnenbahn, der Winterpunkt, lag vor über 2000 Jahren im Sternbild Steinbock – deshalb spricht man vom Wendekreis des Steinbocks. Der Winterpunkt markiert den Beginn des Tierkreiszeichens Steinbock. Die Nacht vom 21. auf 22. ist die längste des Jahres. Sie dauert in unseren Breiten rund 16 Stunden.

( dpa )

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